USA
Terrorszenarien mit Gänsehauteffekt

Die versuchten Terroranschläge von London und Glasgow haben die US-Behörden nervös gemacht: Die Vereinigten Staaten stehen vor einer der größten Reisewellen des Jahres. Einen besonderen Gänsehauteffekt haben in den USA zwei Horrorszenarien ausgelöst.

HB WASHINGTON. Mehr als 41 Millionen Amerikaner werden in den Tagen um den Unabhängigkeitstag am 4. Juli fliegen. Eine sofort verordnete Rundumüberwachung von Flughäfen, Bahnhöfen und Busterminals soll den Bürgern ein Gefühl von Sicherheit geben. Aber Sorge bereiten in den USA auch andere Horrorszenarien: Wie lassen sich Anschläge auf Kreuzfahrtschiffe, Seehäfen sowie Industrie- und Ballungsgebiete verhindern, denen Tausende von Menschen zum Opfer fallen könnten?

Das Terrornetzwerk El Kaida sei in der Lage, seine Strategien ständig zu erneuern, heißt es in einer Analyse des auf Terrorismus spezialisierten privaten Intel-Centers vom Montag. Deshalb deute vieles darauf hin, dass künftig Autobomben- und Selbstmordanschläge mit nie da gewesenen Formen wie bei den Anschlägen vom 11. September 2001 vermischt werden könnten. Danach müssen sich auch Länder auf Anschläge einrichten, die bislang nicht betroffen waren. Die vier bevorzugten Anschlagziele von Terroristen seien bislang öffentliche Plätze mit vielen Menschen, Einrichtungen der Regierung, Polizei und Armee sowie ausländische Bürger und Touristen. An fünfter Stelle stünden Anlagen der Ölindustrie. „Die Mehrheit der künftigen Anschläge wird wahrscheinlich zeitgleich mehrere Ziele treffen“, heißt es.

Die beiden schlimmsten Szenarien dabei betreffen New York und Los Angeles. „Die zwei gefährlichsten Meilen Amerikas“ lägen auf der Strecke von New Jersey in die Stadt New York, schreibt das US-Wissenschaftsmagazin „Discover“. Im Einzugsbereich liegen der Flughafen von Newark, ein Kraftwerk, Gas- und Ölpipelines, Chemieunternehmen sowie Passagier- und Frachtlinien. Nach Schätzungen der US-Umweltschutzbehörde könnte ein Anschlag in den Dimensionen vom 11. September für zwölf Mill. Menschen im Umkreis von 20 Kilometern eine tödliche Gefahr bedeuten.

Die Rand Corporation, eine renommierte kalifornische Denkfabrik, hat das Szenarium für einen Mega-Anschlag auf den größten Hafen der USA in Long Beach südlich von Los Angeles durchgespielt. Sollte es beispielsweise Terroristen gelingen, einen Container mit Atomsprengstoff in den Hafen zu schmuggeln und dort explodieren zu lassen, würden bis zu 60 000 Menschen sofort sterben. Aus dem dicht bevölkerten Großraum müssten sechs Mill. Menschen in Sicherheit gebracht werden.

Selbst ein Terrorangriff mit Flugzeugen oder mit Sprengstoff beladenen Frachtschiffen auf den Hafen hätte verheerende Folgen. Die Raffinerien von Long Beach produzieren rund ein Drittel des Treibstoffes für die Westküste der USA. Darüber hinaus werden in Long Beach den Angaben zufolge rund 30 Prozent aller US-Importe von See abgewickelt.

Terroristen seien heute nicht nur Mitglieder von El Kaida, sagt US-Heimatschutzminister Michael Chertoff. Sie gehörten oft Kaida- Ablegern an, seien Sympathisanten oder Einheimische. Die USA sähen mit wachsender Sorge, wie sich immer mehr Europäer nach Asien zur Ausbildung in Lager absetzten und dann zurückkämen, um in Europa Anschläge auszuführen oder in die USA zu fliegen. „Im vergangenen Jahr ist Europa zu einer besonders gefährlichen Plattform geworden“, sagt Chertoff. Deshalb müssten die USA ihre Sicherheitsvorkehrungen für den Reiseverkehr von Europa überwachen.

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