US-Wirtschaft im Wahlkampf: Stabile Daten und steile Thesen

US-Wirtschaft im Wahlkampf
Stabile Daten und steile Thesen

„It's the economy, stupid“: Bill Clintons Wahlkampfstratege Carville prägte diesen Satz. Bewahrheitet er sich wieder, gewännen die Demokraten die US-Wahl. Allerdings nehmen es die Kandidaten mit der Wahrheit nicht so genau.

Washington/New YorkWas für eine Leistung? Seit Barack Obama im Jahr 2008 zum US-Präsidenten gewählt wurde, hat sich die Arbeitslosenquote in seinem Land halbiert. Die Beschäftigung geht nach oben, das Wachstum stimmt – die größte Volkswirtschaft der Welt könnte jubeln.

Doch die Menschen in Amerika nennen wirtschaftliche Ängste noch immer als eines der Hauptthemen im gerade tobenden Wahlkampf – das Wachstum kommt unten nicht an. Die durchschnittlichen Haushaltseinkommen sind in der Amtszeit Obamas deutlich gesunken, wie aus Zahlen der Statistikbehörde hervorgeht. Die Hauspreise haben sich noch nicht völlig vom Immobiliencrash erholt.

Die Kandidaten im Wahlkampf nutzen dies, um ihr Süppchen zu kochen. „Die wahre Arbeitslosenquote liegt mindestens doppelt so hoch“, faucht der linke Demokrat Bernie Sanders, der schrille Republikaner Donald Trump taxiert die Quote bei 42 Prozent – ohne jeden Beleg versteht sich. Sein Rivale Ted Cruz macht deutlich, dass 92 Millionen Amerikaner nicht in Lohn und Brot sind. Und Marco Rubio wirft der Demokratin Hillary Clinton vor, „in einer Zeitmaschine in die Vergangenheit“ zu sitzen. Laut Faktencheck-Blogs ist sie die einzige, die die Arbeitslosenzahlen nicht maßlos übertreibt.

Die Kandidaten bauen sich in Sachen Volkswirtschaft ihre eigene Realität – je nachdem, wie sie es für ihre jeweilige Zielgruppe für opportun halten. Doch ein bisschen haben sie auch Recht, mit ihren düsteren Szenarios. Die US-Wirtschaft steckt in strukturellen Schwierigkeiten – nicht lebensbedrohlich, aber ernstzunehmend.

Das schwache Wachstum zum Jahresende, die Risiken durch den Ölpreisverfall und die Dollar-Stärke haben bei Anlegern Sorgen vor einem Absturz der US-Wirtschaft entfacht. An den Finanzmärkten macht sogar schon wieder das böse R-Wort von der Rezession die Runde. Experten halten die Angst vor einem neuen Crash zwar für übertrieben, aber es gibt durchaus einige beunruhigende Faktoren.

Ein Blick auf die Bilanzen der US-Unternehmen im Leitindex S&P 500 verheißt nichts Gutes. Dem Analysehaus Factset zufolge sind die Gewinne im vierten Quartal im Schnitt um 3,3 Prozent verglichen mit dem Vorjahr gesunken. 96 Prozent der Firmen haben inzwischen ihre Zahlen vorgelegt. Es ist das erste Mal seit der tiefen Rezession 2009 mit Abstrichen in drei aufeinanderfolgenden Quartalen.

Seite 1:

Stabile Daten und steile Thesen

Seite 2:

Das Sorgenkind ist die Energiewirtschaft

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%