US-Whistleblower: Asyl in Kanada als Ziel

US-Whistleblower
Hilferuf von Edward Snowden

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Asyl in Kanada als Ziel

Den anderen Flüchtlingen erging es ähnlich. Die Geschichte von Snowdens Fluchthelfern hatte weltweit Schlagzeilen gemacht. Der US-Nachrichtensender CNN schickte ein Kamerateam, die britische BBC berichtete, im April sendete das ZDF-Auslandsjournal eine Reportage. Den Behörden in Hongkong stieß dabei offenbar auf, dass die Berichte immer auch zeigten, wie übel die reichste Stadt der Welt mit den Ärmsten der Armen umging.

Und mit einem Mal, nachdem ihre Asylanträge teils zwölf Jahre lang unbearbeitet geblieben waren, erhöhte die Ausländerbehörde das Tempo. Innerhalb weniger Wochen nahm sie sich die Gesuche von Snowdens Helfern vor – und lehnte sie ab. Nun können sie jederzeit ausgewiesen werden – zurück in die Länder, aus denen sie vor Folter und Verfolgung flohen.

„Das Verhalten der Behörden ist absolut skandalös“, sagt der Anwalt der Flüchtlinge, Robert Tibbo. „Aus den Schriftsätzen lässt sich ablesen, dass sich die Beamten überhaupt nicht mit den Einzelheiten der Anträge beschäftigt haben. Die Anträge der drei Kindern, die hier betroffen sind, wurden überhaupt nicht bearbeitet.“

Tibbo will nun Berufung einlegen, doch die Umstände sind schlecht. „Mir wurde gesagt, die Polizei könne mich jederzeit auf der Straße aufgreifen und bis zur Ausweisung in eine Art Untersuchungshaft stecken“, sagt Vanessa Rodel. „Ich habe solche Angst, von meiner Tochter getrennt zu werden. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“

Die einzige Hoffnung der Flüchtlinge ist nun eine Initiative von Menschenrechtsanwälten in Kanada. Sie gründeten die Stiftung For the Refugees und haben die kanadische Regierung aufgerufen, Snowdens Helfern dort Asyl zu gewähren. Die erste Reaktion verlief positiv, derzeit sind die Anträge in beschleunigter Bearbeitung. Doch die Entscheidung der Hongkonger Behörden, die Familien nun möglicherweise sofort auszuweisen, erhöht den Zeitdruck nun enorm.

Am Mittwoch schaltete sich deshalb auch Edward Snowden wieder ein. In einer dramatischen Videobotschaft appellierte er an die Zuschauer, seinen Helfern beizustehen. „Es ist wichtig zu verstehen, wer diese Leute sind. Zu verstehen, was wirklich vor sich geht“, sagte Snowden. „Supun, Ajith, Nadeeka, Vanessa, und ihre Kinder, das sind gute Menschen. Sie wurden durch Folter, Vergewaltigung und Krieg aus ihrer Heimat vertrieben. Anschließend lebten sie viele Jahre in Armut in Hongkong. Und jetzt haben die Behörden entschieden, sie einfach loszuwerden, egal wie.“

Snowden ruft zur Mithilfe auf. „Jede Menschenrechtsorganisation der Welt beobachtet diesen Fall. Aber das ist nicht genug“, sagte der Amerikaner. „Wenn wir diese Menschen beschützen wollen, dann brauchen wir Ihre Hilfe. Bitte rufen Sie den kanadischen Einwanderungsminister Ahmed Hussen an. Oder das kanadische Konsulat in Hongkong. Oder die Regierung in Hongkong selbst. Bitten Sie um Unterstützung für diese Menschen. Haben Sie keine Furcht. Wenn wir warten, werden wir uns bald alle fragen, warum wir nicht mehr getan haben.“

Mehr Informationen über die Hilfsorganisation für Snowdens Helfer: https://fortherefugees.com/

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Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

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