USA sind besorgt
Nordkorea will Atom-Arsenal ausbauen

Nordkorea hat am Mittwoch erneut mit dem Ausbau seines Atomwaffen-Arsenals gedroht. Die Nachbarstaaten und die USA sind besorgt. Sie riefen die Regierung in Pjöngjang auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

HB SEOUL. 8000 Brennstäbe seien aus der Fünf-Megawatt-Atomanlage in Yongbyon gewonnen worden, zitierte die Nachrichtenagentur KCNA am Mittwoch einen Sprecher des Außenministeriums. „Wir haben die notwendigen Schritte unternommen, um unser Atom-Arsenal für Verteidigungszwecke aufzustocken, der Hauptzweck ist aber die Produktion von Atomenergie“, sagte er weiter. Der Ausbau des Atom-Arsenals sei notwendig geworden, weil die US-Regierung Nordkorea mit Atomwaffen bedrohe.

Nordkorea und die USA hatten in einem Abkommen 1994 vereinbart, dass die Regierung in Pjöngjang ihr auf Plutonium basierendes Atomprogramm aufgibt und dafür im Gegenzug Unterstützung für die Energieversorgung erhält. Allerdings kündigte Nordkorea 2002 an, den Betrieb in Yongbyon nördlich der Hauptstadt wieder aufzunehmen sowie den Bau zweier weiterer Atomanlagen fortzuführen. Die Erklärung vom Mittwoch war das bislang deutlichste Eingeständnis der Nordkoreaner, dass die Anlage in Yongbyon wieder aktiv ist. Allerdings ließ das Land offen, ob mit der Wiederaufbereitung der dort gewonnenen Brennstäbe tatsächlich schon begonnen wurde. Dies ist eine Voraussetzung, um waffentaugliches Plutonium herzustellen.

Seit der Aufkündigung des Abkommens von 1994 versuchen die USA, China, Russland, Japan und Südkorea mit Nordkorea in den Sechs-Parteien-Gesprächen, das abgeschottete Land zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen. Seit der dritten Verhandlungsrunde im Juni liegen die Gespräche auf Eis. Nordkorea erklärte im Februar erstmals offiziell, Atomwaffen zu besitzen. Die US-Regierung warnt seit Tagen, Nordkorea bereite möglicherweise einen Atomtest vor und könnte diesen schon bald ausführen.

Entsprechend besorgt zeigten sich die engsten Nachbarn Nordkoreas nach den jüngsten Meldungen. „Dieser Schritt der Nordkoreaner steht allen Bemühungen entgegen, die koreanische Halbinsel gänzlich von Atomwaffen zu befreien“, hieß es in einer Erklärung des südkoreanischen Außenministeriums. China, der engste Partner der Nordkoreaner, rief die an den Atom-Gesprächen beteiligten Staaten zu Zurückhaltung auf. „Wir bitten alle Parteien, Zurückhaltung zu üben und wir hoffen, dass sie nichts unternehmen werden, was die Wiederaufnahme der Sechs-Parteien- Gespräche gefährdet“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums der Nachrichtenagentur Reuters. Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi bezeichnete die Ankündigung Nordkoreas als Verhandlungstrick. Das Land sollte damit aufhören und stattdessen begreifen, dass ein Ende seines Atomprogramms „sehr zu seinem eigenen Nutzen ist“.

Auch die US-Regierung verurteilte das Verhalten der Regierung in Pjöngjang. „Die provokativen Erklärungen und Handlungen Nordkoreas isolieren das Land nur noch weiter von der internationalen Staatengemeinschaft“, sagte der Sprecher des Präsidialamts, Scott McClellan. Das ändere aber nichts an dem internationalen Bemühen, die Sechs-Parteien-Gespräche wieder aufzunehmen. „Das war unser Fokus und das bleibt unser Fokus.“

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