USA fordern Truppenaufstockung
Alliierte arbeiten an neuem Gesamtkonzept für Afghanistan

Amerikaner und Europäer arbeiten an einer neuen umfassenden Afghanistan-Politik. Während die Außenministerien mehrerer Länder eine Kontaktgruppe für die gesamte Region um Afghanistan bilden wollen, diskutierten die Nato-Verteidigungsminister in Krakau über die Frage, wie viele zusätzliche Soldaten für die Stabilisierung des Landes nötig sind.

BERLIN. Die USA, Großbritannien und Deutschland haben bereits Sonderbeauftragte für Afghanistan und Pakistan ernannt. Der Entsandte des Auswärtigen Amtes, Bernd Mützelburg, will nächste Woche erste Gespräche mit seinem US-Kollegen Richard Holbrooke führen. Ziel der Bemühungen ist es etwa, nicht nur Pakistan, sondern nach Möglichkeit sämtliche Nachbarn in die Stabilisierung Afghanistans einzubinden.

Heikelste Frage ist dabei, ob auch Iran mit am Tisch sitzt. Denn einerseits wäre es wichtig, den westlichen Nachbarn an der Stabilisierung Afghanistans zu beteiligen; schließlich wird ein Teil der afghanischen Drogenproduktion, durch die sich Warlords und die radikal-islamische Taliban finanzieren, über Iran Richtung Westen geschmuggelt. Andererseits fürchten einige Regierungen, dass Iran die Teilnahme als Faustpfand im Streit über das umstrittene Atomprogramm einsetzt.

Wie wichtig eine Einbindung der Nachbarn aber ist, zeigt die gestrige Entscheidung des kirgisischen Parlaments, den US-Truppenstützpunkt nahe der Hauptstadt Bischkek zu schließen. Über die US-Militärbasis Manas lief ein Teil des Nachschubs für die Truppen in Afghanistan. Washington verhandelt nun mit der zentralasiatischen Nachbarrepublik Usbekistan über eine Alternative. Über den dortigen Stützpunkt Termez werden auch die deutschen Truppen in Afghanistan versorgt. Da die Taliban gleichzeitig die Angriffe auf den amerikanischen Nachschub aus Pakistan verstärkten, ist die logistische Versorgung der alliierten Truppen ein Hauptproblem geworden.

Ohnehin stellen sich die Nato-Verbündeten darauf ein, zur Stabilisierung der Lage zu den anstehenden Präsidentschaftswahlen im Herbst dieses Jahres mehr Soldaten nach Afghanistan entsenden zu müssen. US-Präsident Barack Obama hatte vor einigen Tagen die massive Verstärkung der US-Truppen um 17 000 Soldaten angekündigt. Washington mahnte beim Treffen der Nato-Verteidigungsminister aber auch mehr Hilfe ihrer Verbündeten an. Dies zielt vor allem auf Ländern wie Spanien, die sich bisher in Afghanistan kaum engagiert haben. Frankreich und Italien sagten eine Aufstockung ihrer Truppen zu.

Auch die Zahl der Bundeswehrsoldaten steigt um 600. Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) kündigte an, dass 200 davon für die Absicherung der Wahlen gedacht seien, der Rest dürfte dauerhaft im Land bleiben. Ein Teil soll die Quick Reaction Force (QRF) verstärken, die im Norden, aber auch im Nordwesten des Landes Angriffe von Terroristen abwehrt. Für dieses Gebiet hat Deutschland die Sicherheitsverantwortung übernommen. Das neue Bundeswehrmandat für Afghanistan gibt der Bundesregierung die Freiheit, die Zahl der bisher 3500 Soldaten um bis zu 1000 aufzustocken.

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