USA
Barack Obama: Lost in Transition

Barack Obama wollte ein neues Amerika schaffen. Doch der Widerstand wächst, und Obama macht Fehler. Diese Woche will er seinem Volk einen kraftvollen Präsidenten vorführen: Uno-Gipfel, G20-Treffen, Interviews. Die Probleme zu Hause löst er damit nicht. Report aus einem gespaltenen Land.

WASHINGTON. Zwei Männer in dunklen Anzügen sitzen sich im Zentrum der Macht gegenüber, zwei Armstühle, cognacfarbener Lederbezug. Es geht um viel, sehr viel.

Der Mann auf dem linken Stuhl ist immer derselbe, der Hausherr, man kennt sein Gesicht auf der ganzen Welt. Er antwortet, es sind fest gefügte Sätze; es scheint, als brauche er die Fragen des anderen nicht. Der Mann auf dem rechten Stuhl will nichts Überraschendes von ihm wissen, er quält den Mann auf dem linken Stuhl nicht, obwohl es möglich wäre. Vermutlich würde es ihn nicht einmal allzu viel Mühe kosten. Dieser zweite Mann ist fünf Männer. Er heißt Bob Schieffer, George Stephanopoulos, Jorge Ramos, David Gregory und John King.

Der Präsident braucht Fernsehbilder, er braucht Botschaften, er hat eine Barack-Obama-Dauerwerbesendung in Gang gesetzt.

Etwas ist vorgefallen.

Der mächtigste Mann auf dem Globus erscheint mit einem Mal seltsam schwach. Und weil er sein Volk am leichtesten erreicht, wenn er möglichst viel im Fernsehen zu sehen ist, gibt er Interviews, eins nach dem anderen. Auf welchen Sender die Amerikaner schalten, CBS, ABC, Univision, NBC, CNN - die wichtigsten Fernsehanstalten des Landes -, sie sehen Obama und den Mann, der fünf Männer ist: Bob Schieffer, George Stephanopoulos, Jorge Ramos, David Gregory und John King.

Vor ein paar Monaten, als Obama sein Amt antrat, wurde er verehrt wie ein neuer Messias. Ein Weltpräsident, eine Ikone, noch bevor ein einziges Gesetz seine Handschrift trug. Nun aber steckt er fest in den Mühen und Zwängen der Sachpolitik. Er hat viele Probleme, Feinde im Innern und Gegner jenseits der Grenzen, und eines der Probleme ist außer Kontrolle geraten. Innenpolitik, Abteilung Gesundheitsreform.

Obama will das amerikanische Gesundheitswesen von Grund auf erneuern. Die Amerikaner wollen das nicht, zumindest nicht so, wie ihr Präsident es will. Im Land ist eine teilweise bizarre Debatte ausgebrochen. Sie ist unbeherrschbar geworden. Sie ist Ausdruck einer Überforderung, die Obama noch gefährlich werden kann.

Er will für den Geschmack seines Volkes zu viel zu schnell. In den Umfragen sinken seine Beliebtheitswerte bedenklich. Zu Beginn seiner Präsidentschaft lagen seine Zustimmungswerte bei 65 Prozent, nun sind sie irgendwo in den 40ern angekommen. Tendenz: sinkend. Es ist ein atemberaubender Absturz. Auch andere Präsidenten sind schwach gestartet und trotzdem wiedergewählt worden. Doch vor allem in der Mitte der Gesellschaft, die politisch weniger festgelegt ist, entscheidet sich schon in dieser ersten Phase, ob die Amerikaner ihren Präsidenten am Ende der Legislatur als guten oder schlechten Kandidaten wahrnehmen.

Diese Woche hätte für Obama eine schöne Abwechslung werden können. Es gab viele Anlässe, die den Weltpräsidenten wieder hätten hervortreten lassen können.

Seite 1:

Barack Obama: Lost in Transition

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%