USA
Obama verliert wichtigsten Wirtschaftsberater

US-Präsident Barack Obama muss sich bald einen neuen Wirtschaftsberater suchen. Der eigenwillige Lawrence Summers gibt sein Amt auf. Summers ist nicht der erste, der dem Weißen Haus den Rücken kehrt. Reagiert Obama nun auf die Kritiker und holt jemanden aus der Wirtschaft?
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HB WASHINGTON. Lawrence "Larry" Summers drängt es zurück an die Universität. Der führende Wirtschaftsberater von US-Präsident Barack Obama, der das Antirezessionsprogramm der Regierung seit Anfang 2008 maßgeblich mitgeprägt hat, wird nach Angaben des Weißen Hauses Ende des Jahres an die Eliteuniversität Harvard zurückkehren. Damit werden Spekulationen beendet, Summers werde den oft ungelenk und unglücklich auftretenden Finanzminister Tim Geithner irgendwann ablösen. Nach einer Serien von Abgängen ist Geithner nun das einzige hochrangige Mitglied in Obamas Wirtschaftsberaterteam, das immer noch aktiv ist.

Summers gilt als ehrgeizig und soll bei der Regierungsbildung Obamas 2008/2009 auf den Posten des Finanzministers geschielt haben. Diesen besetzte der Präsident aber mit Geithner, der zuvor die Fed-Filiale in New York geleitet hatte. Vor allem der linke Flügel der Demokraten hatte Summers zeitweise eine zu große Nähe zur Wall Street vorgeworfen. Gleichzeitig gab es immer wieder berichte über heftigen Streit innerhalb des nun in sich zusammengefallenen Beraterteams um Summers. Obama würdigte Summers Leistungs nach dessen Abgang aber in einer Erklärung mit den Worten. "Ich werde immer dafür dankbar sein, dass ein Mann von einer Brillanz und Erfahrung wie Larry bereit war, dem Ruf zu folgen und mein Wirtschaftsteam zu führen", erklärte Obama. "Er hat geholfen, uns aus der größte Wirtschaftskrise seit den 1930ern zu neuem Wachstum zu führen".

Der 55-jährige Summers war von 1999 bis 2001 Finanzminister unter Bill Clinton und 2005/2006 Harvard-Präsident. Als solcher stolperte er über die Bemerkung, Frauen seien von Natur aus im mathematischen und naturwissenschaftlichen Denken benachteiligt und hätten vor allem deshalb weniger universitäre Positionen in diesen Fächern.

Nur wenige Wochen zuvor musste der Präsident mit Christina Romer die Leiterin seines Wirtschaftsrates ziehen lassen. Kurz zuvor hatte auch der oberste Haushalts-Aufseher im Weißen Haus, Peter Orszag, seinen Job quittiert. US-Medien sprechen von einem bedeutenden Schlag für den Präsidenten kurz vor den Kongresswahlen. Wirtschaftsfragen wie die flaue US-Konjunktur und die anhaltende hohe Arbeitslosigkeit sind die Hauptthemen des diesjährigen Wahlkampfes. Am 2. November wählen die US-Bürger alle Mitglieder des Repräsentantenhauses und ein Drittel des Senats neu.

Holt Obama jetzt jemanden aus der Wirtschaft ?

Beobachtern zufolge wird Obama die Position von Summers mit einer Person von außerhalb seiner Regierung besetzen. Als aussichtsreichste Kandidatin aus dem politisch-akademischen Umfeld gilt Laura Tyson. Sie ist Professorin an der Universität von Kalifornien in Berkeley und war Beraterin von Bill Clinton. Obama könnte aber politischen Analysten zufolge auch geneigt sein, jemanden aus der Wirtschaft zu nominieren. Er sieht sich seit längerem der Kritik ausgesetzt, zu wenige seiner Berater hätten Erfahrung außerhalb von Politik, Behörden und Universitäten. Genannt werden als mögliche Berater der Chef von General Electric, Jeffrey Immelt, und der Aufsichtsratschef der Citigroup, Richard Parson.

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