USA spielen Schlüsselrolle
Motassadeq-Prozess wird wieder aufgerollt

Wenige Tage vor der Neuauflage des weltweit ersten Prozesses um die Anschläge vom 11. September 2001 zeichnet sich ein monatelanges juristisches Tauziehen um die Rolle des Terrorverdächtigen Mounir El Motassadeq ab.

HB HAMBURG. Vom 10. August an muss sich der Marokkaner wegen Beihilfe zum Mord in mehr als 3 000 Fällen sowie Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung erneut vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht (OLG) verantworten. Aus Sicht der Anklage war er als Vertrauensmann der Hamburger Terrorzelle um den späteren Todespiloten Mohammed Atta in dessen Pläne eingeweiht.

Eine Schlüsselrolle kommt in dem zunächst bis Anfang 2005 terminierten Verfahren den US-Behörden zu. Ihre Kooperation wird als entscheidend dafür angesehen, ob Motassadeq wegen Beteiligung an den verheerenden Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon erneut verurteilt wird oder ob das Gericht ihn diesmal freispricht.

Im ersten Prozess 2003 hatte das OLG den Marokkaner für schuldig befunden - der weltweit erste Richterspruch zu den Anschlägen vom 11. September. Doch der Bundesgerichtshof hob die Verurteilung zu 15 Jahren Haft im März dieses Jahres auf. Begründung: Dem 30-Jährigen sei ein möglicher Entlastungszeuge vorenthalten geblieben. Gemeint ist der mutmaßliche Cheflogistiker der Anschläge, Ramzi Binalshibh. Der Jemenit befindet sich in US-Gewahrsam, war aber von den dortigen Behörden als Zeuge für den Hamburger Prozess gesperrt worden.

Anfang April errang Motassadeq einen weiteren Etappensieg. Das OLG hob seinen Haftbefehl zwar nicht auf, setzte ihn aber unter strengen Auflagen außer Vollzug. Es bestehe kein dringender Tatverdacht mehr wegen Beihilfe zum Mord, entschied das Gericht und setzte den verheirateten Vater zweier Kinder auf freien Fuß. Der Bundesanwaltschaft machte die Freilassung deutlich: Wenn sie bis zur Neuauflage des Prozesses keine neuen Beweise vorlegen kann, wird die Sache mit einem Freispruch enden - zumindest, was den Hauptvorwurf der Beteiligung an den Terrorattacken angeht.

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