US-Wahlkampf
Nächste US-Zeitung bezieht Stellung gegen Trump

Mit der „USA Today“ bezieht eine weitere große US-Zeitung Stellung gegen Donald Trump. Sie nannte den republikanischen Präsidentschaftskandidaten einen „gefährlichen Demagogen“ und „notorischen Lügner“.

WashingtonUS-Zeitungen gegen Donald Trump: Die Präsidentschaftskandidatur des rechtspopulistischen Immobilienmilliardärs veranlasst eine wachsende Zahl von US-Zeitungen dazu, mit ihren Traditionen zu brechen und sich gegen den republikanischen Anwärter zu positionieren. Jüngstes Beispiel ist „USA Today“, eines der meistgelesenen Blätter des Landes. Die überregionale Zeitung nannte Trump am Freitag einen „gefährlichen Demagogen“ und „notorischen Lügner“ und sprach ihm die Befähigung für die Präsidentschaft ab.

„USA Today“ hatte in den früheren Präsidentschaftswahlen noch nie Stellung für oder gegen einen der Kandidaten bezogen – im Unterschied zu vielen anderen US-Blättern. Die Zeitung habe nie einen Grund gesehen, an diesem Ansatz etwas zu ändern: „Bis jetzt“, schrieb „USA Today“.

Trump habe wiederholt gezeigt, dass es ihm „an dem Naturell, Wissen, der Beständigkeit und Ehrlichkeit fehlt, die Amerika bei seinen Präsidenten braucht“, schrieb das Blatt. „USA Today“ unterließ es allerdings, eindeutig die Präsidentschaftskandidatur der Demokratin Hillary Clinton zu unterstützen.

Während „USA Today“ einen traditionell überparteilichen Kurs fährt, haben sich auch konservative Blätter, die sonst den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner unterstützen, gegen Trump gestellt und sich sogar auf die Seite Clintons geschlagen. Zu ihnen zählen der „Cincinnati Enquirer“ aus dem Bundesstaat Ohio, die „Dallas Morning News“ aus Texas und die „Arizona Republic“.

Die „Arizona Republic“ erhielt deswegen nach eigenen Angaben Drohungen und eine Reihe von Kündigungen. Phil Boas, der bei der größten Zeitung des Bundesstaats Arizona die Leitartikel betreut, sagte der Nachrichtenagentur AFP, es habe „viele wütende Anrufer“ gegeben. Auch eine Morddrohung sei eingegangen. Allerdings bereue die Redaktion ihre Entscheidung nicht. „Wir fühlen uns gut damit“, sagte Boas.

Die „Arizona Republic“ hatte vor einigen Tagen geschrieben, Clinton sei zwar nicht frei von Fehlern, aber die bessere Wahl als Trump. Dieser sei „nicht konservativ und nicht qualifiziert“. Auch „USA Today“ schrieb, die Demokratin habe zwar „ihre eigenen Mängel“. Diese würden aber mit viel geringerer Wahrscheinlichkeit als bei Trump „die nationale Sicherheit bedrohen oder zu einer Verfassungskrise führen“.

Gleichwohl forderte „USA Today“ seine Leser nicht eindeutig zur Wahl der Demokratin auf. Sie sollten entweder Clinton oder einen Kandidaten der kleinen Parteien wählen oder - was nach dem US-Wahlrecht erlaubt ist - einen eigenen Kandidaten auf dem Wahlzettel eintragen. „Gehen Sie auf jeden Fall zur Wahl, wählen sie aber bloß nicht Donald Trump“, schrieb „USA Today“.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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