USA
Erinnerung an die große Depression

Eine amerikanische TV-Show hat den Blick der Öffentlichkeit auf die wachsende Zahl von Obdachlosen in Kalifornien gelenkt. Seitdem wandern Kaliforniens Zelte durch die nationalen und internationalen Medien. Immer mit dem peinlichen Tenor: Eine Schande für die ganze USA.

SACRAMENTO. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger steht mitten in der illegalen Zeltstadt am Rande Sacramentos. Zwischen Strommästen ergreift er das Mikrofon und schaltet gewohnt schnell: "Wir werden so gut helfen, wie wir können - allen in allen Städten", sagt er mit ungewohnt harter Stimme und ernster Miene.

Dazu hat er allen Anlass. Seit die beliebte US-TV-Show von Oprah Winfrey die Zeltburgen voller Obdachloser gegeißelt hat, wandern Kaliforniens Zelte durch die nationalen und internationalen Medien. Immer mit dem peinlichen Tenor: Ein Schande für die ganze USA.

Auch US-Präsident Barack Obama nahm jetzt Stellung und verurteilte es als "schlichtweg nicht akzeptabel, dass in unserem reichen Land Kinder und Familien ohne Dach über dem Kopf hausen müssen". Während Kalifornien deshalb erst einmal auf Bundesgelder hofft, wachsen sich die Zeltstädte im Westen der USA zum schaurigen Symbol für die Rezession aus. Denn nicht nur nahe der Hauptstadt, sondern auch in Fresno und in der Region Los Angeles wählen immer mehr gestrauchelte Amerikaner diese Provisorien zur Heimstatt.

Dabei sind die labilen Behausungen, die auf Feldern, an Autobahnabfahrten oder wie in den ärmsten Regionen Indiens zwischen Eisenbahngleisen sprießen, Symbol für weit größere Probleme als nur die aktuelle Rezession. In den Notstätten, die weder fließendes Wasser, Aborte noch Trinkwasser kennen, spiegelt sich ein chronisches Leid fast aller Großstädte des Landes wider.

In Sacramento (476 000 Einwohner), der Hauptstadt Kaliforniens, streichen 2 700 registrierte Obdachlose durch die Straßen. Das Bundesministerium für Wohnung und Stadtentwicklung schätzt die Zahl der Obdachlosen in Kalifornien insgesamt auf 160 000. Bundesweit gesehen sind es nach Zahlen der "Nationalen Allianz gegen Obdachlosigkeit" bald 1,5 Millionen, die ohne feste Behausung leben, darunter viele allein erziehende Mütter. Doch erst als die TV-Show den aufrührenden Bericht ausstrahlte, haben die Stadtväter und Schwarzenegger das stille Arrangement mit der Existenz der Zeltstädte aufgekündigt. Bis dahin waren Sacramento und viele andere Städte froh darüber, eine Art Ventil zu haben, das es den verzweifelsten der Obdachlosen als letzten Ausweg ermöglichte, aus der Sichtweite der Zentren zu verschwinden und den Aufsichtsämtern wiederum gestattete, beide Augen vor den Zelten zu verschließen.

Jetzt ist alles anders: "Solche Zeltstädte hat es bei uns seit den frühen 80er Jahren nicht mehr gegeben", stöhnt Paul Bolden, dessen "Western Regional Advocacy Group" die Dachorganisation lokaler Hilfsgruppen in San Francisco, Los Angeles und Oakland, aber auch in Portland und Seattle im Staat Oregon ist. 61 dieser Hilfsgruppen sehen einen rapiden Anstieg ihrer Klientel seit Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2007.

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