Wahlkampf-Finale in den USA
Die Unermüdlichen

Bis zuletzt versuchen Clinton und Trump, ihre Wähler zu mobilisieren. Zehntausende Anhänger verfolgen ihre Abschlusskundgebungen im Wahlkampf. Clinton setzt auf Stars, Trump auf Sprechgesänge: „Sperrt sie ein.“
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Philadelphia/ManchesterMarc Schleifer hat sich frei genommen, fünf Urlaubstage geopfert. Im heruntergekommenen Norden von Philadelphia ist er von Tür zu Tür gegangen, um Wahlkampf für Hillary Clinton zu machen. Schleifer erzählt von dem ganzkörpertätowierten Puerto-Ricaner, der koreanischen Einwandererfamilie, den Drogendealern und dem Mann, der zwischen verbarrikadierten Häusern sein rostiges Auto zusammenflickte.

Sie und noch viele andere haben ihm versprochen: „Wir wählen Hillary.“ Schleifer ist daher jetzt ein wenig beruhigt. „Hoffen wir, dass wir morgen Geschichte schreiben“, sagt er, das blaue Clinton-Logo hat er sich an seinen Pullover geklebt. Vor ihm schieben sich Massen von Menschen Richtung Independence Hall. Zehntausende sind schon dort.

Zum großen Finale haben sich die Demokraten in Philadelphia versammelt, in der gleichen Stadt also, wo sie schon im Sommer Hillary Clinton zur Kandidatin ausgerufen haben.  Mit einem Großaufgebot von Popstars und Parteiprominenz versuchen sie, die demokratische Basis auf den Tag der Entscheidung einzustimmen. Vor der Independence Hall findet eine der größten Kundgebungen des Wahlkampfs statt. 33.000 Fans zählen die Behörden.

Bon Jovi und Bruce Springsteen spielen, Bill und Chelsea Clinton treten auf, nach ihnen Michelle Obama, die First Lady, und Präsident Barack Obama. Die Demokraten demonstrieren Einheit und Geschlossenheit. Clinton im Wahlkampf zu helfen, „ist das letzte und wichtigste, das ich als First Lady tun kann“, ruft Michelle Obama.

Clinton braucht die Hilfe der Obamas, der Wahlkampf hat sie schwer beschädigt, die Mehrheit der Amerikaner hat ein schlechtes Bild von ihr. Zwar liegt sie in Umfragen vor, aber längst nicht so eindeutig, wie es ihre Strategen am Vorabend der Präsidentschaftswahl gern hätten. Selbst in demokratisch geprägten Bundesstaaten wie Pennsylvania kann sich Clinton nicht allzu sicher sein. Auch deshalb lässt sie sich jetzt noch einmal in Philadelphia feiern.

Clinton gibt sich präsidial

Michelle Obama übergibt an ihren Mann, den Präsidenten. Er preist Clintons Erfahrung, ihre Entscheidungsstärke, ihre Ruhe. Besonders große Freude bereitet es Barack Obama, Clintons Gegner Donald Trump auseinanderzunehmen – mit Charme und Selbstironie. „Es ist nicht gut, wenn man arrogant ist und weiß, wovon man redet“, ruft Obama, der den Vorwurf der Überheblichkeit sehr gut kennt. „Wirklich schlimm ist es, wenn man arrogant ist und nicht weiß, wovon man redet.“

Dann erscheint die Frau im roten Kostüm, die hier alle nur „Madam President“ nennen: Hillary Clinton. Sie hält sich mit Angriffen auf Trump zurück. „Ich bedauere zutiefst, wie wütend der Wahlkampf geworden ist“, sagt sie. Clinton will präsidial wirken. „Ich werde eine Präsidentin aller Amerikaner, nicht nur derer, die mich gewählt haben.“

Aber auch Clinton kommt noch einmal auf ihren Gegner zurück: „Ihr habt die Wahl zwischen einer verlässlichen und starken Staatsführung und einem unsicheren Kantonisten, der alles aufs Spiel setzt“, warnt sie. „Wir stehen vor der größten Prüfung unserer Zeit.“

Nora, eine junge Mutter, schaukelt ihr dick eingepacktes Baby auf dem Arm. „Unsere Vielfalt ist unsere Stärke", sagt sie. „Und ich möchte dieses Amerika für meinen Sohn bewahren.“

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„Er muss einfach gewinnen“

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  • Angela gratuliert Donald zur Wahl. Küsschen links, Küsschen rechts.

    Oder gibt es doch die Frauenpower wie bei den Grünen und Linken und nur Frauengeschmuse.

  • Da leuchten schon die Dollarnoten der Wall Street Spender in Hillarys Augen und nach ihrem möglichen Wahlsieg steigen natürlich weltweit die Börsenkurse an.

  • H. Clinton kommt jetzt mit „Love & Peace und Brückenbauer-Kampagne“ - ich lach mich tot.
    Wenn es um die Machtergreifung und den Machterwerb geht, entdeckt plötzlich eine zutiefst korrupte Person ihr Gutmenschentum-Seite und verspricht eine Systemwende einleiten. Da leuchten schon die Dollarnoten der Wallk Street Spender in Hillary Augen und nach ihrem möglichen Wahlsieg steigen natürlich weltweit die Börsenkurse.
    Eine kranke korrupte Welt der Gier und des Geldes!
    Ich schreibe es immer wieder: „Man kann gar nicht soviel fressen, wei man kotzen könnte!“

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