USA und Russland
Hatten Trump-Mitarbeiter Kontakt zu Spionen?

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Glaubwürdigkeit der Trump-Regierung hat arg gelitten

Erst in der Nacht zu Dienstag hatte Trumps Sicherheitsberater Michael Flynn seinen Posten im Weißen Haus räumen müssen. Die Regierung sprach von einer „Erosion des Vertrauens“ des Präsidenten in Flynn. Zuvor hatte dieser entgegen seiner ursprünglichen Darstellung eingeräumt, vor dem Amtsantritt der neuen Regierungen mit dem russischen Botschafter in den USA über die Möglichkeit von Sanktionslockerungen gesprochen zu haben.

Trump selbst soll schon am sechsten Tag seiner Präsidentschaft erfahren haben, dass Sicherheitsberater Flynn Vizepräsident Pence falsch informiert hatte. Trump habe seinen Stellvertreter darüber im Unklaren gelassen und drei Wochen bis zur Entlassung seines Vertrauten Flynn gewartet, sagten Vertreter des Weißen Hauses am Dienstag. Es habe einen allmählichen Vertrauensverlust zwischen Trump und Flynn gegeben.

Aus Sicht des Weißen Hauses liegt Flynns Fehler nicht dabei, dass er vor der Amtseinführung des US-Präsidenten Donald Trump über die noch von seinem Vorgänger Barack Obama verhängten Sanktionen gegen Russland sprach. Sondern der Fakt, dass er dies wochenlang leugnete und Mike Pence und andere Trump-Berater nicht vollständig über seine Gespräche aufklärte.

Bislang wollen die Republikaner keine Untersuchungskommission zu Flynns Verhalten einsetzen. Doch das könnte sich jetzt womöglich ändern.

Donald Trump indes scheint sich bereits auf die neue Situation einzustellen. Nachdem er sich vor und nach der Wahl nur in höchsten Tönen über die politischen Fähigkeiten von Wladimir Putin geäußert hatte, kamen am Dienstag rauere Töne, die Trumps harte Haltung und Unbestechlichkeit gegen Russland dokumentieren sollen. „Präsident Trump erwartet von Russland deeskalierend einzuwirken“, erklärte sein Sprecher Sean Spicer am Dienstag. Außerdem erwarte Trump, dass die Krim an die Ukraine zurückgegeben werde.

Das ist eine Kehrtwende im neuen amerikanisch-russischen Tauwetter. Putin hatte zuvor noch ostentativ auf Gegenmaßnahmen verzichtet, als noch unter Präsident Barack Obama russische Diplomaten ausgewiesen worden waren. Man wolle auf Trump warten, so die Begründung.

In Russland richtet man sich nun ebenfalls auf neue Zeiten ein. Nach dem Abgang von Flynn konzentrieren sich jetzt alle Hoffnungen auf den neuen Außenminister Rex Tillerson. Der ehemalige Vorstandschef des Ölgiganten Exxon hat jahrzehntelange gute Beziehungen in höchste russische Kreise und bereits riesige Geschäfte mit Russland abgewickelt. Tillerson wird sich jetzt kurzfristig mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow treffen. Doch auch der ehemalige Öl-Manager muss vorsichtig sein. Seine exzellenten Verbindungen in den Kreml hatten schon bei seiner Amtsübernahme viele Kritiker auf den Plan gerufen – auch in der eigenen Partei.

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Moritz Koch ist USA-Korrespondent.
Moritz Koch
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Kommentare zu " USA und Russland: Hatten Trump-Mitarbeiter Kontakt zu Spionen?"

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  • "Am nächsten Krieg wird z.Zt. mächtig gearbeitet !!"

    Ja, Herr Berger, eigentlich hofften wir auf Entspannung, aber wenn die Geheimdienste und sonstige subversive Kräfte die Arbeit unterminieren, wird es schwierig.
    Die Maidan-Aufhetzer sterben leider nicht aus.

  • Meine Güte, wie lange dauert es eigentlich noch, bis der Mann endlich aus dem Amt geworfen wird? So langsam reichts wirklich. Nach dem G20 Treffen sollte spätestens Schluß sein.

  • @Helmut Metz
    Der Rücktritt von Flynn ist nur vordergründig ein Rückschlag für Trump aber im Hintergrund werden die Kontakte und Beziehung weiter aufrecht gehalten. Trump und sein Team müssen sich in Zukunft besser abschirmen und vorsichtiger sich verhalten. Trump ist eher über die Unvorsichtigkeit/Nachlässigkeit von Flynn enttäuscht.

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