USA optimistisch
Taliban liegen „in den letzten Zügen“

Wieder sterben Zivilisten bei einem Anschlag in Kabul. Die Aufständischen sprechen von Vergeltung für das Anti-Islam-Video. Die Isaf fährt ihre Kooperation mit den Afghanen zurück - die Voraussetzung für den Abzug ist.
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KabulUS-Verteidigungsminister Leon Panetta mangelt es nicht an Zuversicht. Zwar sei er „sehr besorgt“ über die zunehmenden „Insider-Angriffe“, bei denen Afghanen in Uniform Soldaten der Nato-Schutztruppe Isaf töten, sagte er am vergangenen Montag in Tokio. Er halte diese Attentate aber für ein Indiz dafür, dass die Taliban „in den letzten Zügen“ lägen. Die Aufständischen wollten Chaos schaffen, weil sie verlorenes Terrain nicht zurückgewinnen könnten. Am Dienstag, einen Tag nach diesen Worten, deutete nichts darauf hin, dass Panettas Optimismus begründet ist.

Unter Druck scheint derzeit die Isaf zu stehen. Die Schutztruppe sieht sich wegen der wachsenden Bedrohung durch „Insider-Angriffe“ und durch das islamfeindliche Mohammed-Video gezwungen, zumindest vorübergehend Abstriche an ihrer bisherigen Strategie vorzunehmen. Sie teilte am Dienstag mit, dass die Zusammenarbeit mit afghanischen Sicherheitskräften eingeschränkt werde, um die Soldaten zu schützen. Dieses sogenannte Partnering ist ein Kernelement bei der Ausbildung der einheimischen Armee und Polizei - die Ende 2014 den Abzug eines Großteils der Nato-Truppen ermöglichen sollen.

Doch diese Nato-Truppen geraten unter zunehmenden Beschuss aus den vermeintlich eigenen Reihen. Mehr als 50 Soldaten starben in diesem Jahr bei Angriffen von Afghanen in Uniform, im gesamten vergangenen Jahr waren es 35. Die Angreifer sind nicht nur Taliban-Schläfer, Auslöser sind nach Isaf-Einschätzung oft persönliche Animositäten und Stress. An der Bedrohung ändert das nichts, weswegen die Isaf nun das Partnering unterhalb der Bataillonsebene zurückfährt. Diese Ankündigung sorgte für so viel Wirbel, dass sich die Schutztruppe zu der Klarstellung gezwungen sah, dass die Isaf „zu normalem Betrieb zurückkehrt, sobald die Umstände das rechtfertigen“.

Unterdessen wurden am Dienstag wieder Zivilisten zum Opfer des Terrors. Bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt Kabul starben neben afghanischen Zivilisten acht Südafrikaner und möglicherweise auch ein Kirgise. Sie sollen für eine Luftfrachtfirma gearbeitet haben. Die Gruppe Hesb-i-Islami (HIG) des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatjar nannte die Bluttat einen Racheakt für das Mohammed-Video. Die radikal-islamische HIG kämpft wie die Taliban und das Hakkani-Netzwerk gegen die ausländischen Truppen. Allerdings galt die Gruppe bislang als diejenige, die am ehesten für eine politische Lösung des Konflikts gewonnen werden könnte.

Es war nicht der einzige Vorfall, bei dem die Aufständischen jüngst wieder Schlagkraft bewiesen. Vor eineinhalb Wochen sprengte sich ein nach Polizeiangaben erst 14 Jahre alter Attentäter vor dem Isaf-Hauptquartier in Kabul in die Luft. Unter den Opfern waren sechs Kinder. Und am vergangenen Freitag griff ein Taliban-Kommando das große Isaf-Feldlager Camp Bastion in der südafghanischen Provinz Helmand an, wo der englische Prinz Harry stationiert ist. Im Trubel um den Prinzen - der unverletzt blieb - ging unter, wie ausgefeilt und aus Taliban-Sicht erfolgreich der Angriff war.

Nach Isaf-Angaben gelang es den 15 Aufständischen, auf das Gelände des Camps einzudringen. Sie trugen US-Uniformen - ein Novum. Zwar wurden 14 der Angreifer getötet und der verbleibende gefangen genommen, und die Isaf erlitt mit zwei Toten vergleichsweise geringe Verluste. Die Taliban-Kämpfer richteten aber größeren materielle Schaden als je zuvor bei einem Angriff auf die Isaf an: Neben Flugzeughallen und Tankstationen wurden acht Harrier-Kampfjets zerstört oder schwer beschädigt. Die „New York Times“ berichtete, der Schaden werde auf mehr als 200 Millionen US-Dollar geschätzt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " USA optimistisch: Taliban liegen „in den letzten Zügen“"

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  • Taliban liegen "in den letzten Zügen"
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    Hat schon jemand gezählt, wie oft wir das in den letzten 11 Jahren gehört haben?

    Genauso ernst kann man die Meldung einordnen.
    Ach ja, es ist Wahlkampf.
    Da sind die Wahlkampf-Kasperl unterwegs...

    Also "Business as usual".

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