US-Whistleblower
Snowden bedankt sich bei Russland für Asyl

Edward Snowden hat laut seinem Anwalt das lange erwartete Dokument den russischen Behörden erhalten. Der Whistleblower verließ ersten Meldungen zufolge bereits den Moskauer Flughafen – er will aber in Russland bleiben.
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MoskauRussland hat dem wegen Geheimnisverrats von den USA gesuchten Ex-NSA-Mitarbeiter Edward Snowden vorläufiges Asyl gewährt. Snowden reiste am Donnerstag nach mehr als einem Monat im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo nach Russland ein. Sein Anwalt Anatoli Kutscherena sagte der Agentur RIA, Snowden habe eine Aufenthaltsgenehmigung für die Dauer von einem Jahr bekommen. Im staatlichen Fernsehsender Rossija 24 sagte der Jurist, Snowden sei an einem sicheren und geheimen Ort. Auch die Enthüllungsorganisation WikiLeaks, die den früheren Geheimdienstler unterstützt, erklärte, Snowden sei als Flüchtling anerkannt worden.

Nach dem Verlassen des Flughafens hat Snowden Russland für die Gewährung von Asyl gedankt. In der Erklärung, die am Donnerstag auf der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht wurde, warf er der US-Regierung die Missachtung einheimischen und internationalen Rechts vor. Am Ende jedoch habe das Recht gesiegt, erklärte der 30-jährige Computerspezialist wenige Stunden nach Verlassen des Transitbereichs, wo er mehr als vier Wochen festgesessen hatte.

Trotz allem will Snowden seinem Anwalt zufolge vorerst in Russland bleiben. „Er hat derzeit nicht die Absicht, nach Lateinamerika zu fliegen“, sagte Kutscherena der Agentur Itar-Tass zufolge. Dort hatten Venezuela, Ecuador und Bolivien dem US-Bürger Snowden Zuflucht angeboten. Der 30-Jährige habe ihm gegenüber angedeutet, dass irgendwann sein nächstes Reiseziel in Europa liegen könnte, sagte Kutscherena. „Die Entscheidung trifft allein er. Zunächst wird er sich auf russischem Gebiet aufhalten.“

Die prominente russische Menschenrechtlerin Swetlana Gannuschkina begrüßte die Entscheidung der Führung in Moskau, Snowden vorläufiges Asyl zu genehmigen. „Ich bin sehr froh, dass er Zuflucht bekommt“, sagte Gannuschkina. Die russische Migrationsbehörde bestätigte, dass sie Snowden ein entsprechendes Dokument mit einjähriger Laufzeit ausgestellt habe. Es handele sich um einen „völlig normalen Fall“, behauptete Sprecherin Salina Kornilowa. „Die Causa Snowden ist kein Einzelfall. Allein in diesem Jahr haben wir mehr als 1.000 solcher Anträge schon bearbeitet“, sagte sie.

Snowden habe nach mehr als fünf Wochen die Transitzone des Moskauer Flughafens Scheremetjewo verlassen und halte sich an einem sicheren Ort auf. „Ich habe ihm den Nachweis über die Erteilung eines einjährigen vorläufigen Asyls auf dem Territorium der Russischen Föderation übergeben“, sagte der als kremlnah bekannte Kutscherena. „Er ist derzeit einer der meistgesuchten Menschen der Welt.“ Er werde sich nun um ein Visum für Snowdens Vater kümmern, der seinen Sohn bald in Russland besuchen wolle. Bei Twitter kusiert bereits ein Foto mit Snowdens Dokumenten.

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  • Es schein als ob Amerika und Russland die Rollen tauschen würden.
    Eine aufgeweichte Demokratie und ein großer Zar lassen es so aussehen.
    Trotz Luftbrücke, in diesem Falle gilt mein Respekt dem russischen Bären.
    Respekt.

  • Ich bedanke mich auch bei Russland.

    Auch wenn da mit Sicherheit eine Portion Retourkutsche bzgl. dem russ. Waffenhändler Viktor Bout mit im Spiel ist, den die USA neulich verknackt haben, so ist es doch wohltuend zu sehen, dass es Menschen mit Standvermögen und Courage gibt, die nicht den Ami-Speichellecker-Bückling zelebrieren: Ein Hoch auf Putin.

  • Ich hoffe Snowden ist so intelligent und lehnt jedes Angebot aus DE ab. Bei den korrupten und verlogenen Politikern endet er in einem Folterkeller in Polen, oder erleidet gleich einen seltsamen Unfall, oder ertrinkt in seiner Badewanne in einem Hotel. Den Vasallen im Bundestag und den Partei Zentralen kann man nicht ein Wort mehr glauben und sie haben hundertfach bewiesen das ihr Wort nichts zählt. DE ist noch immer unter Amerikanischer Besetzung und würde Snowden ohne mit der Wimper zu zucken ausliefern.

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