USA
Obama schaltet sich in den Wahlkampf ein

Obama lobt Hillary Clinton in den höchsten Tönen: Noch nie sei ein Präsidentschaftskandidat „so qualifiziert“ wie seine frühere Außenministerin gewesen. Damit liefert er eine Steilvorlage für Donald Trump.

WashingtonNach dem faktischen Sieg von Hillary Clinton bei den Vorwahlen der US-Demokraten hat Präsident Barack Obama offen Partei für seine ehemalige Außenministerin ergriffen. „Ich stehe an ihrer Seite“, erklärte er in einem am Donnerstag ausgestrahlten Video. „Ich glaube nicht, dass es jemals jemanden gab, der so qualifiziert für dieses Amt war.“

Damit steigt der Druck auf Clintons verbliebenen Gegenkandidaten Bernie Sanders, aus dem Rennen um die Nominierung auszusteigen. Ihr republikanischer Rivale Donald Trump warf Obama vor, seine Politik über Clinton fortsetzten zu wollen. Die beiden Lager lieferten sich über Twitter einen heftigen Schlagabtausch.

Sanders hat eigentlich erklärt, bis zum Parteitag im Juli weiter Wahlkampf führen zu wollen. In der Partei mehren sich jedoch die Stimmen, die den Senator aus Vermont zum Verzicht auffordern, damit die Demokraten die Reihen gegen Trump schließen können. Am Donnerstag sprach Obama mit Sanders unter vier Augen. Der Clinton-Rivale hat bisher allerdings nicht erklärt, dass er aufgeben will. Am Dienstag findet die letzte Vorwahl der Demokraten im Regierungsbezirk um die Hauptstadt Washington statt. Das Ergebnis ist für den Ausgang der Vorwahlen ohne Bedeutung.

Der erste gemeinsame Auftritt von Clinton und Obama ist für kommende Woche in Wisconsin angesetzt. Er sei „heiß darauf“, mit Clinton in Wahlkampf zu ziehen, sagte Obama. Die beiden Demokraten hatten 2008 selbst einen langen und harten Vorwahlkampf gegeneinander geführt. Später diente sie ihm vier Jahre lang als Außenministerin. „Es ist für mich absolut eine Freude und eine Ehre, dass Präsident Obama und ich über die Jahre von erbitterten Konkurrenten zu echten Freunden geworden sind“, sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters.

Obama darf selbst nach zwei Amtszeiten nicht mehr bei der Präsidentenwahl im November antreten. Bislang hatte er sich aus dem Vorwahlkampf herausgehalten. Clinton wäre der Sieg jedoch spätestens seit der letzten großen Abstimmungsrunde am Dienstag nur noch unter äußerst außergewöhnlichen Umständen zu nehmen.

Die Unterstützung ihres früheren Rivalen könnte Clinton durchaus helfen: Einer Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge sind fast die Hälfte aller Amerikaner mit Obamas Arbeit zufrieden, ein ungewöhnlich hoher Wert für einen US-Präsidenten in dieser Phase seiner Amtszeit. Unter Demokraten liegt die Zustimmung sogar bei mehr als 82 Prozent. Allerdings wird er von über 84 Prozent der Republikaner abgelehnt.

Der Milliardär Trump warf Obama über Twitter vor, er wolle seine Politik mit Hilfe von Clinton weitere vier Jahre fortführen. Außer ihm wolle das aber niemand, schrieb Trump. Daraus entwickelte sich ein Schlagabtausch: „Delete your account“ - „Löschen Sie Ihr Nutzerkonto“ hieß es kurz darauf bei Clinton, deren Feed 6,7 Millionen Abonnenten zählt. Innerhalb von Minuten wurde der Satz mit mehr als 194.000 Weiterleitungen der Beliebteste der Kandidatin. Trump erwiderte, wo denn die „33.000 E-Mails geblieben sind, die Sie gelöscht haben“, eine Anspielung auf die Affäre um einen privaten E-Mail-Server, den Clinton als Ministerin unterhielt.

Clinton liegt laut der jüngsten Reuters/Ipsos-Umfrage grob zehn Prozentpunkte vor Trump. Sie sagte Reuters am Donnerstag, im Falle ihrer Wahl werde sie ein Paket mit Wirtschaftsreformen vorzulegen. Dies werde innerhalb der ersten 100 Tage geschehen. Dabei werde sie der Wall Street Grenzen aufzeigen und die Mittelschicht steuerlich entlasten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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