USA gedenken der Terroropfer
„Amerika wird dich finden“

Mit der Drohung „Amerika wird dich finden“ hat sich George W. Bush am fünften Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 an Osama Bin Laden gewandt. Zusammen mit Bush gedachten viele Menschen auf der ganzen Welt der 3000 Opfer der Anschläge. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ es sich dabei nicht nehmen, eine Ermahnung an die USA zu richten.

HB WASHINGTON/NEW YORK. US-Präsident George W. Bush hat am fünften Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 die Bedeutung des Antiterrorkriegs für die Zukunft der gesamten Welt betont. In einer Fernsehansprache bekräftigte er am Montagabend (Ortszeit) die Entschlossenheit der USA, den Kampf bis zum Sieg fortzusetzen. Zuvor hatte Bush an Gedenkfeiern für die knapp 3000 Toten am Ground Zero in New York, wo die Zwillingstürme des World Trade Centers standen, dem Pentagon in Washington, dem zweiten Anschlagsort, und in Shanksville im US-Bundesstaat Pennsylvania, wo eine von Terroristen entführte Maschine abgestürzt war, teilgenommen.

Der Antiterrorkrieg sei der „Auftrag unserer Generation“, erklärte Bush. Amerika habe sich nicht nach diesem Krieg gedrängt. „Und jeder Amerikaner wünscht sich, dass er vorbei wäre... Aber der Krieg ist nicht vorbei - und er wird nicht vorbei sein, bis entweder wir oder die Extremisten als Sieger daraus hervorgehen.“ Bush rief die Nation zur Einigkeit auf und versprach: „Wir werden unsere Feinde schlagen ... und wir werden das 21. Jahrhundert zu einer leuchtenden Ära menschlicher Freiheit machen.“

An den bisher nicht gefassten El-Kaida-Chef Osama bin Laden und andere Topterroristen gerichtet sagte Bush: „Wie lange auch immer es dauern mag, Amerika wird Sie finden und zur Rechenschaft ziehen.“

Bush hatte zusammen mit First Lady Laura am Sonntag und Montag in New York an den Gedenkfeiern für die 2 749 Toten des Anschlags auf das World Trade Center teilgenommen. Dort verlasen Angehörige die Namen der Opfer. Anschließend besuchte Bush auch Gedenkfeiern in Shanksville und am Pentagon bei Washington. An beiden Orten legte er Kränze mit weißen Lilien nieder. Zu bewegenden Szenen kam es bei der Begegnung mit Hinterbliebenen der 184 Opfer am Verteidigungsministerium. Bush standen Tränen in den Augen, als er mit Familienangehörigen sprach und sie umarmte.

Außenministerin Condoleezza Rice erinnerte an Hunderte Opfer aus mehr als 90 Ländern, die am 11. September 2001 getötet wurden. Die Anschläge seien ein Angriff auf die universellen Ideale von Frieden, Freiheit und Menschenrechten gewesen, sagte Rice in Washington.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte: „Die Anschläge vom 11. September 2001 haben uns alle bis ins Mark getroffen, weil sie ein Angriff auf die Menschlichkeit waren.“ Er mahnte, auch die Opfer anderer Terroranschläge auf der Welt dürften nicht vergessen werden.

Auch die Staats- und Regierungschefs der EU sowie aus 13 asiatischen Ländern gedachten der Opfer der Anschläge vom 11. September 2001. Sie eröffneten den abschließenden Tag ihres Europa- Asien-Gipfels in Helsinki mit einer Schweigeminute.

Bundeskanzlerin Merkel betonte dagegen, wichtig sei die Wahrung der Menschenrechte: „Unser Kampf gegen den islamistisch motivierten Terrorismus wird nur erfolgreich sein, wenn wir die demokratische und wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Krisenregionen stärken und den Menschenrechten mehr Achtung verschaffen.“ Das Beispiel Afghanistan zeige zwar, dass in Einzelfällen militärische Mittel unvermeidlich seien. Aber auch im Anti-Terror-Kampf dürfe der Zweck nicht die Mittel heiligen.

Unterdessen rief der zweite Mann an der Spitze des Terrornetzwerks El Kaida, Eiman al-Sawahiri, zu neuen Anschlägen gegen amerikanische Ziele auf. In einer neuen Videobotschaft, die der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira am Montag ausstrahlte, sagte der Ägypter außerdem, die westlichen Regierungen sollten „ihre Zeit nicht damit verschwenden, ihre Truppen im Irak und in Afghanistan zu verstärken, denn die Niederlage wird ohnehin ihr Schicksal sein“.

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