US-Wahl: Kein Rezept gegen Obama
Republikaner scheitern an sich selbst

Amerika steckt in der Krise, die Arbeitslosigkeit wächst, die Schulden explodieren. Zehn Republikaner wollen das nutzen, um das Weiße Haus zu erobern. Doch noch macht sich US-Präsident Obama keine Sorgen.
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Stratham/New HampshireEingeredet hatten seine Berater auf Newt Gingrich, doch bitte diese überflüssige Griechenland-Reise zu kippen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Wesentliche war das Offensichtliche: Die Kandidatur für das Präsidentschaftsticket der republikanischen Partei. Erst vor wenigen Wochen hatte der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses, formal die Nummer Drei in der politischen Hierarchie der USA, gleich nach dem Präsidenten und dessen Vize, seinen Hut in den Ring geworfen. Noch einmal wollte Newt Gringrich es wissen. Wissen, ob er die Kraft hätte, nach den Sternen zu greifen und Präsident zu werden. Mit 68 Jahren würde das seine letzte Chance sein. Und für die wollte, musste er alles geben. 

Doch nicht seine Frau Callista. Die schöne Dame an seiner Seite, 23 Jahre jünger als er und vom Aussehen ein all-american girl mit blonder Helmfrisur, drängte in die Ägäis und auf die vielen schönen Inseln dort. Newt könne doch auch von unterwegs seine Kampagne steuern, hieß es nur spitz, heutzutage, mit all den modernen Kommunikationsmitteln sei das doch kein Problem.

Doch dann wurde es ein Problem, weil der zweiwöchige Trip zu den Griechen das Fass zum Überlaufen brachte. Es war einfach „too much“, zuviel, was der impulsive einstige Gegenspieler von Bill Clinton seinen Helfern zumutete. Erst seine harsche Kritik am republikanischen Vorschlag, die staatliche Krankenversicherung für Ältere, Medicare, de facto zu privatisieren. Kurzerhand zerlegte Newt Gingrich so ein Kernstück der politischen Offensive der Republikaner gegen Obama - und leistete Wahlkampf für jenen Präsidenten, den er doch eigentlich ablösen will. 

Meldungen über einen ausschweifenden Lebensstil des Paares lieferten dazu ein Hintergrundrauschen. So sollen die Gingrichs bei dem Juwelier Tiffany's über eine Kreditlinie von 500.000 Dollar verfügen, um sich jederzeit mit  Schmuck eindecken zu können. Und auf einem Kampagnentrip in Iowa soll das Paar mit leichter Hand 40.000 Dollar ausgegeben haben. Jeder einzelne Anlass war Gelegenheit genug für die Medien, die alten Geschichten wieder auszugraben: Vom „Womanizer“ Gingrich, der sein Testosteron nicht kontrollieren kann. Und von jenem Gingrich, der Bill Clinton wegen der Lewinsky-Affäre am liebsten des Amtes enthoben hätte, während er parallel seine damalige Frau mit Callista betrog. Gingrichs Strategie, so seine Berater, war die eines Losers, nicht eines Gewinners. Die Konsequenz: 16 Mitglieder von Gingrichs Wahlkampfstab warfen Ende letzter Woche den Kram hin und kündigten.

Die Implosion der Gingrich-Kampagne ist kein Einzelfall. Fast könnte man glauben, sie steht symptomatisch für die Lage der gesamten republikanischen Partei. Denn trotz anhaltender Wirtschaftsflaute, trotz Schuldenbergs und hoher Arbeitslosigkeit, trotz der satten konservativen Mehrheit im Repräsentantenhaus bekommen die Republikaner bislang die politische Wende nicht hin. 

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