US-Wahlkampf
Die weiche Flanke des Kandidaten

Mit einer Reise quer über den Globus will Barack Obama beweisen, dass er außenpolitische Kompetenz besitzt. Der Kandidat hat dabei viel zu verlieren.

WASHINGTON. Während in Europa immer mehr Details über Barack Obamas Reisepläne bekanntwerden, hält sich in den USA die Kampagne des 47-Jährigen bei dem Thema auffällig bedeckt. Offenbar will man erst an die Öffentlichkeit gehen, wenn Route und Termine feststehen, um zu verhindern, dass die Besuchsliste zerpflückt wird, bevor sie festgezurrt ist.

Tatsächlich ist Obamas Auslandsexpertise seine weiche Flanke. Der Senator aus Illinois hat auf diesem Feld kaum etwas vorzuweisen. Wegen des Dauerwahlkampfs mit Hillary Clinton konnte Obama in den vergangenen Monaten Versäumtes auch nicht aufholen. Sein Herausforderer John McCain hat in diesem Jahr bereits den Mittleren Osten, Europa und Kanada bereist. Erst vor wenigen Tagen kam er aus Mexiko und Kolumbien zurück, wo ihn seine Anwesenheit bei der Befreiung der Farc-Geiseln außenpolitisch ins Rampenlicht rückte.

Wichtiger jedoch als seine Reise nach Europa sind für das Obama-Camp die Planungen für Besuche in Israel und Jordanien, vor allem aber in den Irak und eventuell Afghanistan. Im Irak war Obama bisher nur einmal 2005, in Afghanistan noch nie. Da sich seine Außen- und Sicherheitspolitik jedoch genau auf diese beiden Krisenherde konzentriert, muss er dieses Defizit vor den Wahlen am 4. November ausgleichen. Ob er die Europa-Reise im Juli nun mit einer Reise in den Mittleren Osten verbindet, ist unklar. Abhängen wird dies auch davon, wie prominent Obama Ortstermine in Bagdad und Kabul medial platzieren möchte.

Während in den USA durchaus bekannt ist, wie beliebt Obama in Europa ist, hätten Besuche in Irak und Afghanistan einen ganz anderen Nachrichtenwert. Obamas Absicht, innerhalb von 16 Monaten die US-Kampftruppen aus dem Irak abzuziehen, ist ein Kernstück seiner Kampagne. Gleichwohl hat er in den vergangenen Tagen mit widersprüchlichen Aussagen zu erkennen gegeben, dass dieser Plan offenbar nicht unverrückbar ist. Wie Obama daher seine Stopps im Mittleren Osten gestaltet, könnte Schlüsse auf seine Sicherheitspolitik zulassen. Dies trifft auch auf den geplanten Besuch in Israel zu. Vor einem Monat hatte Obama ein überraschend großes Bekenntnis zur Unterstützung Israels abgelegt.

Bei allen Spekulationen gilt: Am Ende stellt ein kleiner Kreis von Beratern Obamas Reisefahrplan zusammen, und sie interessiert nur eins: Was immer Obama in Berlin, Bagdad oder Kabul unternimmt - es muss im Inland Stimmen bringen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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