USA und Deutschland
Schleichende Entfremdung

Irak-Krieg, Terror-Bekämpfung, Datenschutz: Diese Themen belasten laut einer Studie das deutsch-amerikanische Verhältnis. Kleiner Trost: Immerhin halten die meisten Deutschen die USA für verlässlicher als Russland.
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BerlinWahre Freundschaft zeigt sich in der Not. Das alte Sprichwort kennt man sowohl in Deutschland als auch in Amerika („a friend in need is a friend indeed“). So erweist sich die deutsch-amerikanische Freundschaft nach einer neuen Umfrage des Pew Research Centers und der Bertelsmann Stiftung 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs als solide – und das trotz der Streitigkeiten über die Lauschangriffe des US-Geheimdienstes NSA und das geplanten Freihandelsabkommen TTIP.

Fast drei Viertel der US-Bürger und zwei Drittel der Bundesbürger betrachten den jeweils anderen als zuverlässigen Partner. „Das Ergebnis widerspricht der weitverbreiteten Ansicht, dass sich die deutsch-amerikanischen Beziehungen in einer Krise befinden“, heißt es in der Studie. Befragt wurden auf beiden Seiten des Atlantiks rund 1000 repräsentativ ausgewählte Bürger.

Nach der guten Nachricht, kommt jedoch ein großes „aber“: Die Autoren warnen nämlich zugleich, dass Amerikaner und Deutsche bei wichtigen Themen immer häufiger Schwierigkeiten haben, einander zu verstehen. „Sollte sich das nicht ändern, könnte das langfristig die Beziehungen zwischen beiden Ländern belasten“, heißt es.

Die Meinungsforscher führen die schleichende Entfremdung vor allem auf die unterschiedliche Haltung im Irak-Krieg, beim Einsatz militärischer Mittel, bei der Bekämpfung des Terrorismus und beim Datenschutz zurück. Auch im Umgang mit Russland zeigen sich deutliche Differenzen: Während eine Mehrheit der Deutschen die gegenwärtigen Sanktionen gegen Moskau in der Ukraine-Krise für ausreichend hält, fordern die Amerikaner mehrheitlich ein härteres Vorgehen.

Dennoch ist für 57 Prozent der Bundesbürger ein gutes Verhältnis zu Amerika wichtiger als ein solches zu Russland. Im vergangenen Jahr wollte noch fast die Hälfte der Deutschen laut einer Umfrage der ARD eine mittlere Position zwischen dem Westen und Russland einnehmen.

Das wechselseitige Misstrauen zeigt sich auch in den Verhandlungen über ein transatlantisches Freihandelsabkommen. Nur 41 Prozent der Bundesbürger glauben noch, dass TTIP gut für Deutschland wäre. Vor einem Jahr waren es noch 55 Prozent.

Kommentare zu " USA und Deutschland: Schleichende Entfremdung"

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  • "Wahre Freundschaft zeigt sich in der Not."

    Wer ist denn in Not?

    Deutsche Politiker haben sich scheinbare Rechte herausgenommen, die ihnen das Grundgesetz, die Verfassung überhaupt nicht übertragen hat.

    Fakt ist, dass deutsche Politiker die rote Linie der Verfassung überschritten. Wenn hier jemand in Not ist, dann sind es die deutschen Politiker und die sind in einer funktionierenden Demokratie nicht zu retten.

    Wenn wir wieder zu einer geglaubten Demokratie zurückkehren wollen, dann muss hart durchgegriffen werden. Aber das ist schwierig, ein heillosen Unterfangen in diesem Sumpf und den Netzwerken.

    Wir sollten uns dem Aufruf von Georg W. Bush anschließen und zum "Kampf gegen den Terror, gegen die Demokratie" aufrufen und die Terroristen aus ihren Ämtern entfernen. Wer da angesprochen ist, lesen wir doch permanent in den Medien. Ein Skandal, dass die sich erlauben, die Themen aussitzen zu wollen.

  • Die schleichende Entfremdung ist voll im Gange!!!
    Laut amerikanischen Regierung ist Deutschland ein „Freund“ 3. Klasse und wird mit Ländern des afrikanischen Kontinents gleichgestellt. Man kann die deutschen Bürger abhören, Kenntnisse der Unternehmen aushorchen (dass BND dabei Unterstützung leistet, ist ein besonderes Vergehen), in Deutschland deren Atomwaffen lagern und Deutschland als Stützpunkt für deren Kriegsverbrechen nutzen. Den nichts anderes ist es, wenn über Deutschland deren Drohnen steuert und Menschen überall auf der Welt tötet!
    So eine Freundschaft braucht man nicht!!!

    Desweiteren zum Autor, eine Umfrage von 1000 Befragten (500 in USA und 500 in Deutschland) gilt statistisch als nicht aussagekräftig! Wenn man die Bürger fragt, wird es sicherlich ganz anders aussehen. HB lasst uns so eine Umfrage starten!?

    Zweitens, um 70% der deutschen Bevölkerung sind GEGEN SANKTIONEN für Russland!!!

    TTIP – man sollte das geplanten Abkommen für alle Menschen frei auf den Tisch legen. Die Bürger sollen entscheiden, ob sie es wollen oder nicht. DENN es bringt gar keinen Mehrwert für Deutschland! Es entstehen keine Arbeitsplätze, unser BIP steigt nicht und auch nichts anderes, was man uns weißmachen will! Wir werden noch viel abhängiger von den Entscheidungen der Amerikanern. Und an der Stelle wiederhole ich noch mal – so eine Freundschaft brauche ich nicht!!!

    Zum Abschluss, die USA sieht für Deutschland nur eine Vasalenrolle. Man fürchtet den Zusammenschluss der beiden Ländern, den das wäre wahrhaftig sinnvoller und in der Welt ein bedeutender und für USA vernichtender Zusammenschluss. Deutschland, mit seinen Ingenieurkenntnissen, Industrie und Russland, mit seinen Rohstoffen. Genau das wurde seitens Putin an Deutschland (Merkel) vorgeschlagen. Manch einer wird sich vielleicht erinnern, man wollte eine Handelszone von Lissabon bis Vladivostok aufbauen. Vielleicht wollen die USA genau das verhindern, indem sie einen Keil zwischen EU und Russland einschlagen wollen!

  • Was sind das für Töne, laut unserer unabhängiger Qualitätspresse ist jeder zweite Deutsche für die Aufnahme mehrerer Flüchtlinge. Ich fürchte nur dass sich dieser zweiter Deutscher sich ziemlich rar gemacht hat. Wahrscheinlich ist er schon ausgewandert aus Begeisterung was ihn demnächst erwartet.

    Macht nix, dafür erscheinen diese "unabhängigen Umfragen" in jedes Tagesblatt damit der Deutsche weiß wo er stehen muss und welche Meinung er zu vertreten hat.

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