USA und Deutschland

Schleichende Entfremdung

Irak-Krieg, Terror-Bekämpfung, Datenschutz: Diese Themen belasten laut einer Studie das deutsch-amerikanische Verhältnis. Kleiner Trost: Immerhin halten die meisten Deutschen die USA für verlässlicher als Russland.
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Die USA und die Bundesrepublik verstehen sich nicht immer, schauen aber in die gleiche Richtung. So nimmt das zumindest jeweils die Mehrheit der Bürger in beiden Ländern wahr. Quelle: ap
Angela Merkel und Barack Obama

Die USA und die Bundesrepublik verstehen sich nicht immer, schauen aber in die gleiche Richtung. So nimmt das zumindest jeweils die Mehrheit der Bürger in beiden Ländern wahr.

(Foto: ap)

BerlinWahre Freundschaft zeigt sich in der Not. Das alte Sprichwort kennt man sowohl in Deutschland als auch in Amerika („a friend in need is a friend indeed“). So erweist sich die deutsch-amerikanische Freundschaft nach einer neuen Umfrage des Pew Research Centers und der Bertelsmann Stiftung 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs als solide – und das trotz der Streitigkeiten über die Lauschangriffe des US-Geheimdienstes NSA und das geplanten Freihandelsabkommen TTIP.

Fast drei Viertel der US-Bürger und zwei Drittel der Bundesbürger betrachten den jeweils anderen als zuverlässigen Partner. „Das Ergebnis widerspricht der weitverbreiteten Ansicht, dass sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen in einer Krise befinden“, heißt es in der Studie. Befragt wurden auf beiden Seiten des Atlantiks rund 1000 repräsentativ ausgewählte Bürger.

Nach der guten Nachricht, kommt jedoch ein großes „aber“: Die Autoren warnen nämlich zugleich, dass Amerikaner und Deutsche bei wichtigen Themen immer häufiger Schwierigkeiten haben, einander zu verstehen. „Sollte sich das nicht ändern, könnte das langfristig die Beziehungen zwischen beiden Ländern belasten“, heißt es.

Die Meinungsforscher führen die schleichende Entfremdung vor allem auf die unterschiedliche Haltung im Irak-Krieg, beim Einsatz militärischer Mittel, bei der Bekämpfung des Terrorismus und beim Datenschutz zurück. Auch im Umgang mit Russland zeigen sich deutliche Differenzen: Während eine Mehrheit der Deutschen die gegenwärtigen Sanktionen gegen Moskau in der Ukraine-Krise für ausreichend hält, fordern die Amerikaner mehrheitlich ein härteres Vorgehen.

Wer wusste was im BND-Skandal?
Bundesinnenminister Thomas de Maizière
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Der heutige Bundesinnenminister war von 2005 bis 2009 der Chef des Bundeskanzleramts – und damit auch zuständig für die Geheimdienstkoordination. In seine Amtszeit fällt eine Meldung des BND ans Kanzleramt, derzufolge die NSA Firmen wie EADS und Eurocopter ausspähen lassen wolle. Das Kanzleramt sah damals keinen Anlass, Konsequenzen zu ziehen. Noch im April diesen Jahres hatte de Maizières Innenministerium der Linksfraktion mitgeteilt, keine Erkenntnisse über Wirtschaftsspionage der USA in anderen Ländern zu haben. Die Opposition bezichtigt ihn deshalb der Lüge.+

Ex-BND-Präsident Ernst Uhrlau
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Er war von Ende 2005 bis Dezember 2011 Präsident des BND. Das nun neu zutage getretene umstrittene Gebaren der NSA fällt also auch in die Amtszeit Uhrlaus. Das SPD-Mitglied ist inzwischen freiberuflicher Berater der Deutschen Bank. Ihm die Verantwortung für das mögliche Ausspähen unter anderem europäischer Konzerne zuzuschieben, wäre für weitere Beteiligte eine einfache Lösung.

BND-Chef Gerhard Schindler
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Das gilt im Prinzip auch für Uhrlaus Nachfolger Schindler. Denn das Kanzleramt war offenbar über das Vorgehen der NSA im Bilde, als Schindler 2012 die Führung des BND übernahm. Schindler hat aber nun die Aufgabe, "technische und organisatorische Defizite beim BND" zu beheben - und zwar „unverzüglich“, wie ihn das Kanzleramt aufforderte. Gelingt ihm das nicht, dürfte sich der FDP-Mann einen neuen Job suchen müssen.

Ex-Kanzleramtsminister Frank-Walter Steinmeier
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Der jetzige Außenminister hatte den Posten des Kanzleramtsministers von 1999 bis 2005 unter dem damaligen SPD-Kanzler Gerhard Schröder inne. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA war die Welt eine andere – und der SPD-Politiker Steinmeier war daran beteiligt, die Zusammenarbeit des BND mit den US-Diensten auszubauen.

Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla
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Auf de Maizières Zwischenspiel als Kanzleramtsminister folgte Pofalla. Aus der Amtszeit des CDU-Mannes von 2009 bis Ende 2013 soll eine weitere Meldung des BND zu den NSA-Aktivitäten an das Kanzleramt stammen. Ebenso wie sein Vorgänger veranlasste aber auch der heutige Deutsche-Bahn-Lobbyist Pofalla keine Änderungen. Im Gedächtnis ist er in dem Zusammenhang mit den Enthüllungen um US-Spitzeleien hingegen mit der Aussage aus dem August 2013 geblieben, dass die NSA-Affäre beendet sei.

Kanzleramtschef Peter Altmaier
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Nun ist der aktuelle Kanzleramtschef Altmaier mit der Affäre und ihrer Aufklärung befasst. Der CDU-Politiker und Vertraute der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat das Problem von seinen Vorgängern geerbt. Er muss nun zeigen, dass das Kanzleramt in der Lage ist, Konsequenzen zu ziehen und die Frage zu klären, ob der BND - möglicherweise mit Wissen seiner Kontrolleure im Amtssitz der Kanzlerin - ein Eigenleben führte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel
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Merkel ist die Hausherrin des Kanzleramts - und somit letzten Endes auch verantwortlich für die Kontrolle der Geheimdienste. Während ihre Kanzleramtschefs über die Jahre wechselten, ist sie seit 2005 ununterbrochen im Amt. Die Frage ist, ob die Erkenntnisse über die heutige NSA-BND-Affäre sie jemals erreicht haben.

Dennoch ist für 57 Prozent der Bundesbürger ein gutes Verhältnis zu Amerika wichtiger als ein solches zu Russland. Im vergangenen Jahr wollte noch fast die Hälfte der Deutschen laut einer Umfrage der ARD eine mittlere Position zwischen dem Westen und Russland einnehmen.

Das wechselseitige Misstrauen zeigt sich auch in den Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen. Nur 41 Prozent der Bundesbürger glauben noch, dass TTIP gut für Deutschland wäre. Vor einem Jahr waren es noch 55 Prozent.

Amis fürchten um ihre Jobs, Deutsche um ihre Standards
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9 Kommentare zu "USA und Deutschland: Schleichende Entfremdung"

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  • "Wahre Freundschaft zeigt sich in der Not."

    Wer ist denn in Not?

    Deutsche Politiker haben sich scheinbare Rechte herausgenommen, die ihnen das Grundgesetz, die Verfassung überhaupt nicht übertragen hat.

    Fakt ist, dass deutsche Politiker die rote Linie der Verfassung überschritten. Wenn hier jemand in Not ist, dann sind es die deutschen Politiker und die sind in einer funktionierenden Demokratie nicht zu retten.

    Wenn wir wieder zu einer geglaubten Demokratie zurückkehren wollen, dann muss hart durchgegriffen werden. Aber das ist schwierig, ein heillosen Unterfangen in diesem Sumpf und den Netzwerken.

    Wir sollten uns dem Aufruf von Georg W. Bush anschließen und zum "Kampf gegen den Terror, gegen die Demokratie" aufrufen und die Terroristen aus ihren Ämtern entfernen. Wer da angesprochen ist, lesen wir doch permanent in den Medien. Ein Skandal, dass die sich erlauben, die Themen aussitzen zu wollen.

  • Die schleichende Entfremdung ist voll im Gange!!!
    Laut amerikanischen Regierung ist Deutschland ein „Freund“ 3. Klasse und wird mit Ländern des afrikanischen Kontinents gleichgestellt. Man kann die deutschen Bürger abhören, Kenntnisse der Unternehmen aushorchen (dass BND dabei Unterstützung leistet, ist ein besonderes Vergehen), in Deutschland deren Atomwaffen lagern und Deutschland als Stützpunkt für deren Kriegsverbrechen nutzen. Den nichts anderes ist es, wenn über Deutschland deren Drohnen steuert und Menschen überall auf der Welt tötet!
    So eine Freundschaft braucht man nicht!!!

    Desweiteren zum Autor, eine Umfrage von 1000 Befragten (500 in USA und 500 in Deutschland) gilt statistisch als nicht aussagekräftig! Wenn man die Bürger fragt, wird es sicherlich ganz anders aussehen. HB lasst uns so eine Umfrage starten!?

    Zweitens, um 70% der deutschen Bevölkerung sind GEGEN SANKTIONEN für Russland!!!

    TTIP – man sollte das geplanten Abkommen für alle Menschen frei auf den Tisch legen. Die Bürger sollen entscheiden, ob sie es wollen oder nicht. DENN es bringt gar keinen Mehrwert für Deutschland! Es entstehen keine Arbeitsplätze, unser BIP steigt nicht und auch nichts anderes, was man uns weißmachen will! Wir werden noch viel abhängiger von den Entscheidungen der Amerikanern. Und an der Stelle wiederhole ich noch mal – so eine Freundschaft brauche ich nicht!!!

    Zum Abschluss, die USA sieht für Deutschland nur eine Vasalenrolle. Man fürchtet den Zusammenschluss der beiden Ländern, den das wäre wahrhaftig sinnvoller und in der Welt ein bedeutender und für USA vernichtender Zusammenschluss. Deutschland, mit seinen Ingenieurkenntnissen, Industrie und Russland, mit seinen Rohstoffen. Genau das wurde seitens Putin an Deutschland (Merkel) vorgeschlagen. Manch einer wird sich vielleicht erinnern, man wollte eine Handelszone von Lissabon bis Vladivostok aufbauen. Vielleicht wollen die USA genau das verhindern, indem sie einen Keil zwischen EU und Russland einschlagen wollen!

  • Was sind das für Töne, laut unserer unabhängiger Qualitätspresse ist jeder zweite Deutsche für die Aufnahme mehrerer Flüchtlinge. Ich fürchte nur dass sich dieser zweiter Deutscher sich ziemlich rar gemacht hat. Wahrscheinlich ist er schon ausgewandert aus Begeisterung was ihn demnächst erwartet.

    Macht nix, dafür erscheinen diese "unabhängigen Umfragen" in jedes Tagesblatt damit der Deutsche weiß wo er stehen muss und welche Meinung er zu vertreten hat.

  • Ich komme viel herum, geschäftlich, privat und auch politisch. Ich kenne viele hundert Menschen (mehr oder weniger gut). Aus unterschiedlichsten Bevölkerungsschichten, Deutsche in Ost und West und Menschen mit "Migrationshintergrund". Dabei ist KEIN EINZIGER, der Amerika, bzw. seine Politik gut findet! Diese befragten 1000 werden wohl alle gewesen sein.

  • "Schleichende Entfremdung" Na und ? Sind wir ein unabhängiges Land ? Eine der wichtigsten Wirtschaften der Welt ? Leader in Innovation, Technologie, Bildung, Kultur und Wissenschaft ? Oder eine Kolonie der USA ?

  • Wieder Propaganda gegen Russland, geht auch wie immer nach hinten los, hier behauptet sich wieder mal das Unwort Lügenpresse zurecht.
    Wer heute noch denkt das die USA unser Partner seien und unsere Regierung in deutschem Interesse handeln würde der hat den Knall nicht gehört.
    Liebes Handelsblatt auch wenn es schwer ist, die Menschen lassen sich nicht mehr belügen.

    Wem haben wir eigentlich das ganze Flüchtlingselend zu verdanken? wer hat es zu verantworten und wer trägt die Kosten.
    Die Schiffe welche die Flüchtlinge im Mittelmeer an Bord nehmen sollten diese an der Amerikanischen Küste abladen, dann haben die USA das Ergebniss des Arabischen Frühlings bei sich zuhause sitzen.


  • "Kleiner Trost: Immerhin halten die meisten Deutschen die USA für verlässlicher als Russland."

    1. Herr Riecke, warum schreiben Sie hier Ihre persönliche Meinung nieder? "Kleiner Trost" - Das hat absolut nichts mit freiem, unabhängigem Journalismus zu tun. Sie beziehen IHRE Stellung mit dieser Formulierung und das gehört sich nicht für einen anständigen, ehrlichen Journalisten.

    2. Ich glaube nur der eigenen Statistik die ich selbst gefälscht habe. Und deswegen nehme ich diese Studie nicht ernst.

  • " Immerhin halten die meisten Deutschen die USA für verlässlicher als Russland. " sagen welche meisten Deutschen ? Und verlässlicher in was, noch mehr Interessen der USA zu erpressen ?

    Genauso die "Umfrage" des Deutschlandtrend dass 50% der Deutschen noch mehr Flüchtlinge aufnehmen wollen. Bei T-Online warens dann plötzlich 94% dagegen.

    Diese "Umfragen" und pauschale Aussagen über "die meisten Deutschen" sind doch nur Volksverblödung.

  • Da wo "Bertelsmann Stiftung" drauf steht oder drin steht, kann man sich das Weiterlesen getrost sparen.

    Die "Bertelsmann Stiftung" ist - wie der Name sagt - ein Anhängsel des regierungsnahen Medienkonzerns Bertelsmann und dient dazu, der Merkelschen Desaster-Politik ein wissenschaftliches Kränzchen umzuhängen.

    Von der Seriosität und Unabhängigkeit her genauso einzustufen wie die "Atlantik Brücke", die diversen "American Councils" dort und da und die sonstigen USA / CIA Brainwash Organisationen.

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