US-Wahl
El Kaida beleidigt Obama

Das Terrornetzwerk El Kaida hat sich erstmals per Videobotschaft direkt an Barack Obama gewandt. Darin sagte die Nummer zwei, Aiman el Sawahiri, dass er auch den neuen US-Präsidenten als Feind betrachte. Der Terrorist beschimpfte Obama außerdem mit rassistischen Schmähungen.

NEW YORK. Barack Obama sei "das direkte Gegenteil von ehrwürdigen schwarzen Amerikanern" wie etwa dem Bürgerrechts-Aktivisten Malcolm X, sagte Osama Bin Ladens Stellvertreter laut Nachrichtenagentur AP. Die knapp zwölf Minuten lange Botschaft ist unterlegt mit Standbildern von Sawahiri, Malcolm X beim Gebet sowie mit Obama in Gesellschaft von jüdischen Glaubensvertretern.

Der Terrorist beschimpfte Obama mit rassistischen Begriffen: Der künftige Präsident sei wie auch Außenministerin Condoleezza Rice und Vorgänger Colin Powell ein "Haus-Neger", der den Weißen diene, so Sawahiri in der Aufzeichung, die auf islamistischen Webseiten veröffentlicht wurde. Malcolm X hatte den Begriff in den 60er Jahren verwendet: Schwarze Sklaven, die im Haushalt arbeiten, seien unterwürfiger als jene auf den Feldern, meinte der Bürgerrechtler. Das Schimpfwort hatte er gegen schwarze Aktivisten verwendet, die sich zu wenig gegen die weiße Vorherrschaft gewehrt hätten.

Sawahiri sagte weiter, die Präsidenten-Wahl habe nichts verändert. "Amerika hat ein neues Gesicht aufgesetzt, doch sein Herz ist voller Hass" und seine Seele "ertrinke in Gier". "Mord, Unterdrückung und Willkür wird sich wie jeher fortsetzen", so der ideologische Anführer von El Kaida. Obama erwarte ein "schweres Erbe aus Verbrechen und Fehlern" von George W. Bush. Obamas Wahlsieg zeige, dass Bush gescheitert sei.

Im Wahlkampf hatte Obama versprochen, manche Instrumente des "Kriegs gegen den Terror" zurückzunehmen. So will er etwa das Foltern per "Waterboarding" verbieten, bei dem die Verhörbeamten dem Häftling glauben machen, er ertrinke. Außerdem plant Obama, zügig das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba zu schließen. Politiker und Kommentatoren aus dem rechten Lager hatten dem Demokraten daraufhin Schwäche vorgeworfen. Allerdings hatte Obama immer wieder betont, die Jagd auf Bin Laden und den Kampf gegen den Terror fortsetzen zu wollen. So plant er etwa, die Truppen in Afghanistan aufzustocken.

Davor warnte nun Sawahiri in der Botschaft, die Bezug auf einen Militärschlag von US-Truppen Anfang November in Afghanistan nimmt. Ohne konkret mit Anschlägen zu drohen, prophezeite der Terrorist, dass die Mission zum Scheitern verurteilt sei - die Afghanen würden sich wehren. Obama stehe vor einem "erwachenden Heiligen Krieg, der die Säulen der gesamten islamischen Welt erzittern" ließe. Die Unterstützung Obamas für Israel zeige, dass er sich für eine "feindselige Haltung gegenüber dem Islam und Muslimen" entschieden habe.

Nils Rüdel
Nils Rüdel
Handelsblatt / Deskchef Politik
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