Vaclav Klaus im Interview
„Wenn ich Deutscher wäre, wäre ich in der AfD“

Der frühere tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus sieht Europa in der Sackgasse. Er wirbt für Umkehr und schlägt sich auf die Seite derjenigen, die den Euro in Frage stellen. Wie sieht die Alternative für Europa aus?
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MünchenEr ist einer, der vieles anders gemacht hat, der oft eine andere Meinung vertreten hat. Vaclav Klaus scheut auch nach dem Ende seiner politischen Laufbahn keine offenen Worte. Das hat er bei der Jahresauftaktveranstaltung der Münchener DAB Bank wieder einmal bewiesen. Die anwesenden Vermögensverwalter, die auch für ihre Leistung beim Depot-Contest geehrt wurden, lauschten gespannt, wie der ehemalige tschechische Ministerpräsident die Ukraine-Krise und die Politik der EZB bewertet.

Herr Klaus, was treibt Sie als Staatsmann derzeit mehr um: die Ukraine-Krise oder der Umgang mit Griechenland und dem Euro?
Klaus: Die Griechen gehören nicht in die Euro-Zone. Das wissen wir alle. Die Griechen dazu zu zwingen, in der Euro-Zone zu bleiben – das ist eine Tragödie! Das sichtbarste Problem in Europa ist die Währungsunion. Sie hat auch nach 15 Jahren nicht den positiven Effekt geliefert, den die Politiker und die Menschen zu Recht oder zu Unrecht erwartet haben. Das ist alles eine sehr, sehr gefährliche Entwicklung und eine große Bedrohung für die europäische Freiheit und die europäische Prosperität. Die wirtschaftliche Stagnation ist ein selbst gemachtes Problem. Wir sind definitiv nicht am Ende der Euro-Krise, sondern sie wird noch sehr lange weitergehen. Das ist kein Zyklus wie in Lehrbüchern, der irgendwann fast schon zwangsläufig endet.

Machen uns also die Euro-Politiker etwas vor?
Die heutigen Politiker haben keinen Mut, keine Ideen – sie sind nur auf ihre privaten Interessen bedacht. Sie versuchen die ganze Zeit, sich in ihren hohen politischen Positionen zu manifestieren. Sie gehen immer weiter in die falsche Richtung. Sie marschieren in eine Sackgasse. Aus einer Sackgasse gibt es nur einen Weg hinaus, und das ist der Weg zurück. Eine radikale Wende ich nötig, fast schon eine Revolution – eine friedliche hoffentlich.

Beziehen Sie Angela Merkel in Ihre Kritik ein?
Diese Frage möchte ich lieber nicht beantworten. Ich möchte keine Schlagzeile riskieren. Ich bin noch nicht lange genug aus der Politik heraus, um solche Fragen zu beantworten. Vielleicht in 20 Jahren (lacht). Aber Tatsache ist, dass Europa trotz sich verschlechternder Wirtschaftsdaten, trotz immer mehr Frustration in der Bevölkerung und trotz der Vertiefung des demokratischen Defizits in der EU weiter in die falsche Richtung marschiert.

Wenn Sie in Europa den Weg zurück propagieren – meinen Sie den Weg zurück zu den Nationalstaaten?
Verstehen Sie mich nicht falsch, ich bin für Integration. Es ist nur viel falsch gelaufen. Wir müssten 20 Jahre zurück gehen, zurück zu Maastricht.

Also in die Vor-Euro-Zeit. Würden Sie heute Ihr Geld in Euro anlegen?
Als armer Politiker habe ich kein Verhältnis zu Geld. Ich habe mich nie mit meinem eigenen Geld beschäftigt. Aber ich habe mich natürlich theoretisch und politisch damit beschäftigt. Meine Dissertation habe ich seinerzeit über Geld und Inflation geschrieben. Der Euro, der Meinung war ich schon damals, ist ein tragischer Fehler.

Aber Mario Draghi rettet ihn doch ständig. Was halten Sie von Draghi?
Er ist wahrscheinlich ein guter Banker, aber ich bin kein Keynesianer, keiner der auf Angebotstheorien setzt. Das Anleihekaufprogramm kann ich nicht unterstützen.

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„Man muss mit Putin verhandeln, verhandeln, verhandeln“

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  • Glauben heißt nicht Wissen!
    bei der Vermittlung gänzlich Unterdrückter/Verheimlichter
    „Inhalte des Landes/Bürgers Sein“
    sind der unterschiedliche Wissenstand/Kenntnisstand – die Problematik der Vermittlung -- welches Maß an Grundlagen sind vorhanden?
    hier:
    >>homment.com/StatusQuo<<


    Suizid der Freiheit! ?
    hier:
    >>homment.com/Suizid_der_Freiheit<
    <


    ES hilft nicht weg zu laufen oder die Augen zu verschließen, den Kopf in den Sand zu stecken - der Bürger, WIR alle haben es in der Hand zu verändern.
    WIR müssen endlich damit beginnen!

  • So ein Vorsitzender, wird immer jemanden als Stellvertreter benennen, der ihm nicht gefährlich werden kann, ihm seinen Job streitig machen kann und das geht runter so verteilt bis in unwichtigste Positionen.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Wissen Sie was, verehrte bürste, nur wenige können sich erlauben , die Vorstellung zu pflegen in einer völlig anderen Matrix zu leben als der von der sie glauben es sei die reale.

    Vielleicht haben Sie ja recht und wir sind alle Sternenstaub und stammen eigentlich vom Mars oder sind Buddhisten, die schon längst ins nirvana eingegangen sind und nur träumen, sie führen hier eine Existenz als Mitteleuropäer in einem bestimmten Abschnitt der planetarischen Geschichte.

    Wer kann das schon wissen? ich nicht. lol

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