Valls kandidiert in Frankreich
Der Machthungrige will in den Elysée-Palast

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Warme Worte für Präsident Hollande

In seiner sorgfältig austarierten Rede fand Valls zu Anfang auch viele warme Worte für Präsident Hollande, der nicht mehr antritt: „Ich empfinde Zuneigung zu ihm und großen Stolz, an seiner Seite diese immense, intensive Arbeit für den Schutz der Franzosen, für essentielle Reformen, für Wettbewerbsfähigkeit und für die Bewahrung unseres Sozialmodells geleistet zu haben.“

In den letzten Tagen hatten mehrere Medien aus angeblichen Hintergrundgesprächen mit Valls zitiert: „Ich habe keinen Respekt für Hollande und ich ertrage ihn nicht mehr.“ Ohne die Anhänger Hollandes in der Sozialistischen Partei wird Valls allerdings die Vorwahl nicht gewinnen können, deshalb geht er nun wieder auf den Präsidenten zu, den er mit der Drohung seiner eigenen Kandidatur indirekt zum Verzicht gezwungen hat.

Ein Programm stellte Valls noch nicht vor, nur ein paar Leitgedanken: Die „breiten Volksschichten und Arbeiter sollen ihre Würde wiederfinden“; das „europäische Projekt neugründen“ sei ihm ein Anliegen, er wolle „dem China von Xi Jinping, dem Russland von Wladimir Putin und der Türkei von Recep Erdogan ein starkes Europa entgegenstellen“. Grüne Wirtschaft, Digitale Wirtschaft, Energiewende sind weitere Stichworte, die er erwähnte.

Ähnlich wie Gerd Schröder im Wahlkampf 2002 stichelt Valls den Widerstandswillen der Linken gegen die Darstellung an, die Wahl sei bereits entschieden: „Man sagt, die extreme Rechte komme sicher in die Stichwahl, aber nichts geschrieben, die Linke könne sich nicht sammeln, aber nichts steht geschrieben, Fillon sei schon der nächste Präsident, aber nichts steht geschrieben, unsere Leben sind mehr wert als Prognosen, ich will die Linke zum Sieg führen, gebt mir diese Kraft.“

Valls kann leidenschaftlich auftreten und er kann Pathos. Er beschwor die Kraft des französischen Volkes, den „französischen Geist“, der unbändig und rebellisch sei. Doch am Montag überdrehte er teilweise. Er versuchte, seine Botschaft noch einmal in ein griffiges Bild zu packen: „Der Erfolg misst sich nicht an der Größe eines Bankkontos, sondern am Strahlen in den Augen der Menschen, ich will, dass alle dieses Strahlen wiederfinden.“

Rau verlor übrigens die „Versöhnen statt spalten“-Wahl, allerdings mit einem Ergebnis, von dem die Volksparteien heute träumen: 37 Prozent der Zweitstimmen. Für Valls geht es bei dieser Wahl nicht allein um ein honoriges Ergebnis, sondern auch darum, seinen Anspruch zu begründen, künftig die gemäßigte Linke zu führen.

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Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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