US-Wahlkampf

Trumps ökonomische Fantasterei

Steuern runter, Regeln abschaffen, Freihandel einschränken: Mit einfachen Rezepten will Donald Trump Amerikas Wirtschaft zu alter Größe zurückführen. Sein Motto: Amerikanisierung statt Globalisierung. Eine Analyse.

Donald Trump: „Meine Kampagne ist die Zukunft“

BerlinDas soll es also gewesen sein. Das Comeback von Donald Trump nach einer desaströsen Wahlkampfwoche, die seine Kampagne für das Weiße Haus fast zum Entgleisen brachte. Dabei besann sich der Kandidat bei seiner Rede vor dem Wirtschaftsclub in Detroit auf einen Wahlkampfspruch von Bill Clinton: „It’s the economy, stupid!“ („Es ist die Wirtschaft, Dummkopf!“)

Mit einer Mischung von Steuersenkungen für alle, dem massiven Abbau von Regulierungen und einer Kampfansage an die Handelspartner der USA will Trump verlorenen Boden in den Umfragen zurückgewinnen. Vor allem aber nutzte er seine vom Teleprompter abgelesene und von Zwischenrufen immer wieder unterbrochene Rede vor geladenen Gästen dazu, die wirtschaftspolitischen Vorschläge seiner Rivalin Hillary Clinton und die ökonomische Bilanz von US-Präsident Barack Obama heftig zu attackieren. Dass er das ausgerechnet vor den Industrieruinen der Autostadt Detroit tat, war sicher kein Zufall. In kaum einer anderen amerikanischen Großstadt lassen sich die wirtschaftlichen Probleme der USA so veranschaulichen wie hier. Trumps Rezepte sind allerdings kaum die richtige Medizin, um diese Probleme zu lösen.

Die von ihm angekündigte „größte Steuerrevolution seit Ronald Reagan“ besteht vor allem aus einer drastischen Senkung der Unternehmenseinkommenssteuer von 35 auf 15 Prozent, dem noch vagen Versprechen, besonders für die Mittelschichten die Einkommensteuern zu senken und der Ankündigung, zahlreiche Schlupflöcher und Steuervergünstigungen für die Reichen zu schließen. Ob die Rechnung unter dem Strich aufgeht oder Amerika – wie unter Reagan – in neue Schulden stürzt, ließ der Kandidat offen.

Trumps Programm ist ohnehin ein schwieriger Balanceakt zwischen den wirtschaftsliberalen Vorstellungen seiner Partei und den Erwartungen seiner meist einkommensschwachen Anhänger. Die Abschaffung der bei den Republikanern verhassten Erbschaftssteuer auf der einen und die Steuerbefreiung für Kinderbetreuungskosten auf der anderen Seite zeigt seinen politischen Spagat.

Hollywood macht Front gegen Donald Trump
Umstrittener Präsidentschaftskandidat
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Donald Trump geht langsam die Musik aus. Bands wie die Rolling Stones verbieten dem umstrittenen Präsidentschaftskandidaten reihenweise die Verwendung ihrer Songs im Wahlkampf. Das ist aber nicht das einzige Problem des Immobilienmoguls. Denn er steht mit halb Hollywood auf Kriegsfuß...

Bryan Cranston macht mobil
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„Breaking Bad“-Star Bryan Cranston (links) will nun gemeinsam mit über 100 weiteren Stars verhindern, dass Trump ins Weiße Haus einzieht. Die Promis haben sich für die Kampagne „United Against Hate“ (Vereint gegen Hass) zusammengeschlossen. Cranston verteidigte bei einer Podiumsdiskussion den Einsatz: Als Star habe man „die Verantwortung, seine Gedanken, Kommentare und Gefühle gegenüber der Gesellschaft zu teilen“, erklärte er.

Lena Dunham
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„Wir glauben, es ist unsere Verantwortung, unsere Plattformen zu nutzen, um auf die Gefahren einer Trump-Präsidentschaft aufmerksam zu machen, und die realen und gegenwärtigen Bedrohungen durch seine Kandidatur“, heißt es in einem offenen Brief, der unter anderem von der Schauspielerin und Bestseller-Autorin Lena Dunham unterzeichnet wurde.

Mark Ruffallo
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„Donald Trump will unser Land zurück in eine Zeit führen, in der Angst als Entschuldigung für Gewalt diente, in der Gier Diskriminierung förderte und in der der Staat Vorurteile gegen ausgegrenzte Gemeinschaften zum Gesetz erhob“, hieß es weiter in dem Brief. Auch Schauspieler Mark Ruffalo nimmt an der Kampagne „United Against Hate“ teil.

Jane Fonda
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Einige Unterstützer der Kampagne, wie die Oscar-Preisträgerin Jane Fonda (Foto) und Regisseur Michael Moore, mischten zuvor auch schon bei der Initiative „Stop Hate – Dump Trump“ (Stoppt den Hass – werft Trump auf den Müll) mit.

Ben „Macklemore“ Haggerty
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Nachdem die Republikaner Trump zum Präsidentschaftskandidaten gekürt haben, erklärte Rapper Macklemore in einem Anti-Trump-Song, dass er eine „Party schmeißen und auf der Straße tanzen würde“, falls Hillary den Wahlkampf gewinnen sollte. Auch er unterstützt die Kampagne.

Tony Schwartz
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Tony Schwartz (rechts) war der Ghostwriter von Donald Trumps Autobiographie „The Art of the Deal“, die zum Bestseller wurde. Damit trug Schwartz wesentlich zu dessen Aufstieg bei. Das bereut er nun – weshalb auch er bei der Kampagne mitmischt.

Deutlicher setzt sich der Politunternehmer beim Thema Freihandel von seiner Partei ab. „Amerikanisierung statt Globalisierung“ ist sein Motto. Konkret heißt das: Trump will das Freihandelsabkommen Nafta mit Mexiko und Kanada neu aushandeln, die von Obama schon abgeschlossene Trans-Pacific Partnership (TPP) verhindern und mit Strafzöllen einen Handelskrieg mit China vom Zaun brechen.
Ob Trump nach seinen verbalen Ausfällen jetzt mit seinem wirtschaftlichen Rundumschlag zurück ins Rennen um das Weiße Haus kommt, darf man bezweifeln. Viele Amerikaner sind nach den Chaostagen verstört über das Enfant terrible der amerikanischen Politik. Doch zumindest redet der Populist jetzt über Themen anstatt Freund und Feind mit Schmähungen zu überziehen.

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