USA
Jobkrise macht Amerikaner erfinderisch

Die Finanzkrise verändert die Bewerbungsstrategie der Amerikaner: Sie verteilen ihren Lebenslauf an Passanten, bedrucken T-Shirts oder Schilder mit ihrer Telefonnummer. Es gilt das Motto: Je verrückter, desto besser.

NEW YORK. Etwas unangenehm war ihr die Sache schon. „Private Krankenpflegerin sucht Job“ ließ Peggy Greco auf ein schlichtes dunkles T-Shirt drucken, darunter ihre Telefonnummer und die Adresse ihrer Internetseite, wo jedermann ihren Lebenslauf nachlesen konnte. In diesem T-Shirt setzte sich die 53-Jährige auf ihr Fahrrad und fuhr durch noble Wohnviertel in der Nähe ihrer Heimatstadt im US-Bundesstaat Florida – Tag für Tag, Woche für Woche. Sie drehte ihre Runden auch in der Nähe von Krankenhäusern und Pflegeheimen.

Peggy Greco suchte einen neuen Arbeitgeber, am liebsten eine Familie, die sich eine private Krankenpflegerin leisten will. Dass sie dies öffentlich machte, „sollte den Menschen deutlich machen, dass ich über eine ordentliche Portion Humor verfüge“, erzählt sie.

Die Welt erlebt die größte Krise seit der Großen Depression der 30er-Jahre. Die Arbeitslosigkeit ist in den USA im Juli auf 9,4 Prozent geklettert und fällt damit so hoch aus wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Am heutigen Freitag werden die Arbeitslosenzahlen für August bekanntgegeben. Eine Besserung der Lage ist noch lange nicht in Sicht.

Es ist vor allem die Zahl der Langzeitarbeitslosen, die noch immer steigt. Ein Drittel der Amerikaner, die keinen Job haben, gehört zu dieser Gruppe. Seit mehr als einem Jahr suchen sie eine neue Stelle.

Unkonventionellen Jobsuche ist gefragt

Einige von ihnen greifen zu ungewöhnlichen Methoden, um diese Zeit zu beenden. Sie machen ihre Jobsuche öffentlich wie Peggy Greco mit ihrem T-Shirt. Andere verteilen ihren Lebenslauf auf der Straße und werben offensiv für ihre Fähigkeiten – so ähnlich, wie es sonst nur neu eröffnete Restaurants oder Geschäfte tun, die Passanten Handzettel in die Hand drücken.

Personalvermittler ermuntern die Menschen zu einer unkonventionellen Jobsuche. Je verrückter, desto besser. „Denn die klassischen Bewerbungsmethoden, sie funktionieren nicht mehr besonders gut in dieser Rezession“, sagt Marilyn Machlowitz, die in New York Führungskräfte vermittelt. „Wer einen Job sucht, sollte sich nicht zu schade sein, auf sehr kreative, vielleicht auch extreme Art und Weise auf seine Fähigkeiten aufmerksam zu machen.“

So wie der 50-jährige Joshua Persky, ein schlanker Mann mit schütteren grauen Haaren. Er war einer der Ersten, die sich etwas einfielen ließen. Bereits im Dezember 2007 hat er seinen Job bei einer New Yorker Investmentbank verloren – vier Monate nachdem die Finanzkrise im Sommer 2007 ihren ersten Höhepunkt erreicht hatte. Damals hoffte die Welt, noch einmal glimpflich davonzukommen.

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