US-Wahlkampf
Präsident Obama bittet um eine kleine Spende

In den USA werden Wahlkämpfe mit viel Geld gewonnen. US-Präsident Barack Obama fürchtet, dass er nicht genug Dollar für die nächste Wahl in der Tasche hat.
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US-Präsident Barack Obama plagen offenbar ernsthafte Geldsorgen. „Wenn alles so weiter geht,  werde ich der erste Präsident der neueren Geschichte sein, dem für die Wiederwahl weniger Geld zur Verfügung steht als seinem Gegner“, schreibt Obama am Dienstag in einer Email an seine Unterstützer.

Der Grund dafür liege auf der Hand: Die Unterstützer seines Gegners Mitt Romney würden einfach tiefer in die Tasche greifen. „Durch die Vorwahlen hindurch haben wir fast drei Viertel unseres Geldes von Wahlkampfspendern bekommen, die weniger als 1000 Dollar gegeben haben. Mitt Romneys Team dagegen hat mehr als Drei Viertel des Geldes von Personen bekommen, die mehr als 1000 Dollar gespendet haben“, moniert der Präsident.

Erschwerend kommt für ihn hinzu, dass Romney auch noch deutlich stärker von unabhängigen Gruppen, sogenannten Super PACs, unterstützt wird. Statt direkt Geld für einen bestimmten Kandidaten zu spenden, können Unterstützer ihr Geld auch an eine Super PAC  überweisen. Diese investiert das Geld dann in den Wahlkampf des Kandidaten, ist allerdings nicht Teil seiner offiziellen Kampagne.  Erst vor zwei Wochen hat Kasino-Mogul Sheldon Adelson zehn Millionen Dollar überwiesen und angekündigt, dass er bei Bedarf noch etwa 90 weitere Millionen zusteuern könnte.

Dabei galt Obama lange Zeit als der unangefochtene Sieger im Geldeintreiben. Immer wieder jettete er zu Spendenveranstaltungen, um die Wahlkampfkasse zu füllen. Events in den Häusern von  „Sex and the City“ Ikone Sarah Jessica Parker und Hollywood-Star George Clooney sind nur einige Beispiele. Das Dinner bei Clooneys im Mai hat etwa 18 Millionen Dollar eingespielt.

Doch Romney holt auf. Im Mai hat die offizielle Kampagne des Herausforderers aus  Massachusetts um zum ersten Mal mehr Spenden eingeholt als Obamas Team. Auch im Juni, warnten Obamas Wahlkampfmanager bereits, könnte Romney beim Geldeintreiben wieder vorn liegen. Vor allem vermögende Geldgeber an der Wall Street haben sich nach Obamas Banker-Bashing enttäuscht vom Präsidenten abgewandt und lassen ihr Geld nun lieber Romney zufließen. Als Mitgründer der Private Equity Gesellschaft Bain Capital genießt Romney hervorragende Kontakte in die Finanzwelt, die er systematisch mobilisiert.

Immerhin: Bei der Stimmenverteilung liegt Obama noch vorn. Bei der jüngsten Umfrage von NBC  und dem „Wall Street Journal“ von Dienstag Nacht gaben 47 Prozent der Befragten an, dass sie den Präsidenten wiederwählen wollen. 44 Prozent haben sich für Romney ausgesprochen. Doch der Präsident ist nervös.

„Mein Herausforderer hat gerade das Wochenende auf einer geheimnisvollen Wahlkampfveranstaltung verbracht, die an seine größten Geldgeber gerichtet war. Ich  habe noch andere Dinge, für die ich verantwortlich bin“, schreibt der Präsident an seine Unterstützer und bittet seinerseits um Spenden – auf seine typisch bescheidene Art. „In dieser Woche endet die Frist für die Spenden im Juni. Bitte spenden Sie drei Dollar oder mehr.“

Astrid Dörner ist Korrespondentin in New York.
Astrid Dörner
Handelsblatt / Deskchefin Agenda

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  • Billionen Dollar Schulden und dann hauen sie das Geld wegen dummen Wahlkampfaktionen auf den Kopf. Dummes dummes Amerika. Spendet das lieber ihr Knalltüten!.

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