USA und der Irakkrieg
Wütende Soldatenmutter campiert vor Bushs Ranch

US-Präsident George W. Bush hat im Urlaub auf seiner Ranch im heimischen Texas einen unerwünschten Zaungast erhalten. Eine trauernde Soldatenmutter campiert schon seit Ende vergangener Woche in der Nähe seines Domizils - und gewinnt immer mehr Sympathien.

HB CRAWFORD. Cindy Sheehan fordert ein Gespräch mit dem Präsidenten über den Irakkrieg und will partout nicht das Feld räumen. Ihr Sohn, der Stabsgefreite Casey Sheehan, war 24, als er im Jahr 2004 bei Bagdad ums Leben kam - fünf Tage nach seiner Ankunft im Irak. Hatte die Mutter nach eigenen Angaben schon vor seinem Tod Zweifel an den von Bush angegebenen Gründen für den Irakkrieg, verwandelte sie der Verlust in eine vehemente Gegnerin.

Eine Begegnung mit dem Präsidenten, der von Zeit zu Zeit mit Gruppen von Hinterbliebenen zusammentrifft, machte sie nach eigenen Angaben dann noch zorniger. Er sei ihren Fragen nach dem Sinn des Irakkriegs ausgewichen und habe jedes Mal das Thema gewechselt, „wenn ich ihm von Casey erzählen wollte. Er selbst nannte ihn nie beim Namen, sondern sprach immer nur vom Verlust meines Lieben“, schilderte Sheehan in verschiedenen Interviews.

„Gold Star Families for Peace“

Was als eher einsame Aktion einer verbitterten und verzweifelten Frau begann, hat sich inzwischen ausgeweitet. Immer mehr Mitstreiter und Medienvertreter finden sich ein, Menschen schicken Blumen, Geld und Essen, und auf Internet- Webseiten äußern Sympathisanten ihre Unterstützung. Die müde vor sich hin dümpelnde Protestbewegung gegen den Irakkrieg, der bisher eine Symbolfigur fehlte, wittert Morgenluft.

Cindy Sheehan will Antworten. Am vergangenen Samstag zog die Kalifornierin, die Anfang des Jahres eine Antikriegsgruppe mit dem Namen „Gold Star Families for Peace“ gründete, in ein Zelt gut drei Kilometer von der Bush-Ranch entfernt, am Rande der Hauptstraße, die zu dem Anwesen führt. Nach Hause zurückkehren will sie erst dann, wenn Bush ihr Rede und Antwort gestanden hat, „mir erklärt hat, warum mein Sohn im Irak sterben musste“. Sie wolle nie mehr aus dem Mund des Präsidenten hören, dass ihr Sohn und die anderen Hunderten von US-Soldaten für einen „guten Zweck“ gestorben seien, „denn diesen guten Zweck gibt es nicht. Ich werde nicht zulassen, dass Bush meinen Sohn weiter für seine Ziele missbraucht.“

Bush schickt andere vor

So harrte Cindy Sheehan denn auch in dieser Woche weiter in der Ranchnähe aus, während Bush Besuch von Außenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erhielt und mit ihnen über die Lage im Irak beriet. Inzwischen ist die Frau heiser und lutscht fast ununterbrochen Halsbonbons: So viele Interviews hat sie amerikanischen und internationalen Medien mittlerweile gegeben. Sie hofft, dass dies ihrer Antikriegsorganisation, der bisher rund 60 Familien getöteter Soldaten angehören, Auftrieb gibt. Vor allem aber hofft sie, dass die Schlagzeilen, die sie verursacht, den Druck auf Bush erhöhen, ihr „direkt ins Auge zu blicken“.

Bush schickte jüngst zwei hochrangige Beamten an den staubigen Straßenrand, Sicherheitsberater Stephen Hadley und den stellvertretenden Stabschef im Weißen Haus, Joe Hagin. Sie hätten ihr gesagt, dass Bush von der Existenz von Massenvernichtungswaffen ausgegangen und die Welt ohne Saddam Hussein sicherer sei, schilderte Sheehan anschließend. Man habe ihr auch gesagt, dass Bush mit ihr fühle und ihr Leid ihm keineswegs gleichgültig sei. „Aber wenn das so ist, warum lehnt er es dann ab, mit mir zu sprechen?“

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