US–Präsident besucht Kenia
Land Obamas, Land des Terrors

Keine 48 Stunden hielt sich Barack Obama im Heimatland seines Vaters auf. Kenia feiert ihn wie einen Star. Doch Obama sah sich vor allem mit den Schattenseiten des Landes konfrontiert: Terror zerstört alles Wachstum.
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KapstadtAls Barack Obama 1987 als 26-Jähriger zum ersten Mal in die Heimat seines Vaters nach Kenia kam, hätte er in seinen kühnsten Träume wohl nie daran gedacht, eines Tages bei der Ankunft dort wie ein Superstar gefeiert zu werden. Im verbeulten VW–Käfer hatte ihn damals eine Tante auf dem Flughafen von Nairobi abgeholt – und in die heruntergekommene Hauptstadt gefahren. Dort hatte Obama bei einer Halbschwester seines Vaters auf einem  Wohnzimmer-Sofa geschlafen, die weitverzweigte  Verwandtschaft besucht und schließlich in Kogelo das Grab seines Vaters aufgesucht, der 1982 bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war –  und ihm ein Leben lang fremd blieb.

Dies lag vor allem daran, dass sich der Vater schon kurz nach der  Geburt des Sohnes 1961 auf Hawaii von der Mutter, einer weißen Studentin aus Kansas,  getrennt hatte, die Obama jahrelang allein großzog.  Die Sehnsucht des Sohnes, eines Tages in die Heimat des fernen Vaters zu reisen, blieb davon dennoch unberührt, schreibt Obama in einem von zwei Büchern über seine Suche nach der eigenen Identität.

Umso mehr dürfte es Obama auch bedauern, dass der Kontakt mit dem Land seiner Sehnsucht und dessen Menschen ausgerechnet jetzt, wo er Kenia zum ersten Mal als Präsident der USA bereist, aus Sorge um seine Sicherheit so kurz und unpersönlich verlief.  Selbst der Geburtsort des Vaters und dessen Grab wurden diesmal aus Sicherheitsgründen ausgespart. Und anders als bei den drei vorherigen Besuchen war es diesmal der Verwandtschaft vorbehalten, von Kogelo nach Nairobi zu kommen, wo Obama am späten Freitag, unmittelbar nach seiner der Ankunft von einem 17-stündigen Flug, ein gemeinsames Abendessen gab.

Es dauerte deshalb auch bis zum heutigen Sonntag, wenige Stunden vor seinem Weiterflug ins benachbarte Äthiopien, ehe sich Obama in einer mit Spannung erwarteten Rede in einem Sportstadion erstmals direkt an das kenianische Volk wendete. Wie bereits in seinen Gesprächen mit Präsident Uhuru Kenyatta, einem Sohn des kenianischen Staatsgründers Yomo Kenyatta, drehte sich Rede dabei vor allem um die stark angespannte Sicherheitslage im Land – ein Thema, das die Kenianer nach einer Reihe von Anschlägen wie nichts anderes bewegt.

Gerade die vermeintliche Wirtschaftslokomotive Kenia,  Afrikas viertgrößte Volkswirtschaft nach Nigeria ,Südafrika und Angola, ist in den vergangenen Jahren jedenfalls immer mehr unter den Druck des islamistischen Terrors geraten, der hier vor allem von der in Somalia ansässigen Islamistenmiliz al–Shabaab ausgeht. In  Erinnerung geblieben sind  vielen Kenianern vor allem zwei Anschläge: zum einen jener auf das (erst in der vergangenen Woche wieder eröffnete) Westgate Einkaufszentrum in Nairobi, bei dem  vor zwei Jahren 67 Menschen starben.

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