USA
Der unsichtbare Außenminister

Der neue US-Außenminister hat sich bisher nicht als Lautsprecher hervorgetan. Manche mögen das als Gegenpol zu Präsident Trump empfinden. Andere fragen sich: Was wird aus der wichtigsten Diplomatie-Maschinerie der Welt?
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WashingtonEs begann schon, als er noch gar nicht im Amt war. Rex Tillersons Vorgänger als US-Außenminister, John Kerry, wunderte sich wiederholt und sein Sprecher mindestens zweimal öffentlich: „Wann ruft er endlich an?“. Kerry schickte persönlich und via Medien die Einladung an den neuen US-Außenminister, sich die Leitlinien, Hintergründe, Motivlagen und das aktuelle Geschehen der US-Politik erklären zu lassen. Kerry räumte schließlich seinen Schreibtisch, ohne persönlich mit Tillerson gesprochen zu haben. Der neue US-Chefdiplomat verzichtete auf eine geordnete Übergabe.

Rex Tillerson ist anders als andere Politiker. US-Medien kritisieren ihn hart. Er sei unsichtbar, gehöre nicht zum inneren Zirkel von Präsident Donald Trump, lasse sich die Hoheit über die Außenpolitik von Trumps Beraterkreis und von Verteidigungsminister James Mattis aus der Hand nehmen - und das in diesen unsicheren Zeiten, in denen die Diplomatie eine größere und nicht eine kleinere Rolle spielen sollte. Das Ministerium macht seit Wochen keine Briefings, was neben Journalisten vor allem die US-Botschafter und Konsuln in aller Welt nervt. Tillerson selbst wirkt manchmal, als wäre er gar nicht sprechfähig für die US-Außenpolitik.

Doch die herbe Kritik ist nicht die ganze Wahrheit. Tillerson, als jahrzehntelanger Manager des Ölkonzerns ExxonMobil keineswegs an zu viel Öffentlichkeit gewöhnt, mag seine Rolle anders sehen als sein Vorgänger John Kerry. Aus dem Außenministerium dringen viele Stimmen nach außen, die nach dem Umbruch ein gewisses Chaos sehen. Von gut besuchten Kantinen und leeren Büros ist die Rede. Karrierediplomaten sorgen sich, dass jahrelange Arbeit in vielen Gebieten der Welt wertlos wird, wenn sie nicht stringent weiterverfolgt wird. Und dass ihr Wissen und ihre Erfahrung schlicht versanden.

Andere wiederum beschreiben Tillerson auch als einen guten, geduldigen Zuhörer. Er wolle viel stärker als Diplomat wirken, suche weniger den öffentlichen Auftritt. Über sein Treffen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Bonn verlautete kaum mehr als die Beschreibung „konstruktiv“. Sein Vorgänger John Kerry gab nach solchen Zusammenkünften oft lange Pressekonferenzen.

Einige Probleme lassen sich nicht wegdiskutieren: Wichtige Führungsposten, etwa von Staatssekretären, blieben bisher unbesetzt. Die Arbeitsfähigkeit des Ministeriums ist eingeschränkt. Trump ließ Tillerson bei wichtigen außenpolitischen Entscheidungen außen vor – etwa bei seinem umstrittenen Flüchtlings- und Einreisestopp, von dem Tillerson als mit zuständiger Fachminister nichts gewusst haben soll. Für den Kontakt zu ausländischen Regierungen soll Schwiegersohn Jared Kushner zuständig sein.

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