0 Bewertungen
01.02.2008 
Entsendung deutscher Soldaten nach Südafghanistan

USA setzen Deutschland unter Druck

Die USA fordern von Deutschland einem Zeitungsbericht zufolge die Entsendung von Soldaten in den umkämpften Süden Afghanistans. Dies verlangt der amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates demnach in einem ungewöhnlich scharf formulierten Brief an seinen deutschen Kollegen Franz Josef Jung.

Deutsche Soldaten in Afghanistan: US-Verteidigungsminister Gates fordert, dass sie auch in den Süden entsendet werden. Foto: dpa Lupe

Deutsche Soldaten in Afghanistan: US-Verteidigungsminister Gates fordert, dass sie auch in den Süden entsendet werden. Foto: dpa

HB BERLIN. Gates bitte Jung, dazu ein neues Bundestagsmandat in Erwägung zu ziehen, berichtete die „Süddeutsche Zeitung“ am Donnerstag vorab. Das geltende Mandat erlaubt den Einsatz von maximal 3 500 Soldaten im weniger gefährlichen Norden; sie dürfen nur im Ausnahmefall in anderen Regionen eingesetzt werden. Die Bundeswehr bereitet derzeit die Entsendung von Kampftruppen in den Norden im Rahmen des bestehenden Mandats vor.

Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte den Eingang des Briefs. „Nach unserer Kenntnis hat sich Verteidigungsminister Gates in gleicher Angelegenheit auch an weitere Nato-Partner gewandt“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Raabe. Inhaltlich wollte er sich nicht dazu äußern. Der Einsatz der Nato stehe auf der Tagesordnung des Treffens der Verteidigungsminister des Bündnisses in der kommenden Woche in der litauischen Hauptstadt Vilnius.

Die Bundesregierung lehnt den Einsatz deutscher Soldaten außerhalb des bisherigen Mandatsgebiets bislang ab. Auch der laufende Einsatz in Afghanistan ist politisch seit langem umstritten, unter anderem weil sich die Sicherheitslage in dem Land zuletzt massiv verschlechterte.

Mit dem Brief wollen die USA den Druck zur Aufstockung des gegenwärtigen Nato-Kontingents in Afghanistan erhöhen. Das US-Verteidigungsministerium hatte solche Forderungen mit Blick auf das Treffen der Verteidigungsminister und auf den Nato-Gipfel im April angekündigt. Kanada hatte mit einem Rückzug aus dem Einsatz gedroht, wenn es nicht zusätzliche Truppen aus anderen Nato-Staaten gebe. Der Brief dient dem Bericht zufolge der Vorbereitung der Beratungen der Minister über dieses Thema; er sei auch an die anderen Staaten der Nato gerichtet worden.

Gates drängt laut dem Bericht konkret zur Bereitstellung von Hubschrauber-Einheiten und Kampftruppen wie Fallschirmjägern. Diese sollten im Herbst 3 200 US-Soldaten ablösen. Die USA hatten vor kurzem die Entsendung dieser Zahl zusätzlicher Soldaten angekündigt; davon sollen 2 200 in den gefährlicheren Süden geschickt werden, wo eine neue Frühjahrsoffensive der radikal-islamischen Taliban erwartet wird. Laut „Süddeutscher Zeitung“ wollen die USA ihr zusätzliches Kontingent nach sechs Monaten bereits wieder abziehen und drängen daher auf Ablösung durch die Bundeswehr.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ranghoher El-Kaida-Kommandeur getötet

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterBildergalerien

zurück
  • Finanzkrise: Misstrauen durchdringt all...

    Finanzkrise: Misstrauen durchdringt alle Bereiche

    Keine Frage, die Finanzkrise, die wir derzeit erleben, ist außergewöhnlich. Alle Vergleiche mit vorherigen Wirtschaftskrisen hinken. Und das Vertrauen ist zerstört, wie ein Blick auf wichtige Indikatoren des Finanzmarktes zeigt.Bildergalerie 

  • Hier versickern unsere Steuergelder

    Hier versickern unsere Steuergelder

    Ein Schwimmbad, das niemand nutzt. Gratis-Fitness für städtische Angestellte. Staatliche Tipps zum Umgang mit Wölfen ("Sie sind keine Kuscheltiere") – das neue "Schwarzbuch" des Bundes der Steuerzahler listet wieder die krassesten Fälle öffentlicher Verschwendung auf.Bildergalerie 

  • Was der Seehofer-Wechsel für Merkel bed...

    Was der Seehofer-Wechsel für Merkel bedeutet

    In Berlin steht eine Kabinettsumbildung an. Da Bundesagrarmnister Horst Seehofer (CSU) als Ministerpräsident nach Bayern wechselt, muss sein Posten in der Bundesregierung neu besetzt werden. Möglicherweise nutzt Kanzlerin Angela Merkel die Gelegenheit, um auch Veränder...Bildergalerie 

vor

 

 

weiterGlobal Reporting

Die Griechen rufen in der Krise nach dem Staat 

10.10.2008Global Reporting

Heute veröffentlicht die Athener Zeitung Kathimerini eine Meinungsumfrage zur Finanzkrise. Das Ergebnis: die Griechen sind besorgt, verfallen aber bisher nicht in Panik. 76 Prozent der Befragten sagen, sie seien „sehr“ oder „ziemlich beunruhigt“. Nur sechs Prozent lässt die Krise kalt. Blog


weiterMadagaskar

Amerikas nächster Finanzminister 

09.10.2008Madagaskar

Wenig beachtet wurde, dass Barack Obama und John McCain beim TV-Duell ihre Favoriten für das Amt des Finanzministers genannt haben. Doch keine Angst, weder Meg Whitmann noch Warren Buffet werden das derzeit wenig begeehrte Amt erben. Blog