US-Wahlkampf
Warum Merkel Clinton die Daumen drückt

Öffentlich hält sich Angela Merkel aus dem US-Wahlkampf heraus. Tatsächlich aber hofft die Kanzlerin, dass Hillary Clinton am Dienstag gewinnt. Aus Sicht der Bundesregierung sprechen fünf Gründe für die Demokratin.
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WashingtonAngela Merkel hat sich Zurückhaltung auferlegt. Allzu deutliche Aussagen zur US-Wahl sind von ihr nicht zu hören. Die Kanzlerin hat mit Wahlkampfhilfe im Ausland schlechte Erfahrungen. Als sie vor vier Jahren für den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy trommelte, half das wohl eher seinem sozialistischen Herausforderer Francois Hollande.

Dass Merkel sich nicht öffentlich einmischt, bedeutet aber nicht, dass sie keinen klaren Favoriten hätte. Im Kanzleramt wie in allen Berliner Ministerien drückt man Hillary Clinton die Daumen. Dafür gibt es fünf Gründe – die sich vor allem aus einer Skepsis gegenüber Clintons Rivalen Donald Trump ableiten.

1. Der ungeliebte Unbekannte

Wenn es etwas gibt, das Merkel nicht mag, sind es Überraschungen – Situationen, auf die sie sich nicht vorbereiten kann. Ein US-Präsident Donald Trump wäre für Merkel so ein Fall. Während sie die demokratische Kandidatin Hillary Clinton persönlich aus deren Zeit als Außenministerin kennt, hat sie zum Republikaner Trump bisher keinen Kontakt. Da er Geschäftsmann ist und bisher keinen politischen Posten hatte, tut man sich schwer, ihn einzuschätzen. In Berlin ist er ein großer Unbekannter.

Mehr noch: Anders als bei früheren Präsidentschaftswahlen gibt es auch kaum Verbindungen zu Trumps Umfeld. Der Kandidat hat wenige Berater – und die meisten kommen nicht aus dem politischen Betrieb. „Von daher gibt es wenig belastbare Verbindungen“, sagt Jürgen Hardt (CDU), Koordinator für transatlantische Beziehungen der Bundesregierung. Noch hofft man in Berlin, dass viele von Trumps Äußerungen dem Wahlkampf geschuldet sind und er als Präsident nicht alles umsetzen würde, was er angekündigt hat. Doch sicher ist man sich nicht.

2. Unberechenbare Außenpolitik

Das gilt vor allem für Trumps Außen- und Sicherheitspolitik. Unvergessen ist seine Drohung, aus der Nato auszutreten. Würde er ernst machen? „Eine nüchterne Analyse müsste auch für einen Präsidenten Trump gegen einen Nato-Austritt sprechen“, sagt Hardt. Schließlich profitiere Amerika sicherheitspolitisch enorm von dem Verteidigungsbündnis.

Trotzdem gibt es aus Merkels Sicht viele Risiken. Trump hat sich bisher nicht nur auffallend freundlich über den russischen Präsidenten Wladimir Putin geäußert, sondern auch angekündigt, dass sich Amerika wieder stärker um sich selbst kümmern müsse. Die Sorge in Berlin ist, dass Putin einen nachgiebigen Kurs eines neuen US-Präsidenten nutzen und in Syrien und der Ukraine Fakten schaffen könnte.

Von Hillary Clinton verspricht man sich in Berlin hingegen außenpolitische Kontinuität. Sie würde Europa – allen voran Deutschland und Frankreich – weiterhin als ihre wichtigsten Partner ansehen, so die Erwartung. Trotzdem rechnet man im Auswärtigen Amt auch mit Neujustierungen. So wurde der Obama-Regierung zuletzt vorgehalten, außenpolitisch in Teilen nicht konsequent genug zu sein. Diesen Eindruck werde Clinton entkräften wollen, erwartet Hardt. „Sie würde als Präsidentin deutlich machen, dass die USA beispielsweise in Syrien oder der Ukraine deutlich Grenzen aufzeigen und bereit sind, stärker einzugreifen.“

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. Achten Sie bitte auf Ihre Wortwahl. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

  • Als Investor war ich schon immer für die Privatisierung von Gefängnisen. Es wird vielleichr ein wenig kühler in den Zellen aber das Essen bleibt warm. Immerhin
    würden die neuen Gefängnis-Bauten modern sein, wenn auch aus Kostengründen in Sibirien. Alle wären aber zufrieden, der Staat hätte die Störer los und ich meine Dividende. In diesem Sinne immer schön Kommentare schreiben, das fördert die Wirtschaft und damit uns Investoren.

  • Servus Community,

    Donald Trump wird der nächste President der Vereinigten Staaten, ich nehme noch Wetten an ;-)

    Wir benötigen keine Hardliner die ihre Doktrin der Welt verordnen.
    Es müssen diplomatische Lösungen gefunden werden!
    Bedauerlicherweise sehe ich in Wolkenkuckucksheim derzeit niemand, der dazu in der Lage ist.

    Es wird nächstes Jahr ziemlich spannend, was in Schilda passieren wird!
    Was auf keinen Fall gewollt ist, dass die Bürger mitreden.
    Die CSU hat dies wohl in ihr Programm aufgenommen,
    aber Bauernschlauheit ist in Bayern bekanntlicherweise ziemlich ausgeprägt.

    Greets from the South

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