USA und Vietnam Schulterschluss gegen China

Einst Kriegsgegner, nun Verbündete. Obama schärft mit dem Besuch des Generalsekretärs der kommunistischen Partei Vietnams die Rolle der demokratischen Partei als außenpolitischer Wegbereiter der USA.
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US-Präsident Barack Obama (2. von rechts) und der Generalsekretär der kommunistischen Partei Vietnams, Nguyen Phu Trong, schütTeln sich die Hände nach Gesprächen im Oval Office. Quelle: Reuters
Obama und Trong

US-Präsident Barack Obama (2. von rechts) und der Generalsekretär der kommunistischen Partei Vietnams, Nguyen Phu Trong, schütTeln sich die Hände nach Gesprächen im Oval Office.

(Foto: Reuters)

San FranciscoEs ist der neue gemeinsamer Gegner, der die früheren Feinde zusammenschweißt: China. Der Generalsekretär der kommunistischen Partei Vietnams besuchte am Dienstag das Weiße Haus und traf US-Präsident Barack Obama. Später traf Nguyen Phu Trong, der insgeheim mächtigste Mann des Landes, der jedoch keinen Regierungsposten innehat, noch Vizepräsident Joe Biden. Am heutigen Mittwoch wird er vor der US-Handelskammer sprechen. Auf dem Tagesplan stehen im Oval Office das pazifische Freihandelsabkommen, Menschenrechte, Religionsfreiheit und der Konflikt mit China.

Seit zwanzig Jahren haben die USA und Vietnam, die sich bis 1975 im blutigsten Krieg seit Ende des zweiten Weltkriegs gegenüberstanden, wieder offizielle Beziehungen miteinander. Vordergründig gab es das zu feiern. Doch die Bedeutung des Treffens ist nicht nur gesellschaftlich, sondern auch historisch vor dem Hintergrund des schwelenden Konflikts Vietnams mit der erstarkten Volksrepublik China zu sehen. Beide Länder erheben Anspruch auf ein Seegebiet mit einer kleinen Inselgruppe im Südchinesischen Meer. China hat eine Bohrinsel in Gewässern geparkt, die Vietnam beansprucht. Chinesische Kriegsschiffe drängen Schiffe anderer Nationen ab.

Vietnam kann alleine keine Konfrontation mit dem einstigen Verbündeten riskieren und setzt mittlerweile viele Hoffnungen auf die politische und militärische Abschreckungskraft der USA. Seit einem kurzen Grenzkrieg mit China in 1979 sind die Beziehungen der beiden asiatischen Länder angespannt. Vor seiner Reise erklärte Trong bereit, er hoffe, die USA würden „weiterhin mit angemessener Stimme und angemessenen Handlungen“ zu friedlichen Konfliktlösungen in Asien beitragen. Nach dem Treffen am Dienstag erklärte Obama, die Differenzen im südchinesischen Meer müssten „in Übereinstimmung mit internationalen Gesetzen“ gelöst werden. Ohne China namentlich zu nennen, zeigte er Verständnis für Bedenken des Landes, „jüngste Aktivitäten“ in diesem Gebiet machten „die Lage nur komplizierter“.

Obama schärft mit dem Treffen die Rolle der demokratischen Partei als außenpolitischer Wegbereiter der USA. Vor zwanzig Jahren hatte der damalige Präsident Bill Clinton das Eis mit dem Kriegsgegner Vietnam gebrochen. Obama hat erst vor wenigen Monaten das Ende der Blockade Kubas angekündigt. Beide Staaten werden noch diesen Monat wieder gegenseitige Botschaften eröffnen. „Vor zwanzig Jahren hätte niemand es für mögliche gehalten, dass es zu diesem Treffen kommen könnte“, so Trong auf der gemeinsamen Pressekonferenz.

Auch heute noch ist es für viele Amerikaner schwer, dieses Treffen zu akzeptieren. Der Vietnamkrieg hat die USA gespalten, fast 60.000 amerikanische Soldaten sind gefallen, Hundertausende Tote gab es auf Seiten der Vietnamesen, in Laos und Kambodscha. Barack Obama, geboren 1961, war noch ein Teenager, als dieser Krieg endete. Er ist der erste Präsident der USA, der nicht politisch mit der Bürde des Vietnamkriegs belastet ist. Anders ist es bei Politikern wie etwa dem Senator John McCain, der in vietnamesischer Kriegsgefangenschaft saß. Doch auch hier überwiegt mittlerweile Pragmatismus und der Wille nach vorne zu schauen. Der republikanische Senator erklärte am Dienstag, er heiße Trong „herzlich willkommen“, Vietnam sei ein „wichtiger Partner“, mit dem „die USA strategische und wirtschaftliche Interessen“ teile.

Seit 1995 ist das Handelsvolumen der beiden Staaten von 500 Millionen Dollar pro Jahr auf über 30 Milliarden Dollar gestiegen. Mit dem Freihandelsabkommen, das die USA mit elf asiatischen Staaten abschließen wollen, soll das nun weiter gesteigert werden. Doch dafür müsste das kommunistisch regierte Land bedeutende Änderungen akzeptieren. Darunter sind ein Verbot der Kinderarbeit, eine allgemeine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Zulassung von Gewerkschaften in den Unternehmen. Außerdem müsste die Rolle des Staates in der Wirtschaft völlig neu überdacht werden. Bisher sieht es aber nicht danach aus, dass die Partei in wichtigen Schlüsselpunkten nachgeben will. Deshalb stieß der Besuch in Washington vor allen bei Menschenrechtsorganisationen auf harsche Kritik. Auch führende Politiker aus Obamas eigener Partei betonen, dass sie kein Freihandelsabkommen mit Vietnam billigen werden, bei dem es keine Fortschritte bei Menschenrechten und Arbeitsbedingungen gebe.

Doch die neue Weltmacht China mischt alle Karten neu und ein kommunistischer Parteiführer spricht vor der US-Handelskammer, dem Hort des Kapitalismus. Vietnamveteran John McCain sieht auch schon, wie man die Führung in Hanoi zum Einlenken bewegen könnte. Er befürworte eine Aufhebung des Waffenembargos gegen den früheren Feind. Vor allem Kriegswaffen, die es „den vietnamesischen Truppen ermöglichen effektiver über und auf ihren Gewässern zu agieren“ müssten geliefert werden können. Als Gegenleistung müsse es halt nicht nur Geld, sondern auch Reformen geben.

Wahnsinn auf zwei Rädern
Bikes of Burden
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Jahrelang war Hans Kemp als Weltenbummler in Asien unterwegs. Was er mitgebracht hat, sind jede Menge Fotos von vollgepackten Lastenmopeds in Vietnam. In Ahnlehnung an „Beast of Burden“, übersetzt etwa Lastentier oder Packesel, hat der Fotograf sein Buch „Bikes of Burden“ genannt. Das Ergebnis ist Kemps Kultbuch für Mopedfans und Asienreisende.

Bikes of Burden
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In keinem anderen Land der Welt gibt es so viele Mopeds pro Kopf wie in Vietnam. Und nur in wenigen Ländern so wenige Autos. Waren, Produkte, Lebensmittel und Tiere gelangen mit Motorrädern zu den Märkten. Auch wenn die Zahl der Autos auch in Vietnam innerhalb der Jahre langsam angestiegen ist, so ist es für einen Großteil der vietnamesischen Bevölkerung doch zu teuer. Also bleiben sie bei ihren zweirädrigen Lasteseln, auf denen offenbar auch eine fünfköpfige Familie Platz findet.

Bikes of Burden
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Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg: Wenn das eigene Fahrgestell weder Kofferraum noch eine wegklappbare Rücksitzbank hat, werden die - wie auf diesem Bild zu sehen - eben einfach ein Dutzend Hoolahoops um den Bauch geschnallt. An Einfallsreichtum mangelt es den asiatischen Mopedfahrern nicht - und das macht Vietnams Straßen zu einem wahren Kabinett der Kuriositäten.

Bikes of Burden
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Auch Hundetrainer holen ihre tierischen Kunden mit dem Moped ab und bringen sie auf ihrem Zweirad in die Hundeschule. Sind die Tiere allerdings in kleine Käfige eingepfercht, kann man davon ausgehen, dass sie für den Kochtopf bestimmt sind. In vielen Teilen Nordvietnams gilt Hundefleisch als Delikatesse.

Bikes of Burden
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Gut gepackt ist halb gewonnen: Auch die Händler bringen ihre Waren mit dem Moped an Ort und Stelle. Egal, wie viel es auch sein mag - unmöglich ist es erst, wenn das Vehikel den Geist aufgibt.

Bikes of Burden
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Viele vietnamesische Familien halten Haustiere, wie zum Beispiel Goldfische. Auch die müssen irgendwie zu ihrem Verkaufsstand gelangen - und wie, wenn nicht mit dem Moped?

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Von wegen Schwein gehabt: diese armen Ferkel haben sicherlich keine glückliche Zukunft vor sich. Aber auch die Vergangenheit dürfte für die Tiere eher so unerfreulich wie die hier abgebildete Gegenwart sein.

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