US-Wahlkampf
Alle gegen Hillary

Ton und Umgang der republikanischen Präsidentschaftskandidaten werden rauer: In der sechsten Fernsehdebatte debattieren die US-Republikaner eifrig über die Wirtschaft, drückten sich aber gleichzeitig vor Antworten für das US-Problem Gesundheitssystem. Nur in der verbalen Attacke gegenüber einer Konkurrentin liefen die Streithähne zur Hochform auf.

WASHINGTON. Eigentlich sollte es der Abend von Fred Thompson werden. Doch am Ende blieb dem Newcomer in der republikanischen Kandidatenriege nicht viel mehr als die Rolle des interessierten Zuschauers. Denn nicht der Ex-Senator aus Tennessee zog die Aufmerksamkeit in der inzwischen sechsten Fernsehdebatte auf sich, sondern das Spitzentrio Rudy Giuliani, Mitt Romney und John McCain.

Thompson, Star der TV-Serie „Law & Order“, verkündete vor allem Allgemeinplätze und machte dazu ein ernstes Gesicht. Und manchmal versuchte er sich auch als Spaßvogel, der etwas mehr Heiterkeit in die schwergewichtige Debatte über Wirtschaftsthemen bringen wollte. Von dem Mix aus Leichtigkeit und Prinzipientreue, die sein alter Ego Ronald Reagan auszeichnete, war Thompson an diesem Tag jedoch noch meilenweit entfernt. Immerhin aber wusste er auf die Frage von MSNBC-Moderator Chris Matthews die richtige Antwort. Der fragte: „Wie heißt der kanadische Premierminister?“ Und nach einer kurzen Schrecksekunde sagte Thompson: „Harper, Prime Minister Harper“. Zwar fehlte noch der Vorname des Kanadiers, aber der Test war bestanden.

In der vom Niedergang der Autoindustrie arg geschüttelten Stadt Dearborn – nur einen Steinwurf entfernt von Detroit – lieferten sich vor allem Giuliani und Romney einen Wettstreit darum, wer der größte Steuersenker ist und wer am heftigsten auf Hillary Clinton einschlagen kann. Die Senatorin aus New York, wenngleich nicht anwesend, erwies sich erneut als ergiebige Projektionsfläche der republikanischen Kritik.

Hillary, die bei den Demokraten das Kandidatenfeld anführt, wurde einer zu laschen Haltung gegenüber Iran angeklagt, es wurde ihr unterstellt, sie wolle Steuergelder verschleudern und schließlich reaktivierte Giuliani das böse Wort von „Hillarycare“ als Inbegriff „sozialistischer Medizin“. Allerdings blieben die Republikaner auch bei dieser Debatte eigene Ideen schuldig, wie die Misere des amerikanischen Gesundheitssystems zu lösen sei. Robert Reich, Arbeitsminister unter Bill Clinton, urteilte: „Keine Substanz“. Dem wollten und konnten auch die eher konservativen Analysten in der „Spin-Runde“ nach der Debatte nicht widersprechen.

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