US-Wahlkampf
Selbst die Großspender zweifeln an Romney

Sie sind Industrielle, Banker oder Casino-Könige, und sie geben Abermillionen aus für ein Ziel: Obama muss weg. Doch auch die finanzielle Feuerkraft der Großspender hat Romney bislang nicht helfen können. Das hat Folgen.
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New YorkWenn es gegen Barack Obama geht, hält sich Sheldon Adelson nicht mit Kleinkram auf. „Was auch immer nötig ist“, werde er lockermachen, um eine zweite Amtszeit des US-Päsidenten zu verhindern, sagte der milliardenschwere Casino-Mogul aus Las Vegas vergangene Woche. Bis zu 100 Millionen Dollar will Adelson deshalb auf Herausforderer Mitt Romney herabregnen lassen. Rund 70 Millionen davon sollen bereits an den Kandidaten und dessen Unterstützergruppen überwiesen worden sein.

Die Summe bedeutet selbst für US-Wahlkämpfe ein neue Dimension. Den bisherigen Rekord als Einzelspender hält der Hedgefonds-Manager und Philanthrop George Soros, der vor acht Jahren 27,5 Millionen Dollar ausgab, um eine zweite Amtszeit von George W. Bush zu verhindern. Das Geld hätte sich Soros allerdings sparen können: Bush wurde bekanntlich trotzdem wiedergewählt, Soros` Lieblingskandidat John Kerry verlor.

Im Wahlkampf des Jahres 2012 geht es nun wieder ums große Geld, um viel mehr noch als beim letzten Mal. Die Rekordsumme von bis zu 2,5 Milliarden Dollar könnten nach Schätzungen bis zur Wahl am 6. November geflossen sein, um einen einzigen Mann ins Oval Office zu bringen.

Durch den Aufstieg von Wahlkampf-Komitees, so genannter Super PACs, ist das Rennen ums Weiße Haus zum Milliardenzirkus geworden. Anders als die Kandidaten selbst dürfen diese Gruppen unbegrenzt Spenden annehmen, was vor allem Romney und den Republikanern zu Gute kommt: Konservative Milliardäre wie Adelson oder die Industrie-Magnaten Charles und David Koch können sich hier so richtig austoben. Das meiste Geld fließt dabei in negative TV-Spots über Obama.

Allein, die Wirkung der Geld-Maschinen wurde zu Beginn des Wahlkampfes offenbar überschätzt: Auch die vielen Millionen Dollar der Super PACs wie „Restore Our Future“ und „American Crossroads“ konnten bislang nicht verhindern, dass Obama trotz schlechter Wirtschaftsdaten und verbreiteter Enttäuschung über seine Bilanz seinem Gegner Romney in praktisch allen Umfragen davonläuft. Adelson, den Kochs und anderen droht deshalb das Schicksal von Soros im Jahr 2004: Ihr Einsatz am Scheckbuch könnte am Ende vergeblich gewesen sein.

Obama und die Demokraten sind in Sachen Super PACs zwar heillos unterlegen: Nur 45 Millionen Dollar kamen dem Präsidenten laut Federal Election Commission (FEC) bislang über diese Organisationen zu Gute – ein Drittel jener 145 Millionen, die im Dienste Romneys stehen.

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Obamas Kriegskasse ist effektiver

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