USA-Reise
Merkel wirbt in Washington für mehr Klimaschutz

Heute spricht die Kanzlerin vor dem US-Kongress, als selbstbewusste und gestärkte Chefin einer neuen, wirtschaftsfreundlicheren Regierung, die traditionell ein demonstrativ gutes und möglichst enges Verhältnis zu den USA sucht. Dabei will sie sich für die Hilfe beim Einheitsprozess bedanken - und den transatlantischen Partner leise mahnen.
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BERLIN. Die Einladung nach Washington lag schon länger im Büro der Bundeskanzlerin. Aber Angela Merkel wartete erst das Ergebnis der Bundestagswahl ab. Am heutigen Dienstag kann sie nun als strahlende Wahlsiegerin und erste deutsche Regierungschefin die ehrenvolle Aufgabe erfüllen, in einer gemeinsamen Sitzung beider Kammern des US-Kongresses vor dem Senat und dem Repräsentantenhaus zu sprechen. Der erste Kanzler der Bundesrepublik, Konrad Adenauer, durfte 1957 zwar ebenfalls vor beiden Häusern reden - allerdings nacheinander.

Merkel präsentiert sich in Washington als selbstbewusste und gestärkte Chefin einer neuen, wirtschaftsfreundlicheren Regierung, die traditionell ein demonstrativ gutes und möglichst enges Verhältnis zu den USA sucht. Im Vorfeld sprach Merkel von einer "Reise zu wirklichen Freunden". Dazu passt auch, dass unmittelbar nach der Kanzlerin am Donnerstag Außenminister Guido Westerwelle in Washington seine erste Vorstellungsrunde im neuen Amt absolvieren wird.

Die Hauptpunkte ihrer Rede und die wichtigsten Themen des anschließenden Gesprächs mit Präsident Barack Obama deutete die Kanzlerin bereits in einer Internetbotschaft an: Zunächst möchte sie sich kurz vor dem 20. Jahrestag des Mauerfalls auch persönlich als Ostdeutsche für die Hilfe der Amerikaner bei der Überwindung der deutschen Teilung bedanken. Mehr als die Regierungen in Frankreich und England hatte der damalige US-Präsident George Bush senior zur schnellen Vollendung der Einheit beigetragen.

Obama will nicht gegen Skepsis der Amerikaner handeln

Merkels zweites Anliegen gilt dem Klimaschutz und der Vorbereitung des Klimagipfels Anfang Dezember. Den USA kommt eine entscheidende Rolle bei dem Versuch zu, das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll durch ein Nachfolgeabkommen zu ersetzen. Doch Obama, der bereits an vielen Fronten gegen sinkende Popularität kämpft, will nicht auch noch beim Klimaschutz gegen die Skepsis vieler Amerikaner handeln. Merkel weiß das. In ihrer Rede wird sie deshalb vorsichtig formulieren, im anschließenden Gespräch dafür etwas klarer. Wenn sie die USA nicht zu einer aktiven Rolle beim Klimaschutz bringen kann, gibt es wenig Hoffnungen auf ein konkretes Ergebnis in Kopenhagen.

Sorge macht sich Merkel auch wegen des nachlassenden Engagements bei der Bekämpfung der Finanzkrise. Diese sei "noch nicht überwunden, und wir haben auch noch nicht sichergestellt, dass sich eine solche Krise in Zukunft nicht wiederholen kann", mahnte sie. Im Blick hat sie dabei das Bestreben der anglo-amerikanischen Finanzplätze, die Regulierung der Banken so weit wie möglich abzuwehren. Auch die Gefahr protektionistischer Tendenzen sei lebendig, hieß es in Berliner Regierungskreisen.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter

Kommentare zu " USA-Reise: Merkel wirbt in Washington für mehr Klimaschutz"

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  • Es liegen Meldungen vor, jedoch zensiert! Freiheit die ich meine.

  • The show must go on. Die Realität ist zu ernsthaft.
    Die USA halfen den Westdeutschen noch, als die Mauer noch stand vor den Russen ,die Ostdeutschen waren denen egal. Die USA haben ein anderes Weltverständnis als wir, die meisten kennen uns gar nicht, da kommen wir als Lehrmeister. Zu hause nicht einmal die Regierungserklärung abgegeben und drausen prozen.Klima schonend ist PKW stehen lassen und nicht mehr so viel fliegen. Ein Düsenflugzeug verbraucht bis zur Flughöhe soviel Sauerstoff wie ein Mensch in 10 Jahren. Vom Ausstoß wollen wir erst gar nicht reden.Klimaschutz sollte man vorleben und nicht schulmeistern. Das liebste Auto der Kanzlerin der Hummer, da muß eine Tankstelle nebenher fahren. Für das deutsche Volk Förderung eines Kleinwagen. Wie soll man dann glaubwürdig sein?

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