USA droht mit Sanktionen
Nordkorea hält an Raketen-Start fest

Nordkorea will einen Satelliten ins All schießen und erntet dafür international massive Kritik. Sogar China ist besorgt, und die USA wollen Lebensmittel-Lieferungen stoppen - Nordkorea jedoch verteidigt die Pläne.
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SeoulNordkoreas Raketenprogramm ist international heftig umstritten, sogar der Verbündete China sorgt sich - doch der Staat hält weiter daran fest. So hieß es am Sonntag bei der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA: Die zivile Nutzung des Alls sei das weltweit anerkannte Recht eines jeden souveränen Staates, es sei ein „schwerer Irrtum“ anzunehmen, dass Nordkorea auf den Start verzichten werde. Die Europäische Union schloss sich der Kritik der USA, Japans und Südkoreas an den Plänen Pjönjangs an.

Die kommunistische Führung in Pjöngjang will zum Gedenken an Staatsgründer Kim Il Sung, der am 11. April 100 Jahre alt geworden wäre, eine Rakete mit einem Beobachtungssatelliten ins All schießen. Politik-Experten zufolge soll mit diesem Schritt, der das gerade einsetzende Tauwetter im Verhältnis zu den USA bedroht, die Legitimität des neuen Staatschefs Kim Jong-Un demonstriert werden. Die Nachrichtenagentur KCNA warf am Sonntag den „feindlichen Kräften“ wie den USA, Südkorea und Japan vor, den geplanten Satellitenstart zu missbrauchen, um „politischen, militärischen und wirtschaftlichen Druck“ auf Pjöngjang auszuüben. Es gebe „doppelte Standards“ bei der Frage des Baus und der Nutzung von Satelliten, die nicht toleriert werden könnten.

Die USA sehen in den Raketen- und Satellitenplänen eine Provokation. Sie haben damit gedroht, beabsichtigte Lebensmittel-Lieferungen zu stoppen. Pjöngjang hatte Ende Februar versprochen, im Gegenzug für Nahrungsmittelhilfen auf den Start von Langstreckenraketen zu verzichten.

Aus Sicht der USA und ihrer Verbündeter kommen die nordkoreanischen Absichten Raketentests gleich, die der UN-Sicherheitsrat dem Land in einer Resolution verboten hat. Die EU rief Nordkorea am Samstag zum Verzicht auf den Raketenstart auf. Stattdessen sollte das Land zu vertrauensbildenden Maßnahmen zurückkehren.

Auch China übte öffentlichen Druck auf seinen Verbündeten aus. Der stellvertretende Außenminister Zhang Zhijun äußerte bei einem Treffen mit dem nordkoreanischen Botschafter am Freitag die Hoffnung, dass eine Eskalation des Streits vermieden werden könne, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag meldete. Alle beteiligten Parteien seien zur Ruhe und zur Zurückhaltung aufgerufen. Es kommt relativ selten vor, dass die Regierung in Peking die Politik Nordkoreas in der Öffentlichkeit ins Visier nimmt.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton erklärte am Samstag, sie sei „zutiefst besorgt“ über die Ankündigung Pjönjangs. Der geplante Raketenstart verstoße gegen Nordkoreas internationale Verpflichtungen, besonders durch die UN-Resolution 1874. Die nach einem nordkoreanischen Raketenstart im Jahr 2009 gefasste Resolution verbietet dem Land den Abschuss ballistischer Raketen, egal zu welchem Zweck.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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  • Mögen die Raketen nach dem Start in 100 Metern Höhe explodieren…

  • In USA,Japan oder der EU leidet keiner sozialistischen hunger , die sind so solvent dass sie sich diesen Luxus "Weltraumprogramm" leisten können . In Korea sterben Menschen an Kälte und Unterernährung , das macht den unterschied !

  • Seit wann ist eine Weltraumrakete eine ballistische Rakete? Die Argumentation der USA, Japans und der EU sind dermassen auf Ängsten um die Vorherrschaft begründet, dass jeder Newcomer gnadenlos abserviert wird über Repressalien. Bei China z.B. wagt dagegen keiner was zu sagen bzgl. solch ambitionierter Weltraum-Pläne, obwohl es sich auch da um eine Quasi-Unrechts-Diktatur handelt.

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