USA
Unternehmerwut wächst: So nicht, Mr. President!

US-Präsident Barack Obama enteignet Autohändler, erhöht Steuern und düpiert Gläubiger: Viele US-Unternehmer protestieren gegen den Linksruck, der mit seiner Politik ihrer Meinung nach einhergeht.

LINDENHURST. Lindenhurst steht für die Verheißung auf ein Leben im Obergeschoss des amerikanischen Traums. Wer hier wohnen darf, hat es verdient, hat hart gearbeitet, ist Risiken eingegangen und hat dabei oft gewonnen. Aber, so fürchten manche hier, dieses Gesetz gilt bald nicht mehr, und schuld daran ist Barack Obama.

Das Städtchen Lindenhurst liegt direkt am Atlantik, hoch ragen Lindenbäume vor weißen Eigenheimen empor. Hier auf Long Island, der Insel gegenüber von Manhattan, fallen die Autos schon deshalb oft größer aus, weil Kajaks und Surfbretter aufs Dach oder allerlei Strandzubehör in den Kofferraum passen müssen. "Freiheit gibt es nicht umsonst", mahnt der Aufkleber auf dem Jeep Wrangler, der gerade, das Verdeck versenkt, Richtung Montauk rollt, dem Badeort an der Ostspitze Long Islands entgegen.

Ein Weißkopfseeadler, Amerikas Wappentier, ziert den Reservereifen des Jeeps. Darunter wirbt der Autohändler mit seiner Adresse um Kunden: Island Jeep, 1 East Montauk Highway, Lindenhurst, NY.

James Anderer ist der Inhaber von Island Jeep. 22 Jahre lang hat er den Traum von der unternehmerischen Freiheit gelebt, indem er den Traum von der automobilen Freiheit zehntausendfach verkaufte. Mit verschränkten Armen blickt Anderer über den leeren Parkplatz vor seinem Laden, die Sonne lässt seine roten Haare wie ein Feuer leuchten, drinnen im Showroom steht noch ein einziger Wagen. Ans Fenster hat er ein Plakat geklebt: "Bleiben Sie bei uns, wir kennen Ihr Auto am besten!" Aber es ist zu spät. Island Jeep stirbt. Wegen Präsident Obamas wirtschaftsfeindlicher Politik, findet Anderer.

Unternehmer Anderer erkennt sein Amerika nicht mehr wieder

Staatskonzern America Inc.: Die US-Regierung hat sich in der Krise die Macht über Banken und andere Konzerne gesichert. Sie entscheidet, wer wem Konkurrenz machen darf und wer nicht, welcher Gläubiger Geld bekommt und welcher nicht, welcher Unternehmer vor der Pleite gerettet wird und wer nicht. Aus der freien Marktwirtschaft wird eine gefangene, in der Unternehmer immer öfter die Dummen sind. Die Wut in "Corporate America" wächst. Barack Obamas Linksruck bedroht Amerikas Gesellschaftsmodell.

Die Kleiderwahl verrät Jim Anderers Wandel vom Millionär zum Protestler. Er empfängt in Hawaiihemd und Jeans statt mit Sakko und Schlips, Kunden kommen ja doch keine mehr. Seine ganze Karriere hat er dem Autogeschäft geweiht, seit 1987 verkauft er Jeeps, "die Kronjuwelen" von Chrysler, wie er sagt. Während der Konzern im fernen Detroit Milliarden verbrannte, pflegte Anderer, 57, seine Unabhängigkeit und genoss die Karriere eines tüchtigen Mittelständlers: Gemeinsam mit einem Partner schuf er sich eine Basis von 15000 loyalen Kunden: "Manchen von ihnen habe ich sieben, acht Stück verkauft", sagt er.

Viele seiner Jeeps sah Anderer am Wochenende wieder, gleich um die Ecke am Jones Beach. Dessen kilometerlanger Sandstrand samt der 25000 Parkplätze liegt nur ein paar Meilen die Straße runter von Island Jeep. Auch aus den benachbarten Hamptons, dem Refugium reicher New Yorker, kommen viele seiner Kunden. - Genauer: Sie kamen.

Am 14. Mai 2009, einem Donnerstag, erkennt Unternehmer Anderer sein Amerika plötzlich nicht mehr wieder. Chrysler, den Pleitekonzern, hält Präsident Obama mit Steuermilliarden am Leben. Island Jeep, die Firma, die - wie der Inhaber schwört - niemals Verluste schrieb, soll sterben. So steht es in dem Brief, den Anderer an jenem Tag bekommt. Per UPS, direkt aus der Chrysler-Zentrale. Der Chef fingert das Papier aus der Schublade, und in seine Mundwinkel nistet sich Ekel ein, der Ekel über einen Verrat. "Marktkräfte jenseits der Kontrolle von Händlern und der Old Car Co.", der Insolvenzgesellschaft von Chrysler, hätten zu der Entscheidung geführt, den Vertrag mit Island Jeep aufzulösen, steht da. Jim Anderers Firma ist am Ende.

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