US-Wahlkampf-Affäre
Neue Belege für Zahlungen aus Kiew

2016 tauchte sein Name in einem „Schwarzen Kassenbuch“ in der Ukraine auf. Trotzdem behauptete Paul Manafort, Ex-Wahlkampfmanager von Donald Trump, keine Zahlungen der früheren prorussischen Regierung erhalten zu haben.
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WashingtonDer Vorwurf war so schwer, dass er von seinem Job als enger Berater von Donald Trump zurücktreten musste: Auf dubiosen Wegen sollte Paul Manafort über Jahre hinweg etliche Millionen Dollar vom kremlnahen Expräsidenten der Ukraine bekommen haben. Handfeste Beweise lagen zunächst nicht vor. Doch nachdem im März bereits eine Rechnung mit der Adresse des Amerikaners aufgetaucht war, liegen der Nachrichtenagentur AP nun Dokumente vor, die in zwei Fällen auch die erfolgte Überweisung der angegeben Summen belegen.

Konkret geht es um zwei Zahlungen von insgesamt etwa 1,2 Millionen Dollar (heute etwa 1,1 Millionen Euro) in den Jahren 2007 und 2009. Mit großer Wahrscheinlichkeit besteht also kein direkter Zusammenhang mit dem im vergangenen Jahr zwischenzeitlich von Manafort geleiteten Wahlkampf Trumps. Es zeigt aber, dass Firmen des Politikberaters tatsächlich entsprechend eines „Schwarzen Kassenbuchs“ bezahlt wurden. Manaforts öffentlich geäußerte Zweifel an der Authentizität dieser Liste aus Kiew dürften sich damit erübrigt haben.

Auf Anfrage der AP bestritt Manafort nicht mehr, Geld aus der Ukraine erhalten zu haben. Er ließ aber mitteilen, dass die von seiner Firma empfangenen Überweisungen „rechtmäßige Entlohnungen für tatsächlich geleistete Politikberatungsdienste“ gewesen seien. „Ich habe meinen Kunden Rechnungen gestellt“, hieß es in einer Stellungnahme. Zudem wurde betont, dass Manafort bei der Bezahlung die „von seinen Klienten bevorzugten Finanzinstitute und Modalitäten“ akzeptiert habe.

Am Mittwoch ließ Manafort mitteilen, dass er sich beim US-Justizministerium rückwirkend für seine ukrainische Lobby-Arbeit als ausländischer Interessenvertreter registrieren werde. Damit würde er einräumen, seine Tätigkeit für die ukrainische Regierung nicht wie vom Gesetz vorgeschrieben gemeldet zu haben.

Vor dem Auftauchen der neuen Dokumente hatte Manaforts Sprecher Jason Maloni behauptet, dass das „Schwarze Kassenbuch“ aus Kiew eine Fälschung sei und dass es keine Beweise dafür gäbe, dass Manafort oder andere der aufgeführten Personen tatsächlich irgendwelche Zahlungen erhalten hätten. Die ukrainische Antikorruptionsbehörde geht nach eigenen Angaben davon aus, dass das Kassenbuch aus der Zeit von Präsident Viktor Janukowitsch echt ist. Zuletzt hatte sie aber betont, dass nicht überprüft werden könne, ob die angegebenen Zahlungen auch erfolgt seien.

Im vergangenen Monat hatte der ukrainische Abgeordnete Serhij Leschtschenko eine Rechnung des Unternehmens „Davis Manafort“ über 750 000 Dollar (heute 710 000 Euro) für 501 Computer präsentiert. Die AP fragte den Berater daraufhin, ob die Zahlung zum genannten Zeitpunkt unter der angegebenen Kontonummer angekommen sei. Manafort erklärte dazu lediglich, dass er dies nicht mehr prüfen könne, da seine Bank die Daten nach sieben Jahren routinemäßig gelöscht habe.

Den Vertrag über die vermeintliche Lieferung der Computer bezeichnete Manafort am Dienstag zudem als „Fälschung“. „Die Unterschrift ist nicht von mir, und ich habe keine Computer verkauft“, hieß es in einer Stellungnahme. „Offensichtlich ist dagegen, dass bestimmte Personen aus politischen Motiven heraus unterschiedliche Informationsbrocken nehmen und ihre Bedeutung im Rahmen einer Kampagne voller Hetze und Unterstellungen verzerren.“

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Vorwürfe gegen Manafort erhärten sich

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