US-Wahlkampf
„Ein besseres Amerika beginnt heute Nacht”

Nach weiteren fünf Vorwahlsiegen hat sich Mitt Romney zum offiziellen Herausforderer Barack Obamas erklärt. Derweil sucht sein Team nach einem Kandidaten für die Vizepräsidentschaft. Ein paar Namen sind im Gespräch.
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WashingtonWollen Politiker in Amerika ein unverbindliches Lob über einen Gegner aussprechen, bezeichnen sie sich gerne entweder als Patrioten oder als gute Familienmenschen. So fand auch Barack Obama über seinen Konkurrenten Mitt Romney ein paar warme Worte: Er habe Romney getroffen, sagte der Präsident am Dienstag in einer Late-Night-Show, und der sei „offenbar jemand, der sich um seine Familie kümmert“. Um nicht zu viel Behaglichkeit aufkommen, fügte Obama dann schnell hinzu: „Aber wir sind keine Freunde“.

Wohl wahr. Am selben Abend konnte der Präsident verfolgen, wie sich Romney mit fünf weiteren Vorwahlsiegen der Republikaner nun endgültig als Herausforderer in Stellung brachte. Die vergangenen Jahre hätten das Beste gezeigt, das Obama zu bieten hat, rief Romney in New Hamphire in einer kämpferischen Rede seinen Fans zu. „Aber es ist nicht das Beste, was Amerika kann“. Er, Romney, werde das Land aus der „stagnierenden Obama-Wirtschaft“ herausführen. „Haltet noch ein bisschen aus – ein besseres Amerika beginnt heute Nacht“, rief der Wahlsieger.

Mit den erwarteten Triumphen in Rhode Island, Connecticut, Delaware, New York und Pennsylvania hatte der Multimillionär und Geschäftsmann zuvor abgeräumt und seinen zwei verbliebenen Herausforderern Newt Gingrich und Ron Paul keine Chance gelassen. Sie wollen zwar vorerst weiter im Rennen bleiben, stellen aber keine Gefahr dar, nachdem der gefährlichste Rivale Rick Santorum bereits vor zwei Wochen ausgestiegen war. „Nach 43 Vorwahlen, vielen langen Tagen und mehr als ein paar langen Nächten“, sagte Romney, „kann ich mit Überzeugung und Dankbarkeit sagen, dass Sie mir große Ehre haben zuteil kommen lassen“. Unter Jubel beendete der braungebrannte Spitzenkandidat seinen Satz: „Zusammen werden wir am 6. November gewinnen.“

Zwar hat Romney auch nach den Erfolgen vom Dienstag noch immer nicht die magische Zahl von 1144 Delegierten für sich gewonnen, die er für die offizielle Nominierung auf dem Parteitag Ende August braucht. Dennoch ist der Gründer des Finanzinvestors Bain Capital und Ex-Gouverneur von Massachusetts spätestens jetzt der unangefochtene Obama-Herausforderer.

Gleichzeitig scheinen sich die Reihen hinter ihm allmählich zu schließen. Nach einer aktuellen Umfrage des Pew-Instituts könnten sich 90 Prozent der Republikaner vorstellen, für Romney zu stimmen – und das, obwohl der Kandidat im Vorwahlkampf regelmäßig vom konservativen und evangelikalen Teil der Partei abgestraft wurde, weil er ihnen zu liberal gilt. Ähnlich war es im Wahlkampf 2008, als der ebenso gemäßigte John McCain seine Partei hinter sich vereinte, obwohl er zuvor von den Radikalen bekämpft worden war.

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