USA Obamas Urlaubsaffäre

Trotz Job-Misere und Börsencrash macht Barack Obama zehn Tage Urlaub. „Nicht auf der Insel herumhüpfen, sondern regieren“, fordern seine Gegner. Darf sich ein US-Präsident in schweren Zeiten einfach an den Strand legen?
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Washington

Strand oder Weißes Haus? Obama macht mitten in der Krise Urlaub. Quelle: dpa

Strand oder Weißes Haus? Obama macht mitten in der Krise Urlaub.

(Foto: dpa)

Der Präsident war erschöpft. Aufgerieben von Kämpfen mit den gegnerischen Republikanern über Steuersenkungen, Schulden und Gesundheitsreform, wollte er vor allem mal eines: Urlaub. Und wo ist es erholsamer für den mächtigsten Mann der Welt als auf der Promi-Insel Martha’s Vineyard, einem Stückchen Paradies mit viel Privatsphäre vor der Küste Neuenglands.

Doch man gönnte ihm die Freude nicht. Ein Präsident dürfe sich in schweren Zeiten nicht auf einer Luxus-Insel sonnen, ätzten die Gegner. Die Mehrheit der Amerikaner sah es genauso. Also wurde nichts aus Martha’s Vineyard: Der Präsident stieg vorsichtshalber im bodenständigen Jackson Hole, Wyoming ab.

Das war 1995, und der Präsident hieß Bill Clinton. Sein demokratischer Nach-Nachfolger Barack Obama beweist 16 Jahre später mehr Standfestigkeit: Er flog am Donnerstag wie geplant mit Ehefrau Michelle und Töchtern Sasha und Malia in die Ferien. Martha’s Vineyard. Zehn Tage.

Das ist mutig, wenn nicht trotzig, denn Obamas Urlaub ist ein Politikum: Gegner, Kommentatoren und Talkshow-Experten diskutieren seit Tagen rauf und runter, ob sich der Präsident einfach so an den Strand legen darf. Die meisten meinen: nein! Schon gar nicht auf einer Promi-Insel.

Republikaner suchen Präsidentschaftskandidaten
Republican Debate at St. Anselm College in New Hampshire
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Bei einer Debatte des US-Senders CNN konnten sich diese offiziellen sieben Kandidaten für das Wahljahr 2012 bereits einem breiten TV-Publikum präsentieren.

Republican Debate at St. Anselm College in New Hampshire
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Richard John „Rick“ Santorum (53)

Dem früheren Senator aus Pennsylvania werden laut Umfragen wenig Chancen eingeräumt. Der Sohn eines italienischen Einwanderers ist besonders als erbitterter Kämpfer gegen Homosexuelle und Abtreibung in Erscheinung getreten. Er selbst ist Vater von sieben Kindern.

APTOPIX Republicans Debate
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Michele Bachmann (55)

Für viele eine gemäßigte "Palin-Light". Dennoch wird auch sie zum rechten Flügel ihrer Partei gezählt und steht der populistischen Tea-Party-Protestbewegung nahe. Wie Palin verkörpert sie erzkonservative Werte, und ist ebenfalls sehr religiös. Mit Ihrem Mann Marcus Bachmann hat sie fünf eigene Kinder und im Laufe der Zeit 23 Pflegekinder aufgenommen. Als Abgeordnete für Minnesota sitzt Bachmann im Repräsentantenhaus.

Republican Debate at St. Anselm College in New Hampshire
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Newton Leroy „Newt“ Gingrich (68)

Ehemaliger republikanischer Kongressabgeordneter des Bundesstaates Georgia und Ex-Sprecher des Repräsentantenhaus. Das konservative Schwergewicht dürfte noch oft auf sein Privatleben angesprochen werden. Der Apostel für tradionelle Familienwerte ist bereits zum dritten Mal verheiratet und hatte pikanterweise mit seiner jetzigen Ehefrau ein Verhältnis als er noch mit seiner zweiten verheiratet war. In den USA ist er als scharfzüngiger TV-Kommentator bekannt, hinter den Kulissen ist er aber auch als Lobbyist für die Energie- und Gesundheitsindustrie tätig.

Republicans Debate
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Willard Mitt Romney (64)

Der frühere Gouverneur von Massachusetts gilt als Favorit in seiner Partei. Für den 64-Jährigen ist es der zweite Versuch. Im Jahr 2008 scheiterte in den Vorwahlen am späteren US-Präsidentschaftskandidat John McCain. Der bekennende Mormone verdiente als Mitgründer der Investmentfirma Bain Capital ein dreistelliges Millionenvermögen und ist vielen auch als Organisator der Olympischen Winterspiele in Salt Lake City 2002 in Erinnerung geblieben. Allerdings gilt er als wankelmütig.

Während er einst für die Homo-Ehe und Abtreibungsgesetz eintrat ist er heute dagegen. Und während er heute gegen Obamas Gesundheitsreform wettert, verschweigt er, dass das von ihm in Massachusetts eingeführte Gesundheitssystem diesem ähnelt.

Republican Debate at St. Anselm College in New Hampshire
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Ron Paul (75)

Für den Abgeordneten und Arzt aus Texas ist es bereits die dritte Kandidatur. 1988 trat er bereits für die „Libertarian Party“ an. 2008 ging er für die Republikaner in den Vorwahlkampf. Paul, der einige deutsche Vorfahren aus Hessen hat, ist ein Kritiker des amerikanischen Gesundheitssystems. Zudem sprach er sich früher auch für einen Austritt der USA aus NATO, UN und der Welthandelsorganisation (WTO) aus. Er ist der Älteste unter den republikanischen Hoffnungsträger.

Republicans Debate
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Tim Pawlenty (50)

Über den Ex-Gouverneur von Minnesota ist nur wenig bekannt. Ob das ein Vorteil für den Juristen ist? Für Kritiker ist er jetzt schon der "langweilige Provinzpolitiker".

Nicht während Obama zwei Kriege führt, Millionen Amerikaner keinen Job haben und die Wirtschaft vor sich hinsiecht. Erst am Donnerstag gab es neue schlechte Nachrichten: Arbeitslosigkeit und Preise klettern stärker als erwartet, die Märkte brachen ein.

Einen Gefallen tut Obama nun jenen Republikanern, die 2012 gegen ihn antreten wollen und deshalb gerne draufhauen. Der Präsident solle nicht „auf der Insel herumhüpfen“, sondern die Probleme anpacken, polterte der texanische Gouverneur Rick Perry. Obamas Verhalten zeige doch nur, dass die Regierung keine Verbindung mehr zu den Menschen habe.

BIP-Veränderung USA

Perrys Rivale Mitt Romney versprach, er würde als Präsident „sofort in mein Büro zurückkehren“. Selbst liberale Leitartikler wie Colbert I. King von der „Washington Post“ sind streng: „Nein, Mr. President, Martha’s Vineyard ist der letzte Ort auf der Welt, den sie jetzt besuchen sollten“.

Obama selbst hat keine große Lust, etwas zur Urlaubs-Affäre zu sagen. „Ich denke nicht, dass es die Amerikaner da draußen anstößig finden, wenn der Präsident ein wenig Zeit mit seiner Familie verbringt“, ließ er seinen Sprecher Jay Carney ausrichten. Außerdem arbeite der Präsident ja auch im Urlaub: Er habe stets seine Berater um sich und lasse sich täglich informieren. „Präsidenten haben nie frei“, so Carney.

Ruhe nach dem nervenaufreibenden Schuldenstreit
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2 Kommentare zu "USA: Obamas Urlaubsaffäre"

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  • Beim unfaehigsten US-Praesidenten aller Zeiten ist es nur gut wenn er Urlaub macht. Er sollte ihn besser nie beenden.

    Ich frage mich immer, warum verlaengert er nicht seinen Urlaub und tritt ENDLICH zurueck. Die Welt hat nicht mehr viel Zeit um zu warten - vor allem die Finanzwelt. Und mit ihm sollten seine Freunde Bernanke und Yellen zuruecktreten. Die Welt waere dann wieder eine bessere.

  • Darf sich ein US-Präsident in schweren Zeiten einfach an den Strand legen?

    Natürlich darf er das. 1) Ist auch der Präsident der größten Weltmacht nicht der liebe Gott und kann daher auch keine Wunder vollbringen. 2) Sind Aktionen, die aus Panik entstehen und sich daher in Hyperaktionismus ausdrücken, nie die richtigen sondern immer genau diejenigen, die alles noch viel schlimmer machen.

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