Wie die EU auf Trump reagiert
Ratlosigkeit und Entsetzen in Europa

Die EU hatte bis zuletzt gehofft, dass Hillary Clinton die US-Wahl gewinnt. Zum jetzt gewählten US-Präsidenten Donald Trump gibt es kaum politische Kontakte. Die Befürchtungen sind groß.

BrüsselFür viele Europäer ist ein Alptraum wahr geworden: Die Amerikaner haben Donald Trump zum 45. US-Präsidenten gewählt. Viele Europäer hatten bis zuletzt gehofft, dass es dazu nicht kommen wird und sind nun fassungslos. „Ich bin entsetzt“, meint EU-Europaparlamentarier Knut Fleckenstein (SPD). „Eine der bittersten Niederlagen, die die amerikanische Demokratie je erlitten hat“, kommentiert der EU-Abgeordnete Reinhard Bütikofer von den Grünen. Die Präsidenten der EU-Institutionen Jean-Claude Juncker (Kommission), Donald Tusk (Rat) und Martin Schulz (Parlament) müssen Trump gratulieren, obwohl keiner von ihnen seinen Wahlsieg gewünscht hat. Man müsse nun irgendwie mit diesem Ergebnis leben, meinte Martin Schulz.

Die Europäer wissen nicht, was sie nun erwartet. Kontakte zum politischen Lager von Trump gibt es so gut wie gar nicht. Noch kann niemand einschätzen, ob und wie der neue US-Präsident die transatlantischen Beziehungen in den kommenden vier Jahren pflegen wird. Bricht eine neue transatlantische Eiszeit an?

Über die außenpolitischen Pläne dieses neuen Präsidenten ist so gut wie nichts bekannt. Die Europäer kennen nur seine Wahlkampfäußerungen – und die lösten in Brüssel die größten Befürchtungen aus. Nur zwei Beispiele: Trump signalisierte, dass er die Sanktionen gegen Russland aufheben will. „Die Krim interessiert ihn nicht, er ist nur an den geschäftlichen Beziehungen mit Russland interessiert, und da stören die Sanktionen“, sagt ein führender EU-Diplomat.

Die bisher einheitliche Haltung des Westens gegenüber Russlands steht damit zur Disposition. Beispiel Nummer zwei: Trump drohte damit, das Atomabkommen mit Iran aufzukündigen. Die iranische Regierung sei deshalb sehr beunruhigt, hieß es in Brüssel. Das Abkommen gilt als einer der größten Erfolge der EU-Diplomatie. Nun ist es in ernster Gefahr.

Auch Trumps aggressive Töne gegen die Nato und gegen das Handelsabkommen TTIP trugen dazu bei, dass sich die Europäer jetzt große Sorgen machen. Wenn die EU über den großen Teich schaut, blickt sie in ein großes schwarzes Loch. Niemand weiß, wie Trump es nun füllen wird.

Ruth Berschens leitet das Korrespondenten-Büro in Brüssel.
Ruth Berschens
Handelsblatt / Büroleiterin Brüssel
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