US-Wahlkampf
Romneys Steuern werfen neue Fragen auf

Der strauchelnde Mitt Romney geht in die Offensive: Wie versprochen hat der Präsidentschaftskandidat der Republikaner seine Steuererklärung für 2011 veröffentlicht. Doch die Dokumente lassen viele Frage unbeantwortet.
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WashingtonMitt Romney hat ein paar harte Tage hinter sich. Seit einer Woche bezieht der Präsidentschaftskandidat der Republikaner Prügel für Aussagen in einem Video, in dem er die Hälfte der Amerikaner in die Nähe von Sozialstaats-Schmarotzern gerückt hatte. Selbst Parteifreunde distanzierten sich von Romney, während Präsident Barack Obama in den Umfragen davonzog.

Zeit für einen Befreiungsschlag, dürften sich Romneys Berater gedacht haben – und kamen am Freitagnachmittag mit einer echten Überraschung: Nach monatelangem Druck und langen Versprechungen veröffentlichte der Kandidat endlich seine Steuererklärung für 2011.

Amerika weiß nun, dass Romney und Ehefrau Ann im vergangenen Jahr 13,7 Millionen Dollar verdient und davon 1,9 Millionen, also 14,1 Prozent, an den Staat abgeführt haben. Das ist ein niedrigerer Satz als bei vielen Landsleuten – doch Romney bezog sein Einkommen vor allem aus Investments, Dividenden und Zinseinkünften, und die werden in den USA deutlich geringer besteuert als Gehälter. Der Spitzensteuersatz liegt bei 35 Prozent.

Ein politisch heikles Thema: Obama macht sich für einen Mindeststeuersatz von 30 Prozent stark, den jeder mit einem Einkommen von mehr als einer Million Dollar zahlen soll. Diese Steuerpläne bezeichnete er als „Buffett-Regel“, benannt nach der Investoren-Legende Warren Buffett, der beklagt hatte, dass er einen niedrigeren Steuersatz zahle als seine Sekretärin.

Romneys Rate hätte sogar noch niedriger als 14 Prozent gelegen, hätte er nicht einen kleinen Trick angewandt: Die Romneys spendeten 2011 die beachtliche Summe von rund 4 Millionen Dollar an Kirchen und Wohlfahrtsorganisationen. Anstatt aber den vollen Betrag von der Steuer abzusetzen, machten sie nur 2,2 Millionen geltend. Dadurch zahlten sie zwar mehr Steuern als sie mussten, hielten so aber den Steuersatz bei über 13 Prozent – jener Marke, die Romney stets beteuerte nie unterschritten zu haben. 

Mit den Veröffentlichungen vom Freitag nun hätte die elende Diskussion um Romneys persönliche Finanzen zu Ende sein können, die ihn seit dem Vorwahlkampf im vergangenen Jahr verfolgt und die zuletzt etwas abgeebbt war. Doch für seine Gegner fängt sie hier gerade erst wieder so richtig an. Schuld daran ist Romney selbst: Die Hunderten von Seiten, die auf Romneys Website einzusehen sind, werfen mehr Fragen auf als sie beantworten. Konkrete Angaben über die Jahre davor bleibt er weiter schuldig.

Statt wie bei Präsidentschaftsrennen üblich die Steuererklärungen der vergangenen Jahre vollständig vorzulegen, beließ es Romney bei einer notariell beglaubigten Bestätigung. Demnach hat er zwischen 1990 und 2009 jährlich mindestens 13,6 Prozent seines Einkommens ans Finanzamt abgeführt. Damit wiederlegt er immerhin den Vorwurf des demokratischen Senats-Mehrheitsführers Harry Reid, Romney habe in einigen Jahren gar keine Steuern gezahlt.

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Auch Obamas verdienen prächtig

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  • Romney hat in den Umfragen mit Obama bereits wieder gleichgezogen: http://pollingreport.com/wh12gent.htm
    Komisch, dass der Handelsblatt-Autor darüber nicht informiert ist.
    Dass Romney für den Zeitpunkt der Veröffentlichung kritisiert wird, ist ja wohl lächerlich. Das ist seine Freiheit, und er muss sich kaum an die Wünsche des Obama-Teams halten.
    Letztendlich ist die ganze Diskussion nur ein Ablenkungsmanöver der Demokraten von der desaströsen Lage, in die Obama die USA gebracht hat.

  • Obama hat ja schon bewiessen was er kann. Weitere vier Jahre mit dem und Finanzwelt wird den groessten Crash der Menschheit erleben. Die groessten Schulden, die groesste Gelddrucke, die groessten Bubbles - ich denke es reicht was er erreicht hat.

    Und viele die meinen, dass das Chaos, welches Bernanke und Obama angerichtet haben ohne herbe Konsequenzen nicht mehr zurueckgenommen werden kann, werden leider Recht behalten.

    Also wenn es beim Romney nur seine Steuererklaerung ist, dann habe ICH kein Problem damit... Was ein Obama an oeffentlichen Mitteln verzockt hat, macht dieses Problem einfach nur laecherlich.

  • Ihr historisches Wissen ist fehlerhaft.

    Die amerikanischen Nationen verdanken ihre Existenz dem größten Genozid der Geschichte; alleine die USA wurden auf den Überresten von ca. 16 Mio. getöteter Indianer errichtet. Weder China, Russland noch Deutschland haben so viele „Gründungsleichen“ im Keller. Weiterhin haben die USA außenpolitisch eine Vielzahl völkerrechtswidriger Kriege geführt (z.B. zweiter Irak-Krieg unter G. Bush junior), Diktatoren unterstützt (z.B. Waffenlieferungen an Sadam Hussein während des Iran-Irak-Krieges), Terroristen aufgerüstete (z.B. Waffenlieferungen an die Taliban während der Sowjet-Präsenz in Afghanistan) und Demokratien zerstört (z.B. Unterstützung der chilenischen Putschisten unter Pinochet gegen den demokratischen Präsidenten Allende) und das organisierte Verbrechen gefördert (z.B. „antifaschistische“ Unterstützung der Mafia in Sizilien während des Zweiten Weltkriegs). Innenpolitisch sieht es auch nicht rosig aus: Vollstreckung der Todesstrafe an Unschuldigen (z.B. Carlos DeLunas ), Nichtverfolgung von Kriegsverbrechern (z.B. Massaker von My Lai), Klassenkampf von oben (z.B. „Schmarotzerrede“ von Mit Romney) oder, dass sich jedes kriminelle Arschloch nach Belieben mit Schusswaffen eindecken kann.

    Übrigens war es die Sowjetunion mit einem Blutopfer von ca. 19,6 Mio. Toten (darunter ca. 13. Mio. tote Rotarmisten) die uns vom Hitlerfaschismus befreit hat; im gesamt Zweiten Weltkrieg starben „nur“ ca. 300.000 US-Amerikaner.

    Insofern ist nicht nachvollziehbar, warum man die USA nicht hassen sollte. Sicher, China und Russland oder der Iran und Nord-Korea sind mehr hassenswerte Staaten, dass ändert aber nichts an der negativen Bewertung der USA. Auch Israel ist hassenswert, weil es das Glück der Juden auf dem Unglück der Palästinenser errichtet hat: Landraub, Apartheid etc.

    Insofern wäre natürlich - aktuell - eine Welt, die nur aus Europa, Australien, Kanada, Japan, Korea, Taiwan, Süd-Amerika und Schwarz-Afrika bestünde, eine bessere Welt.

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