USA
Tägliche Hiobsbotschaften frustrieren Bush

Die Meldung über den 2000. toten US-Soldaten im Irak war nur die jüngste Hiobsbotschaft für George W. Bush. Bereits zuvor soll die Stimmung im Weißen Haus miserabel gewesen sein. Die gefürchteten Zornesausbrüche des US-Präsidenten treffen nun offenbar nicht mehr nur seine engsten Mitarbeiter. US-Medien sprechen von "dunkelsten Tagen".

WASHINGTON. Auch einige der jungen Berater litten verstärkt unter der angespannten Atmosphäre, berichtete ein politischer Freund von Bush laut der Zeitung „Daily News“. Der Präsident sei frustriert und wütend, auch wenn er unbeirrt an die Richtigkeit seiner Politik glaube. Dies sind „die dunkelsten Tage der Bush- Präsidentschaft“ kommentierte auch die „Washington Post“ nüchtern.

Bush-Vertraute und führende Republikaner sind in Skandale und staatsanwaltliche Ermittlungen verwickelt. Das konservative Lager zweifelt immer offener an Politik und Entscheidungen des Präsidenten. Bush befindet sich - nimmt man Meinungsumfragen und die Zahl der politischen Brandherde zum Maßstab - auf einem Tiefpunkt seiner bisherigen, fünfjährigen Amtszeit.

Vor fast genau einem Jahr siegte er bei den Präsidentschaftswahlen über seinen demokratischen Herausforderer John Kerry - nun glauben den verschiedenen Meinungsumfragen zufolge nur noch rund 40 Prozent der Amerikaner, dass „Bush seinen Job gut macht“. Noch deutlicher sank die Zustimmung seiner Landsleute zum Irakkrieg.

Diese Woche steht Bush neues Ungemach ins Haus. Bei den Ermittlungen über die Entlarvung der CIA-Agentin Valerie Plame drohen engsten politischen Weggefährten Anklagen. Bushs Stabschef Karl Rove, als strategisches Genie gerühmt, sowie der Stabschef des Vizepräsidenten Dick Cheney, Lewis Libby, werden verdächtigt, sich mit Indiskretionen strafbar gemacht zu haben. Selbst Cheney ist nun ins Visier des Sonderermittlers Patrick Fitzgerald geraten, der aufklären soll, wer die Ehefrau des Ex-Sonderbotschafters Jospeh Wilson verriet. Der Verdacht lautet, dass Bush-Getreue sich an dem Irakkriegskritiker Wilson haben rächen wollen.

Für Bush ist diese Entwicklung besonders dramatisch, da zumindest Cheney und Rove zu seinem berüchtigten Küchenkabinett gehören, das der Ex-Stabschef im Außenministerium, Lawrence Wilkersen, bitter als „Verschwörung“ im Weißen Haus beschrieb. Dieser enge, von Neokonservativen geprägte Kreis sei das Entscheidungsgremium für zentrale Fragen der US-Politik gewesen und passe eher „zu einer Diktatur denn einer Demokratie“. Sein damaliger Chef, der ehemalige Außenministers Colin Powell habe eine „Serie desaströser Entscheidungen“ in diesem Kreis nicht verhindern können, schrieb Wilkersen in einem Beitrag für die „Los Angeles Times“.

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