US-Wahlen 2012: Jon Huntsman: Chancenlos im Haifischbecken

US-Wahlen 2012
Jon Huntsman: Chancenlos im Haifischbecken

Die Reihen der Herausforderer von Präsident Obama lichten sich. Jon Huntsman gilt als der „good guy“ unter den republikanischen Kandidaten. Das reicht nicht. Die Vorwahlen in New Hampshire könnten seine Endstation sein.
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Manchester/New HampshireFrüher oder später kommen sie alle bei Christopher Pappas vorbei: Mitt Romney und Rick Santorum, Michele Bachmann und Newt Gingrich. So wie früher schon Bill Clinton und Ronald Reagan. In vierter Generation ist der 31-Jährige Pappas Nachkomme griechischer Einwanderer und Chef des „Puritan Backroom“. Das Restaurant an der Hooksett Road in Manchester in New Hampshire ist nicht weniger als eine Institution. Seit 106 Jahren gibt es das Lokal in der Hauptstadt des nördlichen US-Bundesstaates und wer es sich mit den Wählern nicht verderben will, der lässt den Backroom nicht aus.

An diesem Samstag mittag ist es der ehemalige Gouverneuer von Utah, Jon Huntsman, der mit seinem Geländewagen am Puritan Backroom hält. Es ist nicht viel mehr als ein Boxenstopp für ein nettes Bild: Huntsman, wie er sich von Reportern umringt in das Restaurant hinein bewegt. Huntsman, wie er in roter Windjacke und Cordhose angetan, einen Blick auf den Eissalon von Chris Pappas wirft. Huntsman, wie er sich dann selbst hinter das Steuer seines SUV klemmt und mit offenem Fenster nach ein paar Minuten wieder davonbraust.

Pappas selbst, der innen im Restaurant mit Schürze, Jeans und kariertem Hemd sein florierendes Lunchgeschäft im Blick behält, bekommt von all dem kaum etwas mit. „Manchmal rufen sie gar nicht mal vorher an und sagen Bescheid, dass sie kommen“, sagt er nur und zuckt die Achseln. Sie, die vielen Kandidaten, die glauben, mit einem Kurzauftritt im Backroom ein paar Stimmen zu angeln.

Stimmen für die republikanischen Vorwahlen am Dienstag, die nach jenen in Iowa der erste richtige Test sind. Denn während in Iowa in einem archaischen Wahlverfahren, das persönliche Anwesenheit voraussetzt, der Favorit der Konservativen bestimmt wurde, wählt in New Hampshire die republikanische Gefolgschaft in üblicher Manier mit Wahllokal und Stimmzettel, den man irgendwann im Laufe des Tages in die Urne wirft.

In New Hampshire haben sich schon viele Politikerschicksale entschieden. Zuletzt vor vier Jahren jenes von John McCain, der nach einem eher schwachen Abschneiden in Iowa in New Hampshire zu ganz großer Form auflief. McCain hatte den kleinen Bundesstaat mit den vielen Wäldern und Seen unermüdlich bereist und dann dort die Ernte eingefahren. Es war der Anfang eines Weges, der dem Senator aus Arizona schließlich die Nominierung als republikanischer Präsidentschaftskandidat und Gegner von Barack Obama bescherte.

Auch für Jon Huntsman könnte New Hampshire nun zu einem Test werden, der eine Vorentscheidung bringt. Nur: Anders als für John McCain könnte New Hampshire für den 51-Jährigen bereits die Endstation bedeuten. Denn es sieht nicht gut aus für den telegenen Mormonen mit der sanften Stimme und den gemäßigten Ansichten. Im Durchschnitt aller Umfragen liegt Huntsman mit gerade mal neun Prozent Zustimmung abgeschlagen auf einem vierten Platz hinter Romney, Ron Paul und Rick Santorum. Das ist zu wenig für einen, der seine ganzen Hoffnungen auf New Hampshire gesetzt hat, der deswegen Iowa sausen ließ und der jetzt beim zweiten Test ein starkes Ergebnis braucht. Wahrscheinlich weiß Huntsman das alles selbst und vielleicht wirkt er deshalb an diesem Mittag, als er sich schnell wieder aus dem „Puritan Backroom“ herausquält, so lustlos. Beinahe könnte man meinen, dieser Mann will in diesen letzten Tagen nur noch hinter sich bringen, was unvermeidlich ist.

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Gute Optik, aber kein Biss

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  • Der Mann ist aufrichtig und klug. Ich fürchte damit hat eine keine Aussichten bei den Wahlen...

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