USA
Überraschung im Wahlkampf der Millionäre

Bis zur Präsidentschaftswahl in den USA sind es noch fast 20 Monate, doch das Kandidatenfeld hat sich schon jetzt auf sechs Politiker reduziert. Nur wer im ersten Quartal mindestens 15 Millionen Dollar an Spenden aufweisen kann, spielt bei den Vorwahlen Anfang 2008 ernsthaft mit. Jetzt sorgte ein Kandidat für eine große Überraschung.

DÜSSELDORF. „Die wichtigste Vorwahl ist schon gelaufen - die Vorwahl des Geldes“, sagt John Hulsman, US-Politologe bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Nach seiner Einschätzung hat sich die Mechanik des amerikanischen Wahlkampfes fundamental stark verändert. Die Konzentration und Vorverlegung der Vorwahlen in den entscheidenden Bundesstaaten (Primaries) auf Anfang Februar, die Professionalisierung der Wahlkämpfer und die Rolle des Internets als Spendensammelmaschine haben zu einer sehr frühen Konzentration des Bewerberfeldes geführt. „Wer beim Super-Duper-Tuesday am 5. Februar punkten will muss massiv Fernsehwerbung schalten - und die ist teuer“, argumentiert Hulsmann. „Überraschungen sind nicht mehr möglich.“

Tatsächlich ergeben die Zahlen über die Spendeneinnahmen der Kandidaten im ersten Quartal dieses Jahres ein klares Bild. Bei den Demokraten führt die New Yorker Senatorin Hillary Clinton mit 26 Millionen Dollar das Feld unangefochten an. Aber auch Senator Barack Obama (20 Millionen) und John Edwards (14 Millionen) halten mit. Zum Vergleich: bislang hatte Al Gore mit 8,9 Millionen Dollar im ersten Vorwahlquartal 1999 den Rekord gehalten. Jetzt vereint das aktuelle Spitzentrio einen Großteil der 75 Millionen Dollar, die die Demokraten einnahmen, auf sich. Alle anderen spielen keine Rolle.

Spannender wird es bei den Republikanern, die bislang insgesamt auf 50 Millionen kommen. Hier hat mit seinen 20 Millionen Dollar der frühere Gouverneur von Massachusetts Mitt Romney für eine Sensation gesorgt. „Absolut unglaublich“, kommentiert Hulsman. Dagegen fallen der New Yorker Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani (15 Millionen) und vor allem der bisherige Favorit, Senator John McCain mit 12,5 Millionen Dollar, weit zurück. Damit ist McCain in ernste Probleme geraten – die Giuliani mit seiner liberalen Agenda in der republikanischen Partei schon längst hat. McCains Wahlkampfmanager räumten ihre Enttäuschung über das schwache Ergebnis ein und kündigten eine Überholung ihrer Wahlkampfmaschine an.

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Was ist Romneys Erfolgsgeheimnis? Romney habe eine völlig neue Strategie, erklärt Hulsman. Statt Prominenz zum Werben von Spendengeldern einzusetzen nutze der Republikaner das Geld, um sich auf der nationalen Bühne bekannt zu machen. Im Gegensatz zu den meisten seiner Gegenkandidaten ist Romney ein erfolgreicher Geschäftsmann mit besten Beziehungen an der Wall Street. Vor seiner politischen Laufbahn hatte er das Investmenthaus Bain Capital gegründet, dem er ein auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätztes Privatvermögen, wirtschaftliche Erfahrung und ein Netz von kapitalkräftigen Unterstützern verdankt. An einem einzigen Tag, dem so genannten National Call Day im Januar in Boston hatte bei 400 Unterstützern 6,5 Millionen Dollar eingesammelt. Schon bei der Gouverneurswahl 2002 hatte er 9,4 Millionen Dollar ausgegeben, davon zwei Drittel aus der eigenen Tasche.

Außerdem ist Romney bekennender Mormone. Es macht keinen Hehl daraus, das prominente und reiche Mitglieder dieser konservativen Religionsgruppe zu seinen Unterstützern zählen – zum Beispiel die Marriott-Familie, Gründer der gleichnamigen Hotelkette. Und schließlich nutzt Romney das Internet perfekt, um auch eine Vielzahl von kleinen Einzelspenden einzusammeln.

Offen bleibt jedoch vorerst, ob Romney seine finanzielle Stärke auch in Wählerstimmen ummünzen kann. Denn in den Umfragen liegt er bei den Republikanern derzeit mit rund drei Prozent weit abgeschlagen hinter Giuliani (31 Prozent), McCain (22 Prozent) und einigen Außenseitern wie Fred Thompson, Newt Gingrich und Sam Brownback. Bei den Demokraten dagegen stimmen Spendenaufkommen und Wählerpräferenzen weitgehend überein. Bei der letzten Umfrage von USA Today/Gallup Ende März lag Clinton mit 35 Prozent vor Obama (22 Prozent) und John Edwards 14 Prozent).

Georg Watzlawek
Georg Watzlawek
Handelsblatt Online / Ressortleiter Wirtschaft und Politik
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