Vabanquespiel in Syrien
Was sich Putin vom Militär-Einsatz erhofft

Mit den Luftangriffen nahe Homs hat sich Wladimir Putin in den Syrien-Konflikt manövriert. Ein zweites Afghanistan ist tabu. Was Putin mit dem Einsatz bezweckt. Und wie der Rückhalt der Bevölkerung schwinden könnte.

MoskauDie russisch-orthodoxe Kirche gibt ihren Segen: Der Kreml habe den Militäreinsatz befohlen, „um das syrische Volk vor dem Elend zu schützen, das ihnen die Willkür der Terroristen gebracht hat. Wir verbinden mit dieser Entscheidung das Nahen von Frieden und Gerechtigkeit“, erklärte der Moskauer Patriarch Kyrill.

Jahrhundertelang hat sich die russische Orthodoxie als Staatskirche verstanden und stets alle Entscheidungen des Kremls begrüßt. Trotzdem ist der ausdrückliche Zuspruch des Kirchenoberhaupts für die russische Führung wichtig, hat doch die Geistlichkeit 25 Jahre nach Zusammenbruch der atheistischen Sowjetunion in der öffentlichen Meinung wieder ein gewaltiges Gewicht.

Der Krieg soll das Image Putins weiter heben und nach Ansicht des Moskauer Politologen Fjodor Lukjanow tut er das derzeit auch noch. „Die Mehrheit begrüßt die Angriffe“, sagte er dem Handelsblatt. Damit demonstriere Russland einerseits Stärke auf der internationalen Bühne, andererseits Bündnistreue gegenüber dem langjährigen Partner Baschar al-Assad. Russland müsse allerdings aufpassen, sich nicht in ein langes und zermürbendes Abenteuer einzulassen, warnt er.

Der Kreml müht sich sichtlich, keine Parallelen zum Afghanistan-Krieg aufkommen zu lassen. Die zehnjährige Intervention war aufreibend und verlustreich. Am Ende wirkte sie politisch zersetzend. Diesmal betonte Putin daher bereits am ersten Tag, dass sich die russischen Militäraktivitäten in Syrien rein auf Luftangriffe beschränken werden.

Auch nach Afghanistan und dem Zerfall der Sowjetunion war Moskau in zahlreiche Konflikte verwickelt. Doch diese spielten sich entlang der eigenen Peripherie ab. Im ersten Tschetschenienkrieg – vom damaligen Präsidenten Boris Jelzin auch gestartet, um sein Image zu verbessern – ging es darum, den weiteren Zerfall des Landes zu stoppen. Der Krieg endete in einem blutigen Desaster. Für mehrere Jahre hatte Moskau die Kontrolle über Grosny verloren.

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Putin hofft auf einen unblutigen Sieg

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