USA und Frankreich
Spekulationen um Militäreinsatz in Syrien

Nachdem die USA erwägen, in Syrien militärisch einzugreifen, deutet sich auch in Europa ein Umdenken an. In Paris und Berlin wird eine Beteiligung an einem solchen riskanten Einsatz nicht mehr ausgeschlossen.
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BerlinDer außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Stinner, schließt ein militärisches Eingreifen in Syrien nicht aus. Angesichts der Lage in dem Land sei die Diskussion darüber richtig, sagte Stinner im Deutschlandfunk. Sollte sich die internationale Gemeinschaft zu einem solchen Schritt entscheiden, sollte auch Deutschland eine Beteiligung in Betracht ziehen. Hintergrund sind Äußerungen aus Washington und Paris, mehr oder weniger offen fordern, das Regime von Präsidenten Baschar al-Assad notfalls mit Gewalt zur Einhaltung des Friedensplans zu zwingen.

Am Vorabend hatte US-Außenministerin Hillary Clinton nach einem Treffen der Gruppe der „Freunde Syriens“ in Paris das Thema eines eventuellen Militäreinsatzes offen angesprochen. Sie forderte ebenso wie der französische Außenminister Alain Juppé schärfere Sanktionen gegen Syrien.

Laut Juppé will Frankreich bei den Vereinten Nationen die Entsendung einer „robust ausgerüsteten“ Beobachtertruppe für Syrien beantragen. Sie solle etwa 500 Mann umfassen und auch über Helikopter verfügen, erklärte Juppé am Freitag in einem Interview des TV-Nachrichtensenders BFM.

Frankreich liege dabei auf der gleichen Linie wie die USA und würde sich an einer derartigen Mission beteiligen. Ein solcher Einsatz könne dem Friedensplan von Sondervermittler Kofi Annan zum Erfolg verhelfen. Der aussichtsreiche französische Präsidentschaftskandidat François Hollande hatte zuvor bereits signalisiert, dass er bei seiner Wahl einen Militäreinsatz in Syrien unter UN-Führung unterstützen würde.

Hollande gilt in allen Umfragen als Favorit bei der Wahl. Er provozierte mit seinen Äußerungen Kritik von Juppé, der im BFM-Interview betonte: „Das Problem mit François Hollande liegt darin, dass er in Sachen Außenpolitik stets dem fahrenden Zug hinterher läuft; Frankreichs Position ist seit langem bekannt: Wir nehmen an Militäraktionen nur im Rahmen eines Mandats der Vereinten Nationen teil.“ Frankreich stehe bereit, wenn es eine Resolution des Weltsicherheitsrats gebe.

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  • Was wir können: Wir können das Land weiter wirtschaftlich ruinieren, dem Regime die wirtschaftliche Basis nehmen.

    Ansonsten: Also ich fühle mich durch die Berichterstattung manipuliert, weil ich eben auch Herrn Todenhöfer zuhöre und wäge, was er dazu zu sagen hat.

    Im Moment sind wir sehr sehr sehr einseitig informierte Karnickel, mit denen schon wieder das selbe Spiel gespielt wird wie in der Sache Gaddhafi. Uns werden riesengroße Bösewichte aufgebaut, entmenschlichte, hasserfüllte Verbrecher, unsere Wut und Hilflosigkeit wird gezielt gesteigert und die mahnenden Stimmen werden links liegen lassen.

    Halten Sie mich nicht für herzlos. Denken Sie nicht, mir wären die Syrer egal, das sind sie nicht. Aber - steinigen Sie mich - ich habe auch ein Herz für Assad, naja, jedenfalls versuche ich auch seinen Standpunkt zu verstehen und denke, daß man mit dem Mann zu einem Ergebnis hätte kommen können, wenn man _rechtzeitig_ auf die Signale eingegangen wäre. Mittlerweile sehe ich die Chance dazu allerdings als verpasst.

    Das ändert aber nichts daran: Es gibt viele Syrer, die sich selbst nicht so sehen, wie uns das die Propaganda glauben macht und die auch das Recht dazu haben, das so zu sehen.

    Ich befürchte aber, daß am Ende mal wieder die Saat für zukünftiges Unglück ausgebracht ist und die, die jetzt in den Krieg _hetzen_ mal wieder ihre Hände in Unschuld waschen.

    Wir sollten zudem nicht übersehen, daß Nachrichten heute nicht mehr "Information" sind, sie sind emotionelle Dutzendware, "betroffene" Mienen, trauriges Kopfschütteln - aber wer erzählt uns bitteschön, wie die christlichen Bischöfe vor Ort das zB. sehen?

    Werte energieelite, ich befürchte, Sie sind in dieser Sache kein guter Ratgeber - sie sind hier willige Konsumentin einer Propaganda aus dem 19. Jahrhundert, als Missionare aufbrachen, um der Welt das Heil zu bringen - und sie gründlichst ruinierten.

    Sie _fühlen_ sich auf der Seite der "Gerechten".

    Sie sollten lieber _denken_.

  • @energieelite

    "Nein bin ich nicht !"

    Ich habe ja mal eine ähnliche Attacke gegen Sie geritten und Sie haben darauf mit großer Freundlichkeit reagiert, also bemühe ich auch einmal, auf Ihre Gefühle Rücksicht zu nehmen: Nein, sind Sie wahrscheinlich nicht, Sie sind in diesen Dingen nur sehr emotionell und involviert.

    Wenn Sie sich kurz bemühen könnten, einen Schritt zurückzutreten, um vielleicht einen "nüchterneren" Blick auf ein größeres Tableau zu bekommen, dann wird Ihnen vielleicht auch bewusst, wofür Sie da plädieren und vor allem - wo das hinführen wird.

    Wir _dürfen_ das nicht. Wenn wir anfangen, in jedes Land einzumarschieren, in dem wir Unrecht erkennen, Gewalt und Tod ... dann haben wir nicht nur für die nächsten 50 Jahre viel zu tun, wir begeben uns selbst zudem in "höchste Gefahr". Nicht die, daß dann irgendwann die Gewalt zu uns zurückkehrt - diese Lektion sollten eigentlich alle nach Nine-Eleven verstanden haben - nein, daß wir zunehmend zum Opfer von raffinierten Propagandisten werden, uns für jedes noch so schäbige Ansinnen "instrumentalisieren" lassen und uns, die wir dann die Bomben werfen, zu allem Überfluss auch noch als die "Guten" den selbstgefälligen Bauch kraulen.

    Mir kam schon das kalte K*tzen, als DubYa die "Menschenrechte" mißbrauchte, um ein Land zu verwüsten, das sein Vater so klug sich selbst überließ (Sie wissen: ich war _für_ das, was der Senior tat, das was der Junior gemacht hat, hat mehr mit Hitler zu tun, als Grass das je schaffen könnte)

    Wir _dürfen_ das nicht. Würden wir in einer Welt leben, in der wir alle der UNO unsere Souveränität übertragen haben und von einer Weltregierung regiert würden, die Regeln für einen "Polizeieinsatz" festgezurrt, dann "könnten" wir.

    Gerade aus dem Beispiel Gaddhafi sollten doch alle gelernt haben. Sarko & Cameron wollen Krieg spielen und machen das dann mit dem Ergebnis, daß heute dort zT. schlimmere Verbrecher unterwegs sind und wir befürchten müssen, dass das Land zerfällt.

  • @Redaktion

    Danke und alle Achtung, daß Sie meinen Einwand bezüglich des Titels überdacht und ihn geändert haben, sodaßaus

    "Militäreinsatz in Syrien rückt näher"


    die

    "Spekulationen um Militäreinsatz in Syrien"

    wurde, was der Sachlage angemessener ist.


    Eine kriegerische Eskalation sollte in niemandes Interesse
    sein und auch nicht verbal bevördert werden.

    Die Meldungen der wenigen Agenturen, die inzwischen meist als Grundlage der Berichterstattung dienen und mangels eigener Erkenntnisse übernommen werden, sollten, da oft interessengelenkt,immer mit Vorsicht und Zurückhaltung
    behandelt werden.
    Sonst entsteht nämlich ständig das,was vielerseits beklagt wird:
    der aufoktruierte Mainstream gleichgeschalteter Nachrichten.

    Nochmals danke und Gruß

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