US-Wahlkampf
Wie Putin Washington in Aufregung versetzt

Die E-Mail-Affäre um Hillary Clinton wird immer verworrener und kostet sie bereits Stimmen in den Umfragen. Die Demokraten schlagen nun zurück – und bringen Donald Trumps mögliche Verbindungen zum Kreml ins Spiel.

WashingtonZeitungs-Titelstorys, aufgeregte Nachrichtenmoderatoren, wilde Debatten in den sozialen Netzwerken: Die Aufregung um Hillary Clintons E-Mail-Affäre hat noch einmal zugenommen und dominiert den US-Wahlkampf vollständig. Während das Lager der demokratischen Präsidentschaftskandidatin die Entdeckung neuer Mails und mögliche Ermittlungen durch das FBI herunterspielen, versucht der republikanische Rivale Donald Trump, den vermeintlichen Skandal auszuschlachten.

Am Dienstag aber geriet Trump nun selbst unter Beschuss, und zwar wegen möglicher dubioser Kontakte nach Russland. Die Demokraten versuchen, die Clinton-Affäre zu einer Trump-Affäre zu machen – indem sie FBI-Chef James Comey, einem Republikaner, Parteilichkeit vorwerfen: „Wenn Sie damit beschäftigt sind, Informationen über Ermittlungen über die Präsidentschaftskandidaten zu veröffentlichen, dann veröffentlichen Sie doch auch alles, was Sie über Donald Trump haben“, forderte Clintons-Wahlkampfmanager Robby Mook bei CNN. Vor allem Trumps Verbindungen zu Russland sollten offengelegt werden.

Es ist ein lange gehegter Vorwurf, den das Clinton-Lager nun erneut zum Thema macht: Trump erhalte Hilfe aus höchsten Kreml-Kreisen, russische Hacker hätten immer wieder E-Mails der Demokraten abgefischt und über die Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht. Brisante Inhalte hatten unter anderem die demokratische Parteichefin Debbie Wasserman Schultz das Amt gekostet sowie deren Nachfolgerin Donna Brazile ihren Job als Kommentatorin bei CNN. Im Gegenzug für die Hilfe der Hacker, so der Vorwurf der Demokraten, lobe Trump Russlands Präsidenten Wladimir Putin bei jeder Gelegenheit. Mook kritisierte nun, das FBI habe nichts über die Rolle Russlands im US-Wahlkampf oder russischen Verbindungen zu Trump und seinen Beratern veröffentlicht.

Er spielte damit auf einen Bericht des TV-Senders NBC an, wonach der FBI-Chef Anfang Oktober interveniert habe, damit der Name seiner Behörde nicht auf einem brisanten Papier der US-Regierung erscheint. Darin wird Russland vorgeworfen, hinter Indiskretionen und Cyber-Attacken zu stecken. Auch der Ex-US-Botschafter bei der Europäischen Union, Stu Eizenstat, sagte im Handelsblatt-Gespräch: 17 US-Geheimdienste seien zu dem Schluss gekommen, dass es eine direkte Einmischung Russlands gegeben habe. „Ich glaube, es gab noch nie in der Geschichte dieses Landes eine ausländische Regierung, die so direkt versucht hat, Einfluss zu üben“, sagte Eizenstat.

Doch FBI-Chef Comey wollte mit dieser Erkenntnis seinerzeit offenbar nicht in Verbindung gebracht werden. Seine Begründung laut NBC: Der Zeitpunkt liege zu nahe an der US-Wahl. Das FBI wolle den Wahlkampf nicht beeinflussen.

Dies sorgt nicht nur bei den Demokraten für Kopfschütteln. Wenn sich Comey so um den Wahlkampf sorgt, warum machte er dann am vergangenen Freitag, wenige Tage vor der Wahl, die neu entdeckten Clinton-Mails zum Thema? „Unverhohlene Doppelmoral“, schimpfte Clinton-Berater Mook. Der FBI-Chef schulde der Öffentlichkeit eine Erklärung.

Damit wird die Affäre um Clintons E-Mails nun deutlich erweitert. Zur Erinnerung: Die Auseinandersetzungen drehen sich um den Vorwurf, Clinton habe als Außenministerin Teile ihres dienstlichen Mail-Verkehrs über ihren privaten Account abgewickelt und sei damit ein Risiko für die Nationale Sicherheit eingegangen. Das FBI untersuchte ein Jahr lang den Fall und stellte im Juli fest, es gebe keinen Grund für eine Anklage. Am Freitag schrieb FBI-Chef Comey dann jedoch an Kongressmitglieder, es seien neue Mails aufgetaucht, die in Zusammenhang mit den früheren Ermittlungen stehen könnten.

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