USA, Teil V – Koalition der (Un)willigen
Wenn Gott kneift, richten es die Marines?

US-Präsident Obama hat sich auf die Fahnen geschrieben, keine Bodentruppen mehr in einen Krieg zu führen. Doch der Kampf gegen den IS-Terror könnte es nötig machen, warnen Experten. Das Land ist zwiegespalten wie selten.
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San FranciscoGeköpfte Bürger, gefolterte Männer, vergewaltigte Frauen: Die Brutalität der IS bringt Europa und Amerika an den Rande eines Krieges. Bisher will kein Land Bodentruppen schicken. Das hat bestimmte Gründe. Denn jeder der betroffenen Staaten hat eine eigene Geschichte des Krieges: Wie entscheiden die Briten? Warum tun sich die Deutschen so schwer? Und wieso haben die Franzosen kein Problem mit dem Krieg? Handelsblatt Online stellt in der Serie „Die Koalition der (Un)willigen“ vor, wie die Staaten zum Krieg stehen.

Sie heißen Belleville USMC Combat 500 WP. Erdfarbene, wasserdichte Schnürstiefel sind es, auf der rechten Außenseite in Höhe der Fußgelenke finden sich unauffällig eingestanzt Adler, Weltkugel und Anker. Das ist das Wappen des gefürchteten United States Marine Corps. Es gibt derzeit nur eine Frage, die das Land zerreißt: Sollen diese Stiefel der US-Armee auf irakischem und syrischem Boden marschieren und den Kampf gegen das Terrornetz IS in die Straßen von Bagdad und Damaskus tragen? Amerika ist unentschlossen wie selten.

„No boots on the ground“, kein Einsatz von Bodentruppen, ist bis heute das scheinbar unverrückbare Motto von US-Präsident Barack Obama. Er schreibt sich auf die Fahnen, die Kriege in Afghanistan und Irak beendet zu haben, die seine Vorgänger der Präsidenten-Dynastie Bush angezettelt hatten. „Als oberster Befehlshaber werde ich keine amerikanischen Truppen mehr einen Bodenkrieg in Irak kämpfen lassen“, war Obamas dezidierte Aussage noch in der vergangenen Woche.

Das sehen Hardliner wie Donald Rumsfeld, seinerzeit Verteidigungsminister unter George W. Bush im Irakkrieg, ganz anders. Sie werfen dem Präsidenten Schwäche und Konzeptlosigkeit vor. Sein verfrühter Truppenabzug habe die Situation erst eskalieren lassen und jetzt sehe man das Ergebnis: die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Er schreckt dabei nur kurz vor dem zurück, was Sarah Palin, die ultrakonservative Ex-Gouverneurin Alaskas, dem Präsidenten auf ihrer Internetseite empfiehlt: „Go big or go home“, mache es richtig oder gar nicht. Richtig, das sind für sie massive Militäreinsätze auf dem Boden, um dem IS-Terror ein für alle Mal Einhalt zu gebieten.

Doch bei weitem nicht alle Amerikaner stimmen dem zu. Fragt man die, die nicht wie Sarah Palin das Geschehen mit einiger Distanz aus Alaska verfolgen können, ist die Aussage ziemlich klar: Die Umfrage der „Military Times“ unter 2.200 aktiven US-Soldaten brachte überwältigende 70 Prozent gegen einen Kampfeinsatz mit Bodentruppen. Doch wenn es nach Robert Gates geht, ebenfalls Verteidigungsminister unter George W. Bush, ist das keine Option: „Die Realität ist, dass wir alleine aus der Luft IS nicht besiegen werden“, dozierte der 71-jährige auf dem TV-Sender CBS. Er hofft, dass nach barbarischen Hinrichtungsvideos amerikanischer Bürger im Internet die Wut im Volk groß genug ist, um alle Bedenken und schlechten Erfahrungen beiseite zu räumen.

Es sind vor allem zwei große Ereignisse, die die Anti-Kriegsstimmung in den USA zu dem gemacht haben, was sie ist. Da ist zum einen das immer noch nicht verarbeitete Vietnam-Trauma. Nach über 58.000 toten Soldaten, endlosen Bombenangriffen und zermürbendem Dschungelkrieg musste sich die gedemütigte Supermacht praktisch bei Nacht und Nebel aus dem Land stehlen. Und zum anderen ist da der Irak-Krieg von 2003 mit geschätzt über 32.000 toten Soldaten und Zivilmitarbeitern.

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IS-Terroristen provozieren die USA

Kommentare zu " USA, Teil V – Koalition der (Un)willigen: Wenn Gott kneift, richten es die Marines?"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Wollen die Vereinigte Schulden von Amerika einen 3. Weltkrieg?

    Man mag es kaum glauben, aber es stimmt: Die Amerikaner stehen inzwischen mit fast 60 000 Milliarden Dollar in der Kreide!

    Genau genommen sind es 59400 Mrd. Dollar, wenn man Staatsschulden, Firmenschulden, Hypotheken und Verbraucherschulden addiert.

    Eine Summe, die sich jeder Beschreibung entzieht!

    Hätten Sie beispielsweise zur Zeit Jesu gelebt und hätten seitdem an jedem einzelnen Tag 80 Mio. Dollar ausgegeben, wären Sie noch immer nicht bei 59400 Mrd. Dollar!

    Die USA sind pleite und ihr Dollar am Ende. Aber Sie kennen das sicherlich aus dem Tierreich: Ein angeschossenes Raubtier ist besonders gefährlich und vor allem in seinen Reaktion unberechenbar. Und genauso schätze ich die USA in der aktuellen Krisenlage ein.

    Putin trennt sich vom Dollar und kauft physisches Gold und verabschiedet sich damit ganz offen vom Dollar. Im gleichen Atemzug eröffnet Russland Konten in Asien und stellt die Export-Verträge auf asiatische Währungen wie den chinesischen Yuan um.

    Sind Russland & China auf dem Weg, sich vom Dollar-Zwangssystem zu befreien?

    Wenn sie damit Erfolg haben, bedeutet es den Todesstoß für die globale Vormachtstellung Amerikas bzw. der privaten FED-Bankster!

    Seit dem 2. Weltkrieg wird der Handel mit Erdöl gezwungenermassen in privaten Fed-Dollar fakturiert, was der Rest der Welt ( Dank US Army oder besser FED Army ) so hinzunehmen hatte.

    Wer sein Öl nicht gegen private Dollar, sondern gegen Euro verkaufen wollte, wurde vom westlichen Medienkartell zum "Terroristen" erklärt ( Saddam Hussein , Hugo Chavez, Gaddafi, Ahmadinedschad ) und von der Nato "befreit".


    http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/dr-paul-craig-roberts/washington-ruehrt-die-kriegstrommel.html;jsessionid=91DA96E06F5470A25D8F4135002756B6

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