USA erhöhen Druck auf Teheran
Japan legt Ölprojekt in Iran auf Eis

Eine militärische Antwort auf Irans Atomprogramm haben die USA vorerst zu den Akten gelegt, doch wächst der wirtschaftliche Druck auf Teheran, verdächtige Nuklearanlagen für Inspektoren zu öffnen. Am Dienstag legte Japans Regierung ein Milliarden-Projekt in der iranischen Ölförderung auf Eis – offenbar nach Intervention Washingtons. Auch Uno, EU und Russland drohen mit ökonomischen Sanktionen.

DÜSSELDORF. Japan könne die weltweite Sorge über Irans Atomprogramm nicht ignorieren, sagte der einflussreiche Regierungssprecher Yasuo Fukuda in Tokio. Solange Teheran die Vorwürfe nicht ausräume, sei es unwahrscheinlich, dass Japan den Vertrag zur Erschließung des größten iranischen Ölfeldes unterzeichne. Ein Konsortium der Staatsfirmen Inpex Corp. und Japan Petroleum Exploration Co. sowie der privaten Tomen Corp. verhandelt in Teheran über eine Investitionssumme von bis zu 2,5 Mrd. $, um 300 000 Barrel je Tag im Ölfeld Azadegan in Südwest-Iran fördern zu können. Damit gerieten die japanischen Firmen aber in Konflikt mit der US-Politik gegen das Mullah-Regime.

„Dies ist ein ausgesprochen unglücklicher Zeitpunkt, ein großes Öl- oder Gasgeschäft mit Iran voranzutreiben“, hatte Richard Boucher, Sprecher des US-Außenministeriums gewarnt. Washington verbietet US-Firmen fast alle Investitionen in Iran und droht auch Firmen in Drittstaaten Sanktionen an, wenn sie sich mit mehr als 40 Mill. $ im Energiesektor des Landes engagieren. Seit Jahren verhindern die USA, dass Öl aus der kaspischen Region über eine iranische Pipeline-Route exportiert wird, um das Land mit den fünftgrößten Ölreserven der Welt vom Energiemarkt fern zu halten. Doch vermuten Branchenkenner, Washington habe Ölmultis wie Royal Dutch/Shell, BP oder Total stillschweigend grünes Licht für ihr Engagement in Iran gegeben. Auch Japan habe sich für das Azadegan-Projekt möglicherweise im Vorfeld die Zustimmung der USA gesichert, sagt Valerie Marcel, Öl-Analystin am Royal Institute of International Affairs. Daher sei das Projekt noch nicht endgültig gescheitert.

Der Konfrontationskurs gegenüber Teheran stößt auch in der US-Ölbranche auf Kritik. Enttäuscht zeigte sich der Chef von ConocoPhillips, Archie Dunham, „über den fehlenden Fortschritt in den Gesprächen zwischen unseren Regierungen“. Die Multis fürchten, im Rennen mit der Konkurrenz aus Asien und Europa im Öl- und Gas-reichen Iran zu kurz zu kommen. Japans Außenministerin Yoriko Kawaguchi räumte ein, dass Tokio mit Washington über das Ölprojekt diskutiert habe. Zwar ist das energiehungrige Japan zu fast 100 % auf Ölimporten angewiesen und sucht neue Lieferanten, will aber keinen Streit mit dem Partner USA riskieren.

Der britische Außenminister Jack Straw schloss in Teheran jede Beteiligung seines Landes an einem US-Angriff auf iranische Atomanlagen aus. Gleichzeitig drohte er, die EU könnte ihr anvisiertes Handelsabkommen mit Teheran verschieben, sollte sich das Land nicht kooperationswilliger zeigen. Auch Russland nähert sich dieser Linie an. Außenminister Igor Iwanow drängte den Chef der iranischen Atomorganisation, Gholamresa Aghazadeh, das Zusatzabkommen zum Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen, das weitere Inspektionen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA erlaubt. Bislang hält Russland aber am Bau eines Atomreaktors in Buschehr fest, wo nach US-Auffassung Material für eine Atombombe angereichert werden könnte. IAEA-Chef Mohamed El Baradei reist am 9. Juli erneut nach Teheran. In seinem letzten Bericht hatte El Baradei kritisiert, Iran halte sich nicht an alle Punkte des Atomwaffensperrvertrages und habe den Inspektoren den Zugang zu einzelnen Anlagen verwehrt.

In Washington berät derzeit eine Gruppe von mehr als zehn Ländern, darunter auch Deutschland, wie man Iran hindern könne, Nuklearwaffen zu bauen. Nach Angaben von US-Beamten suche man einen Konsens, welche Maßnahmen effektiv und legal wären – zum Beispiel das Abfangen von Schiffen. An eine militärische Antwort denke auch Washington nicht, doch habe Präsident George W. Bush wiederholt klar gemacht, dass „alle Optionen auf dem Tisch liegen“.

Mitarbeit: Nicole Bastian, Thomas Wiede

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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