Also würzt er die Beschreibung der begüterten Verhältnisse, in denen er aufgewachsen ist, mit etwas amerikanischer Aufsteigerfolklore, ohne die es in den USA nun mal nicht geht. Dazu muss der Vater herhalten, der sich hochgeschafft und aus dem Tal der Großen Depression befreit und es bis zum Chef der Automobilfirma AMC und schließlich zum Gouverneur gebracht hatte. Nie habe sich der vor einfachsten Jobs gescheut, berichtet Mitt Romney und schwenkt dann ein aufs Jetzt, auf die Mühsal seines Lebens, die MS-Erkrankung seiner Frau, auf Werte, Zusammenhalt und Traditionen. Aber immer noch ist nicht klar, was das alles mit Romneys Präsidentschaftsambitionen zu tun hat, abgesehen von der Tatsache, dass man den seltsamen Kerl, der jetzt im Weißen Haus regiert, ablösen müsse, und dies ganz dringend. Obama, sagt Romney dann, und auch das kommt nicht spontan, sondern einstudiert, sei ein Europäer, ein Sozialist und ein Versager, der sich zudem noch in der Welt für Fehler entschuldige. Als Romney das sagt, „Er entschuldigt sich!“, empört sich die Menge mit einem ungläubigen Raunen, so als sei es doch zutiefst unamerikanisch, Fehler zu machen oder für diese gar um Verzeihung zu bitten. Nicht wir, „das beste Volk der Welt“, wie Romney wieder und wieder sagt. Eine Zeile, die Applaus geradezu garantiert.
Kein Wort davon, dass die ökonomische Misere schon da war, als Obama ins Weiße Haus einzog, kein Wort, dass Romney selbst in Massachusetts eine Gesundheitsreform umsetzte, die der Obamas auffallend ähnlich ist, kein Wort, dass Romney sein Geld auch damit gemacht hat, dass seine Investmentfirma Bain Capital Jobs abbaute oder amerikanische Jobs ins Ausland verkaufte.
Die Demokraten werden all das genüsslich ausschlachten, jedes Detail, aber Romney wird auf den Abnutzungseffekt spekulieren, darauf, dass es am Ende den Menschen egal ist, was er gemacht hat, weil sie das meiste davon ja schon vor vier Jahren bis zum Überdruss gehört haben. Und weil es einfach keinen besseren gibt als ihn, Mitt Romney.
Wenn alles so bleibt, wie es ist. Wenn nicht etwa doch Sarah Palin Lust bekommt und das blasse Kandidatenfeld aufmischt. Oder wenn Michele Bachmann besser in Fahrt kommt. Oder wenn jetzt noch einer der Zaungäste als Nachzügler ins Rennen einsteigt. So wie Jon Huntsman, der ehemalige Gouverneur von Utah und bis vor kurzem Obamas Botschafter in Peking. Der will sich an diesem Dienstag zum Kandidaten küren. Vielleicht, weil er das Elend in seiner Partei nicht mehr ertragen kann.